Zwei Stätten europäischer Erinnerungskultur

Kulturerbe-Siegel Zwei Stätten europäischer Erinnerungskultur

Die EU-Kommission hat den Musikdenkmälern in Leipzig und dem ehemaligen Konzentrationslager Natzweiler das Europäische Kulturerbe-Siegel verliehen. "Für die europäische Erinnerungskultur ein Bogen zwischen den schönen Künsten und grausamer Unmenschlichkeit des NS-Terrors", so Kulturstaatsministerin Grütters.

Bild des Lagers

Gedenkstätte Konzentrationslager Natzweiler: Zwischen 1941 und 1945 starben dort mehr als 20.000 Deportierte.

Foto: picture-alliance/dpa

Der Unterschied könnte nicht größer sein. Die Leipziger Musikerbestätten stehen für eine große Musiktradition Europas. Das ehemalige Konzentrationslager im elsässischen Natzweiler erinnert an eines der düstersten Kapitel deutscher und europäischer Zeitgeschichte.

Konzentrationslager Natzweiler Ort des Gedenkens

Als Ort des Gedenkens und der politischen Bildung vergegenwärtigt das ehemalige Lager die Verbrechen des Nationalsozialismus. Die damit verbundenen Erfahrungen haben Werte und Ideale der europäischen Gemeinschaft nachhaltig geprägt. Das ehemalige Konzentrationslager Natzweiler und seine rund 50 Außenlager wurden im Dritten Reich im französischen Elsass und auf der deutschen Seite des Rheins errichtet.

Grenzüberschreitende Erinnerungsarbeit

Deutschland und Frankreich haben sich gemeinsam dafür eingesetzt, dass die KZ-Gedenkstätte das Siegel erhält. Für Kulturstaatsministerin Monika Grütters ein Zeichen der guten deutsch französischen Kulturbeziehungen. "Es freut mich sehr, dass sich gerade bei schweren geschichtlichen Themen die enge deutsch-französische Freundschaft außerordentlich gut bewährt. Das Europäische Kulturerbe-Siegel unterstreicht einmal mehr die Bedeutung dieses symbolträchtigen Ortes mit seiner grenzüberschreitenden Erinnerungsarbeit."

Der Thomanerchor singt in der Thomaskirche in Leipzig (Sachsen).

Der Thomanerchor: Auch die Thomaskirche ist eine von neun ausgezeichneten Musikstätten.

Foto: picture-alliance/dpa/Woitas

Leipziger Musikgeschichte in ihrer ganzen Vielfalt

Insgesamt neun Leipziger Musikstätten werden im Verbund mit dem Kulturerbe-Siegel ausgezeichnet - darunter Kirchen, Konzerthäuser und Wirkungsstätten einzelner Komponisten. Es sind authentische Schauplätze des Lebens und Schaffens weltberühmter Komponisten.

Werke von Bach Mendelssohn-Bartholdy etwa sind unverzichtbarer Teil der europäischen Musikgeschichte. Die Musikstätten veranschaulichen nicht nur die vielfältige Musikgeschichte der Stadt Leipzig. Sie repräsentieren auch die besondere europäische Tradition der Musik und würdigen das zivile Engagement.

Geschichte und Botschaft Europas erlebbar machen

Seit 2013 wählt die Europäische Kommission Stätten in den EU-Mitgliedstaaten aus, die mit ihrem symbolischen Wert die europäische Botschaft und die Geschichte dahinter erlebbar machen. Nun wird die Liste der bisherigen 29 Kulturerbe-Stätten im Rahmen des Europäischen Jahr des Kulturerbes um neun Stätten erweitert. Neben den beiden deutschen erhalten sieben weitere Stätten in der EU das Kulturerbe-Siegel. Tibor Navracsics, EU-Kommissar für Bildung, Kultur, Jugend und Sport, erklärte am Donnerstag, dass die Kulturerbe-Stätten dabei helfen, "unsere Vergangenheit zu verstehen, während wir unsere Zukunft aufbauen".

Europäisches Jahr des Kulturerbes 2018

In diesem Jahr werden die europäischen Kulturerbe-Stätten besonders gewürdigt. Mit dem Europäischen Jahr des Kulturerbes möchte die Europäische Kommission mehr Menschen für das Kulturerbe begeistern und mit ihnen die gemeinsame Vergangenheit und Zukunft im europäischen Raum entdecken. Dafür werden zahlreiche Veranstaltungen und Aktivitäten in ganz Europa angeboten. In Deutschland steht dabei vor allem das bauliche und archäologische Erbe im Mittelpunkt.