Honecker: Die Mauer besteht auch noch in 50 und auch in 100 Jahren

Nach Honeckers Auffassung werde die Mauer so lange bestehen, wie die Gründe dafür nicht beseitigt seien: „Das ist schon erforderlich, um unsere Republik vor Räubern zu schützen, ganz zu schweigen von denen, die gern bereit sind, Stabilität und Frieden in Europa zu stören.“

Für Honecker habe zudem jeder Staat die Pflicht und das Recht „seine Bürger vor Ausplünderungen“ zu schützen. „Die Sicherung der Grenze ist das souveräne Recht eines jeden Staates, und so auch unserer DDR.“Als Beispiel für eine Plünderung nennt Honecker den Umtauschkurs von West und Ostmark von 1:7. Das sei für die DDR-Regierung untragbar, sagt er.

Kirchliche Opposition antwortet mit Offenem Brief

Honecker reagiert mit seinem Zitat auf eine Anti-Mauer-Äußerung des damaligen US-Außenministers George P. Shultz. Die US-Regierung betreibe mit einer elektrischen Sperranlage an der Grenze zu Mexiko eine ähnliche Politik wie die DDR, um sich vor „Räubern“ zu schützen, urteilt er.

Die Äußerung Honeckers sorgt nicht nur international für Aufmerksamkeit, besonders die Kirchen im Inland zeigen sich entsetzt: In einem Offenen Brief reagieren zwei kirchliche Oppositionsgruppen auf die Rede des SED-Generalsekretärs.

Die Mauer sei nicht gegen „irgendwelche Räuber nach außen, sondern vor allem nach innen“ gerichtet. Die DDR brauche eine „Stabilität durch Gerechtigkeit und nicht eine Stabilität der Angst, die durch innere und äußere Abgrenzungen gesichert werden muss“. „Wir und unsere Kinder wollen nicht noch 50 Jahre warten."

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