1947 – 1949: Bröckelnde Einigkeit, wachsendes Misstrauen

Die Einigkeit der alliierten Siegermächte, die zum Potsdamer Abkommen geführt hatte, hält nicht lange an. In ihren jeweiligen Besatzungszonen lassen sich die Alliierten durch eigene Interessen leiten. Das Potsdamer Abkommen wird unterschiedlich ausgelegt.

Potsdamer Abkommen

Die USA möchten ein neues Europa mit der Selbstbestimmung aller Völker schaffen. Die Sowjetunion will in ihrer Besatzungszone ein Deutschland nach eigenem Vorbild.

Zwar setzen sich offiziell die Siegermächte für die Einheit Deutschlands ein. Dennoch überwiegen Eigeninteressen und gegenseitiges Misstrauen. Die schlechte wirtschaftliche Lage Deutschlands beschleunigt zudem die Teilung des Landes. Im Januar 1947 schließen die USA und Großbritannien ihre beiden Besatzungszonen zu einem wirtschaftlichen Raum zusammen, dem sich Frankreich anschließt.

Marshall-Plan zum Wiederaufbau

Die USA will allen kriegsgeschädigten Ländern Europas helfen. Am 5. Juni 1947 stellt der amerikanische Außenminister George C. Marshall das "Europäische Wiederaufbauprogramm" vor, bekannt als "Marshall-Plan". Es sieht umfangreiche Hilfsleistungen vor.

Die Sowjetunion lehnt dies ab. Stattdessen fordert sie von Deutschland Reparationsleistungen. Während die westlichen Länder und Besatzungszonen Kredite und Warenlieferungen aus den USA erhalten, müssen östliche Länder darauf verzichten. Zudem muss die Sowjetische Besatzungszone für die Reparationsleistungen aufkommen. Das schwächt die Wirtschaft in der Zone und lässt sie verarmen.

Deutschland wird gespalten

Die Außenministerkonferenz der vier Siegermächte im November/Dezember 1947 scheitert. Die Siegermächte können sich nicht auf gesamtdeutsche Wahlen einigen. Die USA und Großbritannien entschließen sich, einen westdeutschen Teilstaat zu schaffen.

Auf der Londoner Sechsmächtekonferenz im Februar 1948 einigen sich die Westmächte und die drei Beneluxstaaten Belgien, Niederlande und Luxemburg auf einen westdeutschen Staat.

Aus Protest gegen den Beschluss verlässt der sowjetische Vertreter am 20. März 1948 die Sitzung des Alliierten Kontrollrats. Der Rat tritt daraufhin nicht mehr zusammen. Die Viermächte-Regierung bricht auseinander.

Zwei deutsche Staaten entstehen

Nach dem Beschluss zur Gründung eines westdeutschen Teilstaates werden die Ministerpräsidenten der Länder aufgefordert eine verfassungsgebende Versammlung einzuberufen und die Länder neu zu gliedern.

Der neue Staat dürfe aber nur einen provisorischen Charakter haben, fordern die Ministerpräsidenten. Sie beauftragen einen Parlamentarischen Rat, ein Grundgesetz auszuarbeiten. Verabschiedet wird das Grundgesetz am 8. Mai 1949. Amtlich verkündet wird es am 23. Mai. Vorläufige Hauptstadt der Bundesrepublik Deutschland wird Bonn.

Im Osten Deutschlands, in der Sowjetischen Besatzungszone, entsteht im Dezember 1947 die "Volkskongressbewegung für Einheit und gerechten Frieden". Geführt wird sie durch die Sozialistische Einheitspartei Deutschlands, die auf Druck der Sowjetunion entstanden ist.

Aus der Volkskongressbewegung wird 1948 der Deutsche Volksrat. Er beauftragt die Erarbeitung einer Verfassung. Der Entwurf einer "Verfassung der Deutschen Demokratischen Republik" wird am 19. März 1949 vom Volksrat beschlossen. Im Mai stimmen die Delegierten des III. Deutschen Volkskongresses dem Verfassungsentwurf zu und bestimmen aus ihren Reihen den 2. Deutschen Volksrat. Der tritt am 7. Oktober zusammen und erklärt sich zur Provisorischen Volkskammer der Deutschen Demokratischen Republik. Damit ist der zweite deutsche Staat entstanden.

Auch eine gemeinsame Währungsunion kommt nicht mehr zustande. Sie scheitert ebenfalls an den Widersprüchen zwischen den Westalliierten und der Sowjetunion. Und so künden die Westalliierten am 20. Juni 1948 eine Währungsunion für die drei Westzonen an. Die Sowjetunion reagiert sofort. Drei Tage später verkündet sie eine Währungsunion für ihre Zone. Außerdem sperrt sie die Zonen-Grenze zu den drei westlichen Sektoren in Berlin vom 24. Juni 1948 bis 12. Mai 1949 ab. Es ist die Zeit der Berliner Blockade. Westberlin wird von den Alliierten durch Hilfsflüge versorgt, bekannt als Berliner Luftbrücke.

Kalter Krieg

Ein jahrelanger Konfrontationskurs zwischen den drei Westalliierten und der Sowjetunion folgt. Der Kalte Krieg ist in vollem Gange. Es folgen Jahrzehnte, in denen beide Lager versuchen, den Einfluss der anderen Seite einzudämmen. Die Sowjetische Besatzungszone wird dabei zum Spannungsfeld zwischen den USA und der Sowjetunion.

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