Brandenburger Tor noch immer zu

Brandenburger Tor noch immer zu

16. November 1989: Seit dem 10. November gleicht West-Berlin einem Bienenstock, an dessen Schlupflöchern sich Zehntausende drängen. Auch wenn alle Grenzübergänge offen sind und ständig neue eröffnet werden: Die Staus werden nicht kürzer. Und das Brandenburger Tor bleibt noch verschlossen.

Die Mauer am Brandenburger Tor

Brandenburger Tor blieb vorerst verschlossen.

Foto: REGIERUNGonline / Lehnartz

Seit knapp einer Woche liegt das Land wie im Taumel. Über Nacht verwandeln sich Schulen, Betriebe und Büros in entvölkerte Kulissen, während draußen die Welt auf den Beinen ist. Schnell daheim noch volltanken, dann in Richtung Westen oder West-Berlin. Allein der Stau vor West-Berlin reicht bis Magdeburg.

Beton und Stacheldraht weichen dem Druck der Massen: In Berlin werden in der ersten Woche nach dem Mauerfall zehn amtliche Übergänge neu geöffnet. Darunter sind große Schauplätze deutscher Geschichte: Die Bernauer Straße. Die Glienicker Brücke. Der Potsdamer Platz.

Medien fragen: Wann öffnet sich das Tor?

Am 15. November fragen die Medien: Wann öffnet sich die Mauer am Brandenburger Tor, dem symbolträchtigsten Ort der deutschen Teilung? Zwar haben hier schon in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1989 Hunderte auf der Mauerkrone getanzt. Doch das Tor bleibt in den Tagen und Wochen darauf noch verschlossen. Erst kurz vor Weihnachten werden hier die Grenzanlagen abgetragen, können Bundeskanzler Helmut Kohl und DDR-Ministerpräsident Hans Modrow das Tor öffnen.

Mit Axt und Vorschlaghammer

Mancher schafft sich seinen eigenen Grenzübergang: mit Vorschlaghammer und Seitenschneider. In Berlin hämmern „Mauerspechte“ mannshohe Löcher in den Beton. Noch Wochen und Monate bahnen sich die Menschen auf diese Weise ihren Weg: Im Juni 1990 wird ein Bauer im ländlichen Lübars die Mauer mit seinem Traktor durchbrechen.

Bonn will Klarheit in Sachen Reisefreiheit

In Bonn verhandelt Kanzleramtsminister Rudolf Seiters an diesem 15. November einmal mehr mit DDR-Staatssekretär Alexander Schalck-Golodkowski. Seiters fordert eine Liberalisierung des Reiseverkehrs von West nach Ost. Was ist beispielsweise mit Personen, die bislang „Einreiseverbote“ haben? Dürfen ehemalige „Republikflüchtlinge“ in die DDR reisen? Bislang hat sich Ostberlin dazu noch nicht geäußert.

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