Erste Freilassungen

Erste Freilassungen

14. Oktober 1989: Ersten Demonstranten kommen frei, die in den Tagen zuvor festgenommen worden waren. Weitere folgen. Was sich im Nachhinein als Trendwende herausstellt, ist eigentlich als taktisches Manöver gedacht.

Durch den Verlauf der Montagsdemonstration am 9. Oktober in Leipzig hatte die SED-Führung eine große Niederlage eingesteckt. Staats- und Parteiführung mussten vor der Menschenmenge kapitulieren.

Noch zwei Tage zuvor, am 7. und 8. Oktober, gingen Einheiten der Volkspolizei und der Staatssicherheit mit Gewalt gegen Demonstranten in Ost-Berlin vor und verhafteten über 1.000 Menschen.

Die SED fragt sich: Was ist in Leipzig schief gelaufen, und wie soll man künftig gegen Demonstranten vorgehen? Honecker wirbt für ein hartes Vorgehen. Modrow will eine „weichere Politik“. Manfred Gerlach von der Blockpartei LDPD fordert die Einbeziehung der Bürgerbewegungen in die Diskussion. Harte Linie oder Einlenken – die weitere Strategie ist unklar.

So oder so: Man will das Ende der Demonstrationen erreichen. Während also im Ministerium für Staatssicherheit die Vorbereitungen für eine mögliche Verhaftungswelle weitergehen, geht das SED-Regime nach außen hin erstmals auf die Forderungen von Kirche und Bürgerbewegung ein. Das Politbüro erklärt in der Tageszeitung Neues Deutschland: „Wir stellen uns der Diskussion.“ Eine Pressekampagne unter dem Motto „Dialog ist unsere Politik“ läuft an.

Bürgerrechtsbewegungen und Kirchenvertreter sind misstrauisch. Sie nehmen das Dialogangebot zwar an, stellen aber Bedingungen. Sie fordern einen echten Dialog und die Freilassung aller politischen Gefangenen sowie die Einstellung der Ermittlungsverfahren.

Deshalb teilt am 13. Oktober 1989 die Generalstaatsanwaltschaft in Ost-Berlin mit, dass „wegen Störung der Volksfeste am 7. Oktober sowie im Zusammenhang mit gesetzwidrigen Ansammlungen festgenommene Personen aus der Haft entlassen“ werden.

Schlagwörter