Aufhebung des Schießbefehls an der innerdeutschen Grenze

Seinen Entschluss begründet Honecker intern mit der angespannten politischen und gesellschaftlichen Lage im Land und dem nationalen und internationalen Druck, der durch den Tod des Jugendlichen Chris Gueffroy am 5. Februar an der Berliner Mauer entstanden ist.

„Es darf nicht auf fliehende Menschen geschossen werden, wenn es keinen Schießbefehl gibt.“

Der Chef des Hauptstabes der Nationalen Volksarmee und Sekretär des Nationalen Verteidigungsrates, Generaloberst Fritz Streletz, informiert hochrangige Militärs der DDR-Armee darüber, dass Honecker informell die Aufhebung des Schießbefehls angeordnet habe.

Honecker habe befohlen: „Es darf nicht auf fliehende Menschen geschossen werden, wenn es keinen Schießbefehl gibt. (...) Es gilt zu beachten: Lieber einen Menschen abhauen lassen, als in der jetzigen politischen Situation die Schußwaffe anzuwenden.“

Die Aufhebung des Schießbefehls wird in den DDR-Grenztruppen in den kommenden Tagen mündlich verbreitet, dringt aber nicht nach außen.

Am 28. April gibt der Minister für Staatssicherheit Mielke in einer „zentralen Dienstbesprechung“ offiziell die Aufhebung des Schießbefehls bekannt.

Nur noch Warnschüsse an der Berliner Mauer

Am 8. April kommt es zum realen Beweis der Aufhebung des Schießbefehls an der Berliner Mauer. Der Fluchtversuch zweier jugendlicher Bürger wird durch Warnschüsse gestoppt. Beide werden unverletzt festgenommen – es sind die letzten bekannt gewordenen Schüsse an der Berliner Mauer. Chris Gueffroy ist das letzte Todesopfer, das am 5. Februar 1989 an der Berliner Mauer sein Leben lassen musste.

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