Wenn beide Seiten profitieren

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150 Jahre Flächentarifverträge Wenn beide Seiten profitieren

Ein Tarif für eine ganze Branche, ausgehandelt zwischen Arbeitgebern und Gewerkschaften – Flächentarifverträge gibt es in Deutschland seit 150 Jahren. Der erste wurde 1873 in Leipzig für Buchdrucker abgeschlossen. Eine Erfolgsgeschichte. Doch gilt das noch heute?

2 Min. Lesedauer

Festakt zu 150 Jahre Tarifverträge mit Arbeitsminister Hubertus Heil

Die Bundesregierung will die Tarifbindung stärken: Bundesarbeitsminister Heil beim Festakt 150 Jahre Tarifverträge.

Foto: Gerngross + Glowinski

Was den Buchdruckern im Jahr 1873 in Leipzig gelang, machte deutschlandweit Schule: Seit 150 Jahren verhandeln Vertreterinnen und Vertreter der Sozialpartner nun über Arbeitsbedingungen und Lohnerhöhungen für ganze Berufssparten.

Gewerkschaften stellen ihre Forderungen solidarisch für alle Beschäftigten einer Branche. Der Zusammenschluss stärkt ihre Position. Die Arbeitgeber hingegen haben nur einen einzelnen Verhandlungspartner, mit dem sie sich auseinandersetzen müssen. Das erleichtert die Einigung und trägt so auch zu sozialem Frieden bei. Beide Seiten profitieren.

Tarifbindung soll wieder steigen

Bundeskanzler Olaf Scholz erklärte anlässlich von 150 Jahren Tarifverträge, Deutschland brauche mehr Tarifbindung. „Seit 150 Jahren sorgen Tarifverträge für gute Löhne, für gute Arbeit und für Respekt vor der Leistung der vielen fleißigen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer“, so der Kanzler. „Ich wünsche mir, dass wir auf dieser Tradition aufbauen und mehr Betriebe Tarifverträge mit Gewerkschaften abschließen.“

Tarifverträge bieten auch einen Beitrag zur Fachkräftesicherung, darauf wies Bundesarbeitsminister Hubertus Heil bei einer Festveranstaltung der Gewerkschaft Verdi und der Hans-Böckler-Stiftung hin. Auch der Staat sei gefordert, zum Beispiel dadurch, bei Aufträgen mit dem eingesetzten Geld für fairen Wettbewerb zu sorgen.

Wer tarifgebunden arbeitet, arbeitet meist unter besseren Bedingungen und hat oft ein höheres Einkommen. Deshalb will die Bundesregierung die Tarifbindung in Deutschland stärken. Sie plant, öffentliche Aufträge künftig nur noch an Unternehmen zu vergeben, die tarifvertragliche Standards einhalten.

Davon profitieren nicht nur die Beschäftigten, sondern auch die fairen Unternehmer. Sie werden nicht weiter benachteiligt im Wettbewerb um öffentliche Aufträge. Das zeigt beeindruckend: Was die Buchdrucker in Leipzig erreichten, ist für Unternehmen und Beschäftigte noch heute von großer Bedeutung.

Nur noch jeder zweite Beschäftigte arbeitet tarifgebunden

Die Tarifbindung in Deutschland war 2021 zwar stabil, doch auf niedrigem Niveau. Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) befragt jährlich rund 15.500 Betriebe. Im Jahr 2021 arbeiteten laut IAB deutschlandweit 43 Prozent der Beschäftigten gebunden an einen Branchentarifvertrag. Im Westen Deutschlands waren es 45 Prozent, in den ostdeutschen Ländern nur gut ein Drittel – 34 Prozent.

Hinzu kommen große Unternehmen, die ihren Beschäftigten sogenannte Haustarifverträge anbieten. Damit sind etwa 52 Prozent der Beschäftigten in Deutschland unter dem Dach eines Tarifvertrages – vor allem Beschäftigte größerer Unternehmen. Denn nur etwa jeder vierte Betrieb ist an einen Haus- oder Flächentarifvertrag gebunden, so das IAB. Viele weitere Betriebe orientierten sich jedoch freiwillig an dem Vertragswerk ihrer Branche.

Weitere Informationen rund um Arbeits- und Sozialpolitik finden Sie auf unserer Themenseite Arbeit und Soziales .