Die perfiden Methoden eines perfiden Systems

„KoKo“ steht für „Kommerzielle Koordination“. Wie viel kriminelle Energie sich dahinter verbirgt, übersteigt selbst die Phantasie vieler Parteigenossen.

Von SED und MfS gesteuert

Die „KoKo“ ist dem Zentralkomitee der SED untergeordnet und wird vom Ministerium für Staatssicherheit (MfS) kontrolliert. Das offiziell zuständige Außenhandelsministerium hat keinerlei Einfluss. Aufgabe von „KoKo“ ist, abseits der offiziellen, legalen Möglichkeiten des Außenhandels Devisen zu erwirtschaften.

Die Devisen wandern allerdings nicht in den Staatshaushalt, sondern direkt an die SED oder die Stasi: D-Mark und Dollar für geheime Operationen. Teilweise wird damit auch die Zahlungsfähigkeit der DDR gesichert. Die Tätigkeit des Bereichs „Kommerzielle Koordinierung“ unterliegt strenger Geheimhaltung. Bis zum Herbst 1989 weiß die DDR-Öffentlichkeit nichts davon.

Von Schalck-Golodkowski geleitet

Hinter „KoKo“ verbirgt sich Alexander Schalck-Golodkowski. Als stellvertretender Minister, Staatssekretär, ZK-Mitglied und Leiter der „KoKo“ ist Schalck-Golodkowski einer der wichtigsten Männer der DDR-Wirtschaft. Er steuert ein Netz von illegalen SED-Tarnfirmen in Westeuropa, dirigiert geheime Parteifirmen, verschafft den SED-Funktionären Luxusgüter aus dem Westen, fälscht Bilanzen und parkt Devisen auf Konten in der Schweiz und in Liechtenstein.

Schalck operiert mit Luftbuchungen und Scheinlieferungen, bei denen keine Waren bewegt, sondern nur die westlichen Steuerbehörden betrogen werden. Für seine Finanztransaktionen nutzt er die Deutsche Außenhandelsbank AG mit Sitz in Ost-Berlin. Sie hat in der DDR den rechtlichen Status eines „Devisenausländers“ und steht damit außerhalb der Kontrollhoheit des Finanzministers.

Geschäfte mit dem Westen

Zu den Aufgaben der „Kommerziellen Koordinierung“ zählen die so genannten Embargogeschäfte: Die Beschaffung strategischer Güter aus dem „nicht sozialistischen Westen“. Güter, die wegen Embargobestimmungen des Westens nicht in den Ostblock exportiert werden dürfen. Zum Beispiel Computertechnologie und Produktionsanlagen für die Mikroelektronik und militärisch verwendbare Güter.

Durch diesen Zugriff auf Westwaren ist Schalck-Golodkowski innerhalb der DDR-Führung eine gefragte und hofierte Persönlichkeit. Er besorgt begehrte Luxusartikel, aber auch Pornohefte und Drogen. Außerdem verwaltet die „Koko“ die beschlagnahmten Waren der DDR-Zollverwaltung. Schalck- Golodkowski macht sich damit zum Liebling der Parteifunktionäre.

Das „KoKo“-Geflecht ist bei der Auflösung der Abteilung im März 1990 undurchschaubar. Kaum jemand hat Einblick in die geheimen Geschäfte. Fest steht: Während ihres Bestehens hat die „KoKo“ viele Milliarden DM erwirtschaftet. Die genauen Zahlen bleiben unklar.

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