"Das Feedback ist enorm"

Religion digital "Das Feedback ist enorm"

Zu Ostern bleiben die Kirchen aufgrund der Corona-Pandemie dieses Jahr geschlossen. Auch sonst steht das Leben vieler Gemeinden still. Das Projekt "meinegemeinde.digital" möchte helfen - mit einer speziell dafür entworfenen App. Für ihre Arbeit wurde das Team beim Hackathon der Bundesregierung ausgezeichnet. Zwei Entwickler haben uns mehr verraten.

Das Bild zeigt vier Teammitglieder von "meinegemeinde.digital": Raphael Mayer, Simon Zebrowski, Julian Zeschko und Maximilian Mayer. 

Die Köpfe hinter "meinegemeinde.digital": Raphael Mayer (o.l.), Simon Zebrowski (o.r.), Julian Zeschko (u.l.) und Maximilian Mayer (u.r.).

Foto: meinegemeinde.digital

Frage: Was hat Sie bewogen, beim Hackathon der Bundesregierung mitzumachen?

Maximilian Mayer: Ich habe aus der Start-Up-Szene in Nürnberg vom Hackathon erfahren. Wir haben ja bereits einige Erfahrungen mit diesem Format – wobei es einen Unterschied macht, ob man sich physisch trifft oder ohne direkten Kontakt zu den anderen Teams auskommen muss – der ja sehr reizvoll ist. Dennoch war uns schnell klar, dass wir bei diesem Hackathon mitmachen – schließlich hat man ja Zeit am Wochenende (lacht).

Simon Zebrowski: Ich habe über den Instagram-Account der Bundesregierung davon erfahren. Wir haben uns dann schnell zusammengeschrieben und hatten alle Lust, mitzumachen.

Frage: Der Hackathon lief über zwei Tage – wie haben sie diese 48 Stunden erlebt?

Mayer: Im Vergleich zu anderen Hackathons, an denen ich bislang teilgenommen habe, war die Arbeit in diesem Fall ziemlich konstruktiv. Wir haben uns in kürzester Zeit die Challenge rausgesucht und da das Team feststand, haben wir keine unnötige Zeit verschwendet. Das war für andere Teams, die sich erst bilden mussten, bei über 28.000 Teilnehmern sicher erstmal eine Herausforderung.

Normalerweise wird so eine Veranstaltung kurz vor der Abgabe immer stressig. Dieses Mal war es für uns fast schon entspannt. Das lag auch daran, dass um 18 Uhr zunächst das Präsentations-Video fertig sein musste und wir dann noch bis 24 Uhr Zeit hatten, das Projekt auf der Plattform "DevPost" einzustellen. Wir hatten uns aufgeteilt, konnten aber jeweils alle gemeinsam daran arbeiten, die Abgabefristen gut einzuhalten.

Frage: Ihr Fokus liegt auf digitalen Angeboten von Kirchen und Religionsgemeinschaften. Über ihre Plattform sollen Gläubige auch in diesen Zeiten mit ihren Gemeinden in Kontakt bleiben. Woher kam diese Idee?

Zebrowski: Die Challenges im Heckathon wurden ja von den verschiedensten Akteuren eingestellt. Darunter war auch eine muslimische Gemeinde, die vor dem Problem stand, dass das Gemeindeleben jetzt nicht mehr stattfinden kann. Da konnten wir uns gut reinversetzen, da wir alle einen christlichen Hintergrund haben und alle einer Gemeinde der Neuapostolischen Kirche angehören. Die Situation dort ist ja ganz ähnlich, insofern hat uns dieses Problem gleich angesprochen. Unser erstes Ziel war, erstmal für einen kleinen Kreis, für unsere eigene Gemeinde, eine Lösung zu finden. Die Probleme der muslimischen Gemeinde haben uns aber motiviert, an einer größeren, überkonfessionellen Lösung zu arbeiten.

"Wichtig dürfte für viele Gemeinden auch sein, dass wir sie quasi digital nachbauen und sie für die Gemeindeglieder sofort erkennbar wird."

Mayer: Wir haben dann schnell relativ groß gedacht. Also haben wir die Prozesse hinter der Anwendung so strukturiert, dass die Lösung für alle Religionen übertragbar und nutzbar ist.

Welchen Mehrwert haben Gemeinden von ihrer Anwendung?

Mayer: Wir wollen den Gemeinden eine zentrale Plattform bieten, die ihre verschiedenen Angebote bündelt, ein Informationswirrwarr verhindert und von der Gemeindeleitung einfach verwaltet werden kann. Schon jetzt gibt es viele Wege für die Gemeinden, ihre digitalen Angebote nutzbar zu machen – etwa über die Sozialen Medien. Zahlreiche Menschen nutzen dieses Angebot aber nicht – etwa aus datenschutzrechtlichen Gründen.

Zebrowski: Wichtig dürfte für viele Gemeinden auch sein, dass wir sie quasi digital nachbauen und sie für die Gemeindeglieder sofort erkennbar wird – etwa durch das vertraute Gesicht des eigenen Pfarrers oder Gemeindeleiters.

Logo des Projekts "meinegemeinde.digital"

Das Logo von "meinegemeinde.digital".

Foto: meinegemeinde.digital

Haben sie schon Rückmeldungen von Kirchen oder anderen Religionsgemeinschaften bekommen?

Mayer: Unmittelbar nach Ende des Hackathon haben wir die ersten Rückmeldungen bekommen, insgesamt ist das Feedback enorm – aus unserer eigenen Kirche, aber auch anderen Religionsgemeinschaften. Mit fünf Gemeinden im deutschsprachigen Raum sind wir jetzt in die Testphase gegangen, sind da also schon online. Auch weitere Gemeinden haben Interesse, derzeit haben wir Kontakt mit rund 150 Gemeindeleitungen in ganz Deutschland, die an einem langfristigen Einsatz der App interessiert sind. Wir arbeiten mit Hochdruck daran, dass die App so schnell wie möglich für so viele Gemeinden wie möglich zugänglich ist. Wir setzen da auch auf das jetzt gestartete "Solution Enabler Programm" der Bundesregierung, das vielleicht hilft, diesen Prozess etwas zu beschleunigen.

Persönlich gefragt: Ist ein digitaler Gottesdienst wirklich ein Ersatz für ein Gottesdienst, in dem die Gemeinde auch physisch zusammenkommt?

Mayer: Jeder von uns hat schon an digitalen Gottesdiensten teilgenommen, das hat uns sicher auch zu der Idee geleitet. Ein Gottesdienst im Livestream ist schön, man bekommt weiterhin die geistlichen Impulse. Was definitiv fehlt ist die Gemeinschaft, die man mit den anderen Menschen, die ja auch das eigene soziale Umfeld teilweise ausmachen, hat. Für viele Menschen sind die Gemeinden ein wesentliches Netzwerk, in dem man Kontakte und Freundschaften pflegt. Das fällt jetzt weg. Da kann ein digitales Angebot kein vollwertiger Ersatz sein. Dennoch wollen wir mit unserer Plattform den Gemeinden helfen, ihr digitales Angebot zu ergänzen, es zu komplettieren.

Wichtig ist: Unsere Plattform soll auch nach der aktuellen Situation ein Werkzeug für die Gemeinden bleiben. Auch dann wird es den Wunsch geben, mit der eigenen Gemeinde verbunden zu bleiben – trotz etwa einer Reise oder eines Studiums in einer anderen Stadt.

"Niemand muss sich durch große Menüs klicken. Im Gegenteil: Die eigene Gemeinde und ihre Inhalte sind einfach zu finden."

Viele ältere Menschen sind mit digitalen Anwendungen nicht besonders vertraut. Wie erleichtern sie ihnen den Zugang zu ihrer Plattform?

Zebrowski: Das ist ein enorm wichtiger Punkt: Die Bedürfnisse älterer, häufig alleinstehender Menschen mitzudenken, die manchmal technisch nicht so bewandert sind, sich nicht die gewünschten Informationen mal eben so aus dem Internet holen können. Ihnen wollen wir mit einer möglichst einfachen Anwendung entgegenkommen. Unsere App ist intuitiv zu bedienen und sehr übersichtlich: schnell wird erkennbar, wo welche Inhalte zu finden sind. Niemand muss sich durch große Menüs klicken. Im Gegenteil: Die eigene Gemeinde und ihre Inhalte sind einfach zu finden. Bei Schriftgröße und Kontrast achten wir auf Anwenderfreundlichkeit. Auch Audio-Dateien sind leicht zu finden – für alle Nutzer, die Schwierigkeiten mit dem Lesen haben. Diesen Punkt werden wir immer weiter entwickeln.

Wann können die Gemeinden mit ihrer Anwendung rechnen? Wird es bis Pfingsten klappen?

Mayer: Ja, das ist zumindest unser Plan. Im April wollen wir die Testphase abschließen und dann auf den großen Markt gehen. Wir sind optimistisch, dass das klappt.

Auch wenn sie in diesen Tagen vermutlich sehr viel arbeiten: Gönnen Sie sich denn zumindest Ostern auch mal eine kurze Pause?

Zebrowski: Zurzeit arbeiten wir tatsächlich ohne Unterbrechung, 24/7 sozusagen – und die Arbeit macht großen Spaß. Aber klar ist: Gerade Ostern und Karfreitag wollen und werden wir uns auch auf die Tage besinnen. Unsere Kirche wird Videogottesdienste anbieten. Dafür werden wir uns auch die Ruhe und Zeit nehmen und die Computer für ein paar Stunden zuklappen.

Mayer: Und wenn wir die Computer dann wieder aufklappen, beobachten wir, welche Inhalte unsere fünf Testgemeinden posten. Gerade Richtung Ostern kommen da jetzt einige Beiträge – das ist für uns schön zu sehen.

Mehr Informationen zum Projekt finden Sie auf der Internetseite von "meinegemeinde.digital"