8. Januar 1990 - Auf dem Weg zur Deutschen Einheit

Auftakt zu neuen Montagsdemos in Leipzig

8. Januar 1990: Ein neues Jahr, doch die Unzufriedenheit hält an. In Leipzig versammeln sich über 100.000 Menschen auf dem Karl-Marx-Platz zur ersten Montagsdemonstration des Jahres. Sie fordern ein vereintes Deutschland und dass die SED verschwindet.

Die Mauer ist weg - Zeit für die Einheit

Mit der ersten Montagsdemo in Leipzig am 4. September 1989 – im Anschluss an das Friedensgebet in der Nikolaikirche – hat eine regelrechte Demonstrationswelle in der DDR eingesetzt. In den folgenden Wochen gingen auch in anderen Städten der DDR regelmäßig immer mehr Menschen auf die Straßen, um gegen das SED-Regime zu protestieren.

Zunächst haben die Bürger vor allem Reise- und Pressefreiheit sowie demokratische Grundrechte und generelle politische Reformen gefordert. Nach dem Mauerfall wird auch die Forderung nach der Wiedervereinigung Deutschlands laut: Aus „Wir sind das Volk“ wird „Wir sind ein Volk“ und „Deutschland einig Vaterland“.

Am 8. Januar 1990 schwenken die Protestteilnehmer in Leipzig schwarz-rot-goldene Fahnen.

„Nieder mit der SED“

Den Demonstranten reicht eine „Wende“ – davon hatte Egon Krenz gesprochen – nicht aus. Sie wollen nicht nur einige Reformen am sozialistischen System. Zwar ist seit Anfang Dezember 1989 der Führungsanspruch der SED aus der DDR-Verfassung gestrichen, aber die Menschen bezweifeln, dass die Partei bereit ist, ihre Macht ganz aus den Händen zu geben. Deshalb skandieren die Demonstrationsteilnehmer am 8. Januar in Leizpig: „Nieder mit der SED!“. Die Wut richtet sich auch gegen einzelne SED-Funktionäre: „Weg mit Gysi!“ und „Weg mit Modrow!“.

An den „Runden Tischen“ , die seit Ende 1989 entstanden sind, formulieren die neuen Parteien und Oppositionsgruppen ihre Vorstellungen und Forderungen. Die Machthaber sehen sich gezwungen, ihre Macht zu teilen. Aber noch hat die SED, die sich inzwischen den Zusatz „Partei des demokratischen Sozialismus“ gegeben hat, maßgeblichen Einfluss; noch stellt sie die höchsten Repräsentanten des Staates. Das wird sich erst durch die ersten freien Volkskammerwahlen am 18. März 1990 ändern.