"Der Wandel ist unumkehrbar"

"Der Wandel ist unumkehrbar"

17. November 1989: Ein Tag des Abschieds und der Einsicht: Der neue DDR-Ministerpräsident Hans Modrow rückt in seiner Regierungserklärung endgültig vom Staatsverständnis der bisherigen Machthaber ab. Zugleich stellt er seine Überlegungen, wie es zwischen den beiden deutschen Staaten weitergehen soll, nachdem die Grenzen offen sind, vor.

Dem Volk verpflichtet, so will das Kabinett Modrow das Land führen. Der neue Chef des Ministerrates verspricht es persönlich: Eine Regierung als „neuverstandenes, kreatives politisches Bündnis“, das den Bürgern Rechenschaft ablegt. Der Wandel in der DDR sei unumkehrbar.

Neue Verhältnisse

Gleichwohl, die Hoffnung auf einen sozialistischen Staat lebt fort. Modrow: „Der Erneuerungsprozess der sozialistischen Gesellschaft verlangt die Reform des politischen Systems.“ Gemeinsam mit vier anderen Parteien bleibt die SED an der Macht. Aber Modrow räumt etliche Fehler ein und muss Zugeständnisse an die neuen Kräfte machen: „Das Volk würde jeden beiseite fegen, der eine Wiederherstellung alter Verhältnisse zu versuchen wagt“, sagt Modrow in seiner Erklärung.

„Kooperative Koexistenz“

Modrow gibt klar zu erkennen, dass er die deutsche Frage für beantwortet hält: Er will, dass es weiterhin zwei deutsche Staaten gibt. Aber die Zusammenarbeit lasse sich ausweiten, meint Modrow. Er spricht von „kooperativer Koexistenz“ und möchte die „Verantwortungsgemeinschaft“, die die Deutschen aufgrund ihrer Geschichte seien, zu einer „Vertragsgemeinschaft“ ausbauen.

Vorfühlen bei den Amerikanern

Am selben Tag greift ein Mann im Westen zum Telefon. Eine halbe Stunde berät sich Bundeskanzler Helmut Kohl mit dem Präsidenten der Vereinigten Staaten. George Bush senior ermuntert den Bundeskanzler. Selbstbestimmung, so lautet die Linie in der deutschen Frage – aber sachte. Keine großen Reden, keine Zeitpläne gar zum Abriss der Mauer. Noch gilt es, die anderen Mächte für einen Weg zu gewinnen, der zur Wiedervereinigung Deutschlands führen kann.

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