Wir werden immer älter

Statistisches Jahrbuch 2016 Wir werden immer älter

40 Jahre Lebenserwartung haben die Deutschen seit Bismarcks Zeiten hinzugewonnen. Auch weil wir gesünder leben - was die Ernährung angeht. Mit relativ konstant 27 Minuten am Tag könnten wir uns mehr bewegen - im Verhältnis zum Fernsehkonsum. Der ist viereinhalb Mal so hoch.

Passanten gehen in Stuttgart durch die Königstraße.

Das Statistische Jahrbuch 2016 stellt in Zahlen dar, wie wir in Deutschland leben.

Foto: picture-alliance/dpa/Bockwoldt

Ein Wälzer von 700 Seiten seziert in Tausenden von Zahlen, wie wir in Deutschland ticken: wie lange wir leben, wie viele Kinder wir bekommen, wie sie mit Vorliebe heißen, wieviel EU-Touristen bei uns übernachten oder wie viele Ortsdurchfahrten es gibt. Das Statistische Jahrbuch 2016 ist erschienen. Vorgestellt hat es der Präsident des Statistischen Bundesamtes, Dieter Sarreither.

Jungen werden 78, Mädchen 83 Jahre alt

Die Lebenserwartung ist in Deutschland weiter gestiegen: Neugeborene Jungen leben etwa 78 Jahre, neugeborene Mädchen rund 83 Jahre. Seit Bismarcks Zeiten (Periodensterbetafel 1871/1881) ist die Lebenserwartung für beide Geschlechter über 40 Lebensjahre gestiegen.

Weltweit Spitze in der Lebenserwartung sind die Japaner: Jungen werden 80,5 Jahre und Mädchen 86,8 Jahre alt. Unsere Neugeborenen erhalten mit Vorliebe die Namen Sophie, Maria oder Sophia. Die Jungen heißen Maximilian, Alexander und Elias.

Pro Kopf und Jahr 4050 Euro für Gesundheit

Das Thema Gesundheit steht im Mittelpunkt der 2016er Ausgabe. Im Jahr 2014 machten die Ausgaben für Gesundheit in Deutschland von insgesamt rund 328 Milliarden Euro immerhin 11 Prozent des Bruttoinlandsprodukts aus. Pro Kopf wurden damit etwa 4.050 Euro für Gesundheit ausgegeben. Destatis-Chef Sarreither unterstrich, dass gerade auch der Dialog der Bundesregierung mit Bürgerinnen Bürgern "Gut leben in Deutschland" gezeigt habe, wie wichtig den Deutschen das Thema ist.

"Zu Gesundheit und Wohlbefinden tragen ausgewogene Ernährung, Verzicht auf bestimmte Genussmittel und ausreichend Bewegung bei, aber auch weitere Aspekte wie zum Beispiel ein angenehmes, lärmfreies Wohnumfeld oder die Möglichkeit, in den Urlaub zu fahren", erklärt Sarreither. Wie sieht das in Zahlen aus?

Ausgaben für Obst steigen langsamer als die Preise

Die privaten Haushalte in Deutschland gaben im Jahr 2013 durchschnittlich 300 Euro im Monat für Nahrungsmittel, alkoholfreie Getränke, Alkohol und Tabakwaren aus. Dabei hat sich die Zusammensetzung der Ausgaben in den letzten zehn Jahren nicht grundlegend verändert.

Das Budget für Nahrungs- und Genussmittel ist aber weniger stark gestiegen als die dafür gezahlten Preise: So sind zum Beispiel die Ausgaben für Obst von 20 auf 23 Euro gestiegen (+ 15 Prozent). Gleichzeitig haben sich aber die Preise für Obst um durchschnittlich 37 Prozent erhöht. Dies bedeutet, dass wir weniger Obst kaufen und / oder auf preiswerteres Obst umgestiegen sind.

Trend zu Vegetarismus noch nicht festzumachen

87 Kilogramm Fleisch und Fleischwaren konsumierte jeder Bundesbürger im Jahr 2014 im Durchschnitt. Der Trend zu vegetarischer oder veganer Lebensweise spiegelt sich (noch) nicht in diesen Zahlen wider.

So ist der durchschnittliche Pro-Kopf-Verbrauch von Fleisch seit 2001 nur um ein Kilogramm zurückgegangen. Dafür landeten 97 Kilogramm Gemüse in den Jahren 2014/2015 auf unseren Tellern - drei Kilogramm mehr als im Zeitraum 2000/2001.

21 Prozent müssen auf Urlaubsreise verzichten

Im Jahr 2014 war es rund acht Prozent der Bevölkerung aus finanziellen Gründen nicht möglich, jeden zweiten Tag eine vollwertige Mahlzeit (vegetarisch beziehungsweise mit Fleisch, Geflügel oder Fisch) zu essen. Dabei handelt sich um eine Selbsteinschätzung der Befragten. Überdurchschnittlich häufig von dieser materiellen Entbehrung betroffen waren Alleinlebende und Kinder von Alleinerziehenden (2014: jeweils 16 Prozent).

Zum gesundheitlichen Wohlbefinden trägt auch Erholung bei. Eine Woche in den Urlaub zu fahren, war für 21 Prozent der Bevölkerung im Jahr 2014 ein Luxus, den sie sich nicht leisten konnten. Dieser Anteil ist seit 2009 tendenziell rückläufig. Aber immer noch 32 Prozent der Alleinlebenden und 43 Prozent der Menschen in Haushalten von Alleinerziehenden fehlte das Geld für eine einwöchige Ferienreise.

Lungenkrebs nimmt bei Frauen als Todesursache zu

Fast zwei Drittel der Bevölkerung (65 Prozent) bewerten im Jahr 2014 ihren Gesundheitszustand als sehr gut oder gut. Rund acht Prozent ging es sehr schlecht oder schlecht.
Männer leiden und sterben häufiger an Lungenkrebs als Frauen. Spezifische Krebserkrankungen lassen sich vorrangig auf den Konsum von Tabakwaren zurückführen.

Allein an Lungen- und Bronchialkrebs verstarben im Jahr 2014 insgesamt 45.000 Menschen. Bei Männern (29.500) war das die zweithäufigste Todesursache. Im Jahr 2014 starben rund 15.500 Frauen an Lungen- und Bronchialkrebs, 41 Prozent mehr als 2004.

Erfreulich ist, dass sich bei den bei den 15- bis unter 20-Jährigen der Anteil der regelmäßigen Raucher deutlich reduziert hat. Auffällig ist jedoch der gestiegene Anteil von Raucherinnen im Alter von 50 bis 75 Jahren.

27 Minuten Sport, 124 Minuten fernsehen pro Tag

Gegen starkes Übergewicht hilft Bewegung - das ist bekannt. Durchschnittlich 27 Minuten täglich verbrachte jeder Einwohner 2012/13 mit Sport und körperlicher Bewegung. Der Zeitaufwand ist in den letzten elf Jahren relativ konstant geblieben.

Fürs Fernsehen (einschließlich Videos und DVDs) nahmen wir uns allerdings mit 124 Minuten etwa viereinhalb Mal so viel Zeit. Seit 2001/02 ist der durchschnittliche Fernsehkonsum um 11 Minuten angestiegen.

Das Statistische Jahrbuch ist das umfassendste statistische Nachschlagewerk auf dem deutschen Markt. Seine Daten stammen vom Statistischen Bundesamt, der Weltbank, der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung, der Weltgesundheitsorganisation, der Bevölkerungsstatistik, der Laufenden Wirtschaftsrechnungen (LWR), der Einkommens- und Verbrauchsstichprobe (EVS), der Befragung "Leben in Europa" (EU-SILC), der Zeitverwendungserhebung, Mikrozensus sowie der Krankenhaus- und der Todesursachenstatistik.