1949 – 1990: Geteiltes Deutschland und Wiedervereinigung

Das Grenzdenkmal Hötensleben dokumentiert die von der ehemaligen DDR errichtete innerdeutsche Grenze noch relativ vollständig. Hier werden alle militärisch wichtigen Elemente der Grenzanlage gezeigt. Seit 1990 steht diese Anlage unter Denkmalschutz.

Innerdeutsche Grenze: Viele Jahre teilte sie Deutschland

Foto: Bundesregierung/Reineke

Vier Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges ist Deutschland geteilt in zwei Staaten mit unterschiedlichen Gesellschaftsformen. In der Bundesrepublik Deutschland strebt die christlich-liberale Bundesregierung unter Kanzler Konrad Adenauer eine Westintegration an. Mit Hilfe der drei Westmächte verwirklicht sie eine parlamentarische Demokratie. In der DDR baut der erste Staatsratsvorsitzende Walter Ulbricht das Land nach dem Vorbild der Sowjetunion um. Beide deutsche Staaten werden immer mehr in den westlichen und östlichen Machtblock integriert.

Auch wirtschaftlich entwickeln sich beide Staaten auseinander. Der Marshall-Plan, der Aufbau der sozialen Marktwirtschaft und eine günstige wirtschaftliche Entwicklung führen zum schnellen Aufbau der westdeutschen Wirtschaft.

Planwirtschaft und beginnende Wiederaufrüstung verlangsamen hingegen die wirtschaftliche Entwicklung in der DDR. Die Unzufriedenheit vieler Bürger wächst. Im Juni 1953 kommt es in der DDR erstmals zu Streiks und Demonstrationen, mehr als eine halbe Millionen Menschen beteiligen sich. Das sowjetische Militär schlägt den Aufstand am 17. Juni blutig nieder.

17. Juni 1953 - Historischer Tag für Deutschland

Qualifizierte Arbeitskräfte fliehen aus dem Osten in den Westen. Mit dem Bau der Berliner Mauer im August 1961 wollen die Machthaber im Osten die Flucht weiterer DDR-Bürger verhindern und zementieren damit die Teilung Deutschlands.

Die Berliner Mauer - Ein unmenschliches Bauwerk

In den kommenden Jahren trifft die DDR-Führung viele Entscheidungen, die das Land weiter von der Bundesrepublik abgrenzen: 1964 wird ein neuer Personalausweis mit der Staatsangehörigkeit "Bürger der Deutschen Demokratischen Republik" eingeführt. 1967 folgt ein neues Staatsangehörigkeitsgesetz. Es setzt das Reichs- und Staatsangehörigkeitsgesetz von 1913 außer Kraft, das bis dahin Grundlage für eine gemeinsame Staatsangehörigkeit der Deutschen in Ost und West war.

Es folgen viele Jahre des geteilten Deutschlands ohne politische Annährung.

Entspannung und Annährung

Eine politische Annährung erfolgt Ende der sechziger Jahre. Nach der Bundestagwahl 1969 nimmt die sozial-liberale Regierung unter Willy Brandt und Walter Scheel die Ostpolitik in ihre Regierungspolitik auf. Die neue Regierung ist bereit, die Grenzen in Europa anzuerkennen, die nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden sind. In den Moskauer und Warschauer Verträgen von 1970 akzeptieren die Bundesregierung und die sowjetische beziehungsweise polnische Regierung die neuen Grenzen, einschließlich der Oder-Neiße-Grenze und der Grenze zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der DDR. Eine völkerrechtliche Anerkennung der DDR ist damit nicht verbunden.

Moskauer und Warschauer Verträge

Die Regierung Brandt/Scheel ist auch bestrebt, die Beziehungen zur DDR zu normalisieren. 1970 kommt es in Kassel und Erfurt erstmals zu innerdeutschen Gipfeltreffen mit Willy Brand und Willy Stoph, DDR-Ministerratsvorsitzender. Doch zu konkreten Ergebnissen kommt es noch nicht.

Ab März 1970 treffen sich auch die vier Siegermächte wieder in Berlin. Es geht um den Status der Stadt. Während die USA, Großbritannien und Frankreich eine Zuständigkeit der vier Siegermächte für Gesamtberlin fordern, will die Sowjetunion die Zuständigkeit der Westmächte nur auf den Westteil beschränken. Zähe Verhandlungen folgen. Im September 1971 unterzeichnen die Siegermächte das Viermächteabkommen über Berlin. Darin garantiert die Sowjetunion einem ungehinderten Transitverkehr zwischen der Bundesrepublik Deutschland und Westberlin. Außerdem wird die Aufrechterhaltung und Weiterentwicklung der Beziehungen zwischen der Bundesrepublik und Westberlin erlaubt. Westberlin wird aber kein Bestandteil der Bundesrepublik und wird auch nicht aus Bonn regiert. Das Viermächteabkommen entspannt die Lage für das geteilte Berlin.

Eine weitere Verbesserung innerdeutscher Beziehungen bringt der Grundlagenvertrag, der im Dezember 1972 unterzeichnet wird. Auf seiner Basis wollen beide Länder "normale gutnachbarliche Beziehungen zueinander auf der Grundlage der Gleichberechtigung" entwickeln (Artikel 1 des Vertrages). Eine Anerkennung der DDR als souveräner Staat erreicht die DDR-Führung damit dennoch nicht.

1976: Auch die Bundesregierung unter Kanzler Helmut Schmidt und Außenminister Hans-Dietrich Genscher setzt die Entspannungspolitik fort. Allerdings erschweren der Einmarsch sowjetischer Truppen in Afghanistan und der Nato-Doppelbeschluss (beides im Dezember 1979) den Prozess.

Der Nato-Doppelbeschluss war die Reaktion auf eine Entscheidung der Sowjetunion, ihre auf Westeuropa gerichteten atomaren Mittelstreckenraketen durch moderne SS-20-Raketen zu ersetzen.

Im Dezember 1981 besucht Helmut Schmidt den Staatsratsvorsitzenden Erich Honecker. (Honecker hatte auf Druck der Sowjetunion Walter Ulbricht zunächst als SED-Generalsekretär und später auch als Staatsratsvorsitzenden ersetzt. Unter Honecker orientiert sich die DDR-Führung wieder mehr an den Vorgaben der Sowjetunion.)

In der Bundesrepublik zerbricht 1982 die sozial-liberale Koalition, Helmut Schmidt wird durch ein konstruktives Misstrauensvotum gestürzt. Neuer Bundeskanzler wird Helmut Kohl. Auch die neue christlich-liberale Bundesregierung ist an guten innerdeutschen Beziehungen interessiert. Zwei Milliardenkredite für die DDR sind ein Zeichen dafür. Zu einem lange geplanten Besuch Erich Honeckers in Bonn kommt es im September 1987. Trotz vorsichtiger politischer Annährung bleiben dennoch beide deutsche Staaten Realität.

Veränderung bringt erst die friedliche Revolution im Oktober 1989 in der DDR. Bundeskanzler Kohl ergreift die Chance. Bereits im November stellt er sein "Zehn-Punkte-Programm zur Überwindung der Teilung Deutschlands und Europas" im Bundestag vor.

Zehn-Punkte-Programm

Mit einem Feuerwerk vor dem Reichstagsgebäude feiern die Deutschen den Tag der Deutschen Einheit.

3. Oktober 1990: Deutschland ist wieder ein Land

Foto: Bundesregierung/Reineke

Auch wenn die Reaktionen auf das Programm im In- und Ausland unterschiedlich sind, so bereitet dieses Initiative doch die Wiedervereinigung Deutschlands vor. Am 3. Oktober 1990 ist es soweit: Deutschland ist nach mehr als 40 Jahren wieder ein Land.

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