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Umweltbericht 2019

Umweltschutz muss jeden einbeziehen

Deutschland hat bereits ein grundsätzlich hohes Schutzniveau für Umwelt und Gesundheit erreicht. Doch es gibt weiterhin viel Handlungsbedarf - dies verzeichnet der aktuelle Umweltbericht der Bundesregierung. 

Sonnenlicht scheint in einen Waldabschnitt.

Wälder, Wiesen und Moore gehören in Deutschland zu den gefährdetsten natürlichen Lebensräumen. Dadurch ist der Artenbestand von Tieren und Pflanzen zunehmend bedroht.

Foto: Getty Images/iStockphoto/AVTG

"Umwelt und Natur als Fundament des sozialen Zusammenhaltes" lautet der Untertitel des Umweltberichts der Bundesregierung 2019, den das Kabinett am Mittwoch verabschiedet hat. Auf rund 300 Seiten liefert der Bericht eine Rundumschau über die aktuelle Umweltsituation, über die Aktivitäten der Bundesregierung für den Umweltschutz sowie über bestehende Herausforderungen.

Der aktuelle Umweltbericht zeigt die Entwicklungen der Umweltsituation und die Aktivitäten der Bundesregierung im Bereich Umweltschutz der vergangenen vier Jahre. Der letzte Umweltbericht erschien 2015. Der Klimawandel und die Erhaltung der biologischen Vielfalt zählen laut Bericht zu den dringlichsten Herausforderungen unserer Zeit.

Umweltschutz muss sich jeder leisten können

Die Deutschen leben sehr umweltbewusst, das ist eine der Erkenntnisse des Umweltberichts. Dies trage wesentlich dazu bei, dass in den vergangenen Jahren viel für den Schutz der Umwelt erreicht wurde. Ziel der Bundesregierung ist es, dass jeder sich Umweltschutz leisten kann: Auch sozial Schwächere sollen die Chance bekommen, etwa umweltfreundlicher einzukaufen oder ihren Strom aus erneuerbaren Energien zu beziehen.

Der Bericht zeigt, dass eine anspruchsvolle Umweltpolitik mit effektiven Gesetzen und kompetenten Verwaltungen in der Bevölkerung breite Zustimmung findet. Die Bundesregierung beteiligte Bürgerinnen und Bürger beispielsweise bei der Erarbeitung des Nationalen Ressourceneffizienzprogramms, des Integrierten Umweltprogramms 2030, des Grünbuchs Energieeffizienz oder des Klimaschutzplans 2050.

Sauberes Wasser, mehr geschützte Flächen

Sauberes Wasser ist lebenswichtig. Um den chemischen Zustand des Grundwassers weiter zu verbessern, sollen deshalb die Sticksoff- und Phosphateinträge weiter verringert werden. Auch der ökologische Zustand von Flüssen und Seen gilt als weiter verbesserungswürdig. Für mehr naturnahe Ufer- und Überflutungsgebiete erhalten die Länder aus diesem Grund erhebliche Mittel vom Bund.

Ein positiver Trend: Deutlich weniger Schadstoffe, wie Schwermetalle, gelangen aus den Böden in die Umwelt. Rund 500 Millionen Euro gibt Deutschland jedes Jahr aus, um alte Industrie- und Gewerbeflächen von Bodenschadstoffen zu befreien.

Für den Arten- und Klimaschutz will die Bundesregierung den Flächenverbrauch für Gebäude und Verkehr bis 2030 merklich reduzieren. Im Klimaschutzplan 2050 ist das Flächenverbrauchsziel Netto-Null ausgewiesen.

Verlust von Arten und Lebensräumen stoppen

Einen durch den Menschen verursachten enormen Abwärtstrend verzeichnet der Bericht bei den Tier- und Pflanzenarten, die vom Aussterben bedroht sind und deren natürliche Lebensräume verschwinden. Auf diese Weise gefährdet der Mensch auch seine eigenen natürlichen Lebensgrundlagen. Schätzungsweise 60 Prozent der weltweiten Ökosysteme haben laut Umweltbericht in den letzten 50 Jahren dramatisch gelitten.

Zu den gefährdetsten Lebensräumen in Deutschland zählen minder gedüngte und beweidete Wiesen, Wälder und Moore. Diese sind für das Klima enorm wichtig: Sie regulieren den Wasserhaushalt, speichern große Mengen an Kohlendioxid und wirken damit dem Klimawandel entgegen.

Um die biologische Vielfalt zu erhalten, hat die Bundesregierung seit 2007 mit ihrer Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt (NBS) rund 430 Maßnahmen entwickelt - darunter Artenhilfsprogramme und die Ausweisung von Schutzgebieten.

Zudem unterstützt die Bundesregierung eine nachhaltige Bodenbewirtschaftung, um Arten und Klima zu schützen. Die deutsche Landwirtschaft soll den Stickstoffüberschuss reduzieren und bis 2030 auf 20 Prozent der Landwirtschaftsfläche Ökolandbau betreiben. Mit einem Aktionsprogramm will sie das Insektensterben aufhalten und mit der Waldstrategie 2020 heimische und klimaresistente Wälder erhalten.

Luft verbessern

Während einerseits die Schadstoffemissionen in der Luft durch den Einsatz von Partikelfiltern sowie durch weniger Schwefelemissionen aus Kohlekraftwerken abgenommen haben, verursachen Feinstaub, Ozon, Stickoxide und Ammoniak andererseits weiterhin erhebliche gesundheitliche, ökologische und ökonomische Schäden.

Mit dem "Sofortprogramm Saubere Luft" unterstützt die Bundesregierung die Länder und Kommunen seit 2017 dabei, die gesundheitsgefährdenden Verkehrsemissionen zu senken. Zwar ist bereits eine geringere NO2-Konzentration zu verzeichnen. Viele Messstationen registrieren allerdings noch immer Überschreitungen des Grenzwertes - vor allem durch NO2-Emissionen von Diesel-Pkw.

Klimafreundliche Mobilität stärken

96 Prozent der Klimagasemissionen des Verkehrssektors verursacht der Straßenverkehr - mit steigender Tendenz.  Nach dem Klimaschutzplan der Bundesregierung soll der CO2-Ausstoß des Verkehrssektors bis 2030 um 40 bis 42 Prozent senken.

Die Bundesregierung setzt bei ihrer Mobilitätspolitik auf einen breiten Maßnahmenmix: zum einen auf Elektromobilität und andere alternative Antriebstechniken, auf mehr ÖPNV, mehr Schiene sowie auf Digitalisierung und Sharing, um Bus, Bahn, Fahrrad und Auto einfacher zu kombinieren.

In insgesamt fünf Städten fördert der Bund innovative Verkehrsprojekte mit 130 Millionen Euro. Außerdem erarbeitet die " Nationale Plattform Zukunft der Mobilität" im Auftrag der Regierung Empfehlungen für eine grundlegende Verkehrswende.

Nachhaltiger Konsum

Eine steigende Tendenz zeigt sich bei Entwicklung und Kauf nachhaltiger, umweltfreundlicher Produkte. Es werden vermehrt ressourcenschonende Technologien entwickelt und eingesetzt: der " Green-Tech"-Markt wächst. Supermärkte, Discounter und Drogerien bieten zunehmend "grüne" Massenprodukte wie Bio-Lebensmittel oder Bio-Kosmetik an. Mit Siegeln und Kennzeichnungen sorgt die Bundesregierung außerdem dafür, dass Verbraucher sich über nachhaltige Produkte informieren können.

Abfallvermeidung als Ziel

Die moderne Abfallwirtschaft entwickelt sich zu einer Kreislaufwirtschaft. Sie ist inzwischen der Sektor mit den geringsten Treibhausgasemissionen in Deutschland. Vorrangiges Ziel der Bundesregierung ist in diesem Fall die Abfallvermeidung. Ein neues Abfallvermeidungsprogramm soll Ende des Jahres vorliegen.

Neben dem Engagement für die Ressourceneffizienz und gegen die Vermüllung der Meere weltweit unterstützt die Bundesregierung ebenso Partnerländer beim Auf- und Ausbau von Abfall- und Kreislaufwirtschaftssystemen sowie im Kampf gegen Meeresvermüllung.