Was tun, wenn man selbst von Hass im Netz betroffen ist?

Beratungsstelle HateAid Was tun, wenn man selbst von Hass im Netz betroffen ist?

Unser digitaler gesellschaftlicher Diskurs scheint zunehmend vergiftet zu sein. Von Diffamierungen bis hin zu falschen Behauptungen, Hass und Häme – all das beeinträchtigt nicht nur die Meinungsbildung, es kann jede und jeden auch persönlich treffen. In diesem Fall hilft die gemeinnützige Organisation HateAid. Sie berät Betroffene von digitaler Gewalt.

Logo von HateAid

Die Beratungsstelle HateAid hilft Betroffenen von digitaler Gewalt.

Foto: HateAid

„Viele Menschen sind von Falschbehauptungen und Verleumdung im Netz betroffen. Wir unterstützen Betroffene darin, sich zur Wehr zu setzen“, so Basma Bahgat von HateAid.
Als Betroffenenberaterin hilft sie vor allem Menschen, die im Internet politisch und gesellschaftlich Stellung beziehen – und dadurch häufig Erfahrungen mit Hass und Hetze im Netz machen.

Es gibt einen schmalen Grat zwischen Desinformation, Falschbehauptungen und digitaler Gewalt. Die Initiative ist Anlaufstelle für Betroffene und unterstützt sie im Umgang mit ihren Erfahrungen; von der persönlichen Verarbeitung bis hin zur zivil- oder strafrechtlichen Verfolgung. Neben Menschen des öffentlichen Lebens, Journalistinnen und Journalisten, Politikerinnen und Politiker, melden sich auch private Personen bei ihnen. Im Zuge der Corona-Pandemie kamen auch Ärztinnen und Ärzte hinzu, die von Coronaleugnenden angefeindet werden. Laut Bundesfamilienministerium sind Frauen und Mädchen besonders häufig von digitaler Gewalt betroffen.

Was ist digitale Gewalt? Zu digitaler Gewalt zählen unter anderem das Diffamieren, Ausgrenzen, Beleidigen, Bedrohen, heimliches Fotografieren oder Filmen in geschützten Räumen, das Aneignen fremder Identitäten, das Androhen oder die tatsächliche unerlaubte Weitergabe privater Aufnahmen, das Zusenden pornografischen Materials, das Abfangen persönlicher Daten via Spyware oder die digitale Überwachung von Personen. 

Bedrohung für unsere Demokratie

„Wenn digitale Gewalt dazu führt, dass Menschen durch Anfeindungen aus dem Netz vertrieben, und damit aus dem digitalen Diskurs ausgeschlossen oder in ihrem Engagement gebremst werden, kann das eine echte Gefahr für unsere Demokratie sein“, so Basma Bahgat von HateAid. Dadurch würden bestimmte Meinungen weniger gehört und entsprechende Debatten nicht geführt. Sie merkt an, dass beispielsweise viele Kommunalpolitikerinnen und Kommunalpolitiker überlegen, aufgrund von Anfeindungen ihren Beruf aufzugeben.

Umso wichtiger sei es, Solidarität mit den Betroffenen zu zeigen. „Wenn Sie merken, dass eine Person in ihrem Umfeld oder des öffentlichen Lebens im Netz angefeindet wird, nehmen Sie sich kurz Zeit, um eine Nachricht zu schreiben, Mitgefühl auszudrücken und zu fragen, wie Sie helfen können“, empfiehlt Basma Bahgat. Auch können sie Betroffene über Hilfsangebote wie HateAid informieren.

HateAid wird im Rahmen des Bundesprogramms Demokratie leben! als Teil des Kompetenznetzwerks im Themenfeld Hass im Netz und für ihre Kampagne „Digitale Gewalt im kommunalen Engagement“ vom Bundesfamilienministerium gefördert. 

Basma Bahgat, Beraterin der Beratungsstelle für digitale Gewalt HateAid

Basma Bahgat hilft Betroffenen digitaler Gewalt als Beraterin bei HateAid.

Foto: Andrea Heinsohn Photography

Beratungsangebot von HateAid

Derzeit betreut HateAid 751 Personen aktiv. Sie nehmen eine Einschätzung der Gefahrensituation vor und helfen beim Melden der Inhalte.

So können Desinformation und digitale Gewalt etwa direkt auf den Plattformen nach den sogenannten Community-Guidelines gemeldet werden, also den selbst auferlegten Regeln der jeweiligen Plattform. Zum anderen können Inhalte dank des Netzwerkdurchsetzungsgesetzes nach deutschem Recht gemeldet werden. Eine solche Meldung verpflichtet die Plattformen, die Inhalte möglichst schnell zu prüfen. Eine Übersicht über die entsprechenden Meldeformulare ist hier zu finden.  

HateAid übernimmt in einigen Fällen sogar die Prozesskostenfinanzierung, um einen Beitrag dazu zu leisten, die Rechtsdurchsetzung für Betroffene zugänglicher zu machen. In jedem Fall empfiehlt HateAid aber, eine kostenlose Strafanzeige aufzugeben. Dies ist wichtig, um Vorfälle digitaler Gewalt zu dokumentieren und somit mehr Aufmerksamkeit auf die Problematik zu lenken.

Für einen sicheren digitalen Raum

HateAid setzt sich dafür ein, den digitalen Raum zu einem sicheren Ort für alle zu machen. Dafür müsse die Öffentlichkeit besser aufgeklärt und dafür sensibilisiert werden, dass digitale Gewalt auch psychische Gewalt bedeutet. Betroffene müssen ernst genommen werden, anstatt ihre Erfahrungen kleinzureden, so Bahgat. 

Wenn Sie von digitaler Gewalt betroffen sind, können Sie  Kontakt mit HateAid aufnehmen und das kostenlose Beratungsangebot nutzen. Einen Online-Ratgeber finden Sie ebenfalls auf der Internetseite der Beratungsstelle.