Aus für Egon Krenz

Aus für Egon Krenz

6. Dezember 1989: „Im Interesse der Stabilität der DDR und der notwendigen revolutionären Erneuerung unseres Landes trete ich von meiner Funktion als Vorsitzender des Staatsrates und Vorsitzender des nationalen Verteidigungsrates der DDR zurück.“ Mit diesen Worten legt Egon Krenz auch seine Ämter als Staatsoberhaupt nieder.

SED-Generalsekretär Egon Grenz umringt von Menschen beim außerordentlichen Parteitag in der Dynamo-Sporthalle in Ostberlin.

Wollte Macht der SED erhalten: Egon Krenz.

Foto: picture-alliance/ ZB

Das Amt des SED-Generalsekretärs war er schon drei Tage zuvor losgeworden. Krenz zieht die Konsequenz aus der offenen Ablehnung in der Bevölkerung.

Sofort nach seiner Wahl zum Staatsratsvorsitzenden gehen Tausende auf die Straße und demonstrieren: „Wir sind keine Fans von Krenz!“ und „Egon allein, das darf nicht sein!“. Die Menschen lehnen Krenz als Nachfolger Honeckers ab. Sie wollen nicht den Kronprinzen, von dem keine Reformen zu erwarten sind. Zumal er im Mai 1989 als oberster Wahlleiter die systematischen Wahlfälschungen bei der DDR-Kommunalwahl gedeckt hat.

Die Macht der SED sichern

Während seiner kurzen Amtszeit bringt Krenz nichts auf den Weg, was seine Glaubwürdigkeit stärken könnte. In seiner Antrittsrede hat Krenz zwar von „Wende“ gesprochen, aber er hat nur geringfügige Änderungen des bestehenden Systems gemeint. Auch nach der Maueröffnung am 9. November hat sich an seinen Absichten wenig geändert: Seine Reformbestrebungen zielen darauf ab, die Revolution im Lande einzudämmen – und die Macht der SED zu erhalten. Er will retten, was im Grunde nicht mehr zu retten ist.

Krenz bleibt uneinsichtig

Acht Jahre später, im August 1997, verurteilt das Berliner Landgericht Egon Krenz als einen der Hauptverantwortlichen für die tödlichen Schüsse an der innerdeutschen Grenze zu sechs Jahren und sechs Monaten Gefängnis. Gegen seine Verurteilung erhebt Krenz Verfassungsbeschwerde. Er bezeichnet das Urteil als „Kalten Krieg im Gerichtssaal“. Ohne Erfolg. Er muss seine Haftstrafe am 13. Januar 2000 in der Justizvollzugsanstalt Berlin-Hakenfelde antreten. Am 22. März 2001 verwirft der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte eine Menschenrechtsbeschwerde, die Krenz eingelegt hat.

Am 18. Dezember 2003 wird er nach knapp vier Jahren vorzeitig aus der Haft entlassen. Der Rest der Strafe wird zur Bewährung ausgesetzt.

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