Was ist Humus und welche Rolle spielt er beim Klimaschutz?

Landwirtschaft und Klima Was ist Humus und welche Rolle spielt er beim Klimaschutz?

Humus ist nicht nur wichtig für ein gesundes Bodenleben und Pflanzenwachstum. Auch zum Klimaschutz trägt er ganz wesentlich bei, denn er stärkt Böden als natürliche Kohlenstoffsenken. Der Erhalt und Aufbau von Humus im Ackerland ist Teil des 10-Punkte-Plans des Bundeslandwirtschaftsministeriums für mehr Klimaschutz in der Land- und Forstwirtschaft.

Eine Hand die Humus-Erde hält.

Unterstützt den Klimaschutz: Humus hat zahlreiche Vorteile für Boden und Pflanzen.

Foto: Getty Images/iStockphoto/Sasiistock

Was versteht man unter „Humus“ und wie entsteht er?

Tagtäglich werden abgestorbene Baum- und Pflanzenteile, tote Tiere, Pilze und Bakterien im Boden in ihre Bestandteile zerlegt. Der Fachbegriff für diese tote organische Substanz des Bodens ist „Humus“. Für den Abbau verantwortlich sind unzählige Bodenorganismen. Die bekanntesten sind Regenwürmer. Den größten Anteil haben aber sehr viel kleinere Bodenbewohner wie Fadenwürmer, Pilze, Bakterien und Einzeller. Humus fördert somit auch die Artenvielfalt.

In der freien Natur sorgt ein fortlaufender Prozess in den oberen Bodenschichten dafür, dass Humus entsteht. Im heimischen Garten oder auf dem Acker wird dieser Kreislauf jedoch oft durchbrochen. Indem wir Gemüse oder Getreide ernten, Sträucher schneiden oder Unkraut jäten nehmen wir einen Teil der organischen Substanz aus dem System heraus. Wird dieser Anteil nicht wieder auf die Fläche zurückgeführt, nimmt der Humusgehalt und die Fruchtbarkeit des Bodens langfristig ab. Deswegen ist es wichtig, die entnommene organische Substanz wieder zu ersetzen- etwa durch Kompost.

Welche Aufgaben und Vorteile hat Humus?

  • Humus bindet wichtige Pflanzennährstoffe an der Oberfläche und schützt so vor deren Auswaschung ins Grund- oder Oberflächenwasser. Diese Eigenschaft ist besonders bei sandigen Böden, die Nährstoffe aufgrund ihres geringen Tonanteils nur schlecht binden können, von Bedeutung.
  • Er schafft stabile Bodenstrukturen, indem er die Mineralteilchen zu hohlraumreichen und stabilen Bodenkrümeln „verklebt“: Pflanzen können den Boden dadurch besser durchwurzeln, es gelangt mehr Sauerstoff hinein (für Wurzeln und Mikroorganismen), der Boden wird tragfähiger und die Bearbeitung erleichtert.
  • Der Dauerhumus sorgt außerdem dafür, dass Säuregradschwankungen im Boden ausgeglichen werden – eine wichtige Voraussetzung für das Funktionieren biochemischer Prozesse im Boden.
  • Ein weiterer Vorteil von Humus ist sein hohes Wasserspeichervermögen. Huminstoffe und Ton-Humuskomplexe bilden in Verbindung mit Bodenpartikeln stabile Bodenaggregate mit ausreichend großen Poren, in denen Wasser gespeichert wird. Bis zum Fünffachen seines eigenen Gewichts kann Humus an Wasser speichern. Das kommt vor allem dann zum Tragen, wenn extreme Sommertrockenheit das Wettergeschehen bestimmt. Umso wichtiger ist dann ein Boden, der Wasser gut speichern kann. Wer einen Garten neu anlegt, sollte daher direkt bei der Anlage daran denken, den Boden ausreichend mit Kompost zu versorgen.

Und wie schützt Humus Umwelt und Klima?

Humus kann größere Mengen an Kohlenstoff längerfristig im Boden speichern. Damit wird der Atmosphäre in hohem Maße klimaschädliches Kohlendioxid (CO2) entzogen. Je höher der Humusgehalt des Bodens, desto mehr Kohlenstoff wird gebunden. Allerdings ist Humus nur dann eine Gewähr für dauerhafte Kohlenstoffspeicherung, wenn der Humusgehalt durch ständige Zufuhr von neuem organischen Material konstant gehalten oder erhöht wird. Andernfalls wird der Kohlenstoff aus dem Humus nämlich wieder als CO2 in die Atmosphäre freigesetzt.

Welche Menge an Kohlenstoff gespeichert wird, hängt neben der Bodenart auch davon ab, wie eine Fläche genutzt wird. Während zum Beispiel Ackerböden im Schnitt etwa 95 Tonnen Kohlenstoff pro Hektar speichern, sind unter Dauergrünlandflächen durchschnittlich 181 Tonnen pro Hektar gebunden.

Über die Art der Bewirtschaftung können Betriebe somit die Bildung von Humus beeinflussen. So können Landwirte die Humusgehalte ihrer Böden etwa gezielt verbessern, indem sie regelmäßig organischen Dünger ausbringen und sogenannte Zwischenfrüchte anbauen. Darunter versteht man Pflanzen, die zwischen Hauptkulturen wie Getreide oder Mais stehen und nicht geerntet, sondern in den Boden eingearbeitet werden, etwa Senf, Ölrettich und Gras.

In den landwirtschaftlich genutzten Flächen in Deutschland sind etwa 2,4 Milliarden Tonnen Kohlenstoff gespeichert. Damit bevorraten die Böden mehr als doppelt so viel Kohlenstoff wie der gesamte Baumbestand in deutschen Wäldern und mehr als das Dreifache der CO2-Menge, die in ganz Deutschland pro Jahr freigesetzt wird.

Wieviel Humus ist in deutschen Äckern und Grünländern gespeichert? Was bestimmt die Variabilität der Humusvorräte in Deutschland? Verändern sich die landwirtschaftlichen Humusvorräte? Diesen und weitere Fragen ist die erste Bodenzustandserhebung Landwirtschaft (BZE-LW) nachgegangen.

Ziel der Modell- und Demonstrationsvorhaben des Bundeslandwirtschaftsministeriums im Rahmen des Bundesprogramms Humuserhalt ist, über die derzeitige landwirtschaftliche Praxis hinausgehende, innovative und langfristig wirkende Maßnahmen zum Humuserhalt und Humusaufbau zu etablieren. Die Betriebe können aus einem Katalog mögliche Maßnahmen auswählen. Dazu zählen beispielsweise mehrjährige Fruchtfolgen, der Anbau humusmehrender Kulturen wie tiefwurzelnde Hülsenfrüchtler oder die Integration von Agroforstsystemen, Hecken und Feldgehölzen.

Wie erzeugt man Kompost etwa im eigenen Garten?

Organische Abfälle aus Küche und Garten können gut kompostiert werden. Hier finden Sie Tipps zum richtigen Kompostieren.

Auch Kompost aus dem Kompostwerk eignet sich sehr gut für den heimischen Garten und kann meist beim regionalen Entsorger in Säcken erworben werden. Beim Kauf sollte man auf das RAL-Gütezeichen achten. Dieses Label garantiert hochwertige Komposte von geprüfter Qualität.

Gibt es unterschiedliche Arten von Humus?

Das organische Material wird im Boden im Wesentlichen in zwei bedeutende Teile ab- und umgebaut: in den so genannten Nährhumus und den Dauerhumus. Der Nährhumus macht etwa ein Drittel des Bodenhumus aus. Er dient Bodenorganismen als Nahrungsquelle und fördert damit die biologische Aktivität im Boden. Die dort gebundenen Nährstoffe werden dadurch zügig freigesetzt und können von den Pflanzen für das Wachstum genutzt werden.

Die anderen zwei Drittel werden zu Dauerhumus. Dabei handelt es sich um sehr stabile Verbindungen, die von den Mikroorganismen nur noch sehr langsam abgebaut werden. Dadurch werden auch die Pflanzennährstoffe in ihnen nur in geringen Mengen frei. Dauerhumus stellt daher eine langsam fließende Nährstoffquelle für Pflanzen dar.

Ein wichtiger Bestandteil des Dauerhumus sind die Huminstoffe – komplexe organische Verbindungen, die eine braune bis schwarze Farbe haben. Sie sind der Grund, warum humusreiche Böden und insbesondere Komposte meist so dunkel gefärbt sind. Humusreiche Böden fangen deswegen Sonnenstrahlen an der Oberfläche besser ein und erwärmen sich stärker als humusarme Böden.