Rede von Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel

Meine Damen und Herren,

ich möchte mich bei Ihnen, Herr Schuster, für Ihre Worte und Würdigung ganz herzlich bedanken. Das bedeutet mir viel.

Auch diese Auszeichnung mit der Buber-Rosenzweig-Medaille bedeutet mir viel. Ich empfinde sie als Ehre, aber vor allen Dingen in diesen Zeiten auch als Ansporn. Ehre und Ansporn, weil die Buber-Rosenzweig-Medaille dafür steht, wie sehr Verständigung und das Zusammenwirken der Religionen unsere Gesellschaft bereichern.

Jüdische Geschichte und Kultur waren und sind prägend für unser Land. Besonders deutlich wird das in diesem Jahr, das im Zeichen des Jubiläums „1.700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“ steht. Ich freue mich, dass sich auch der Deutsche Koordinierungsrat und die gut 80 Gesellschaften für christlich-jüdische Zusammenarbeit vor Ort an diesem Jubiläumsjahr beteiligen.

Das ist alles andere als selbstverständlich, sondern gleicht nach dem von Deutschland im Nationalsozialismus begangenen Zivilisationsbruch der Shoa einem Wunder. Es ist und bleibt Deutschlands immerwährende Verantwortung, die Erinnerung an dieses Menschheitsverbrechen wachzuhalten. Es ist unsere bleibende Aufgabe, jüdisches Leben in Deutschland zu stärken und zu schützen.

Wie wichtig das ist, wird uns immer wieder auf schmerzliche Weise vor Augen geführt: durch den schrecklichen Anschlag in Halle, durch antisemitische Ausschreitungen vor Synagogen, durch Verharmlosungen des Holocaust im ZPge von Demonstrationen gegen die Maßnahmen zur Bekämpfung der Coronaviruspandemie und immer wieder durch Angriffe auf Männer, die eine Kippa tragen.

Das darf nicht geduldet werden. Niemals. Wir müssen uns mit allen Mitteln und der ganzen Konsequenz unseres Rechtsstaats gegen Rassismus, Antisemitismus und jede Form gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit wenden.

Die Buber-Rosenzweig-Medaille verstehe ich genau aus diesem Grunde auch als Ansporn für unseren fortwährenden Einsatz für die Werte unserer Demokratie, für Toleranz und die Würde des einzelnen Menschen. Sie zu achten ist Voraussetzung auch für den Zusammenhalt unserer Gesellschaft.

Der Mensch werde erst zum Menschen, wenn er als Person und nicht als Objekt wahrgenommen werde, sagte Martin Buber einmal. Damit dies gelingt, brauchen wir vor allem den Dialog. Einen Dialog, der auch immer wieder neue Horizonte eröffnet, der Begegnungen ermöglicht, der zum Erfahrungs- und Wissensaustausch ermutigt. Das ist genau das, was der Deutsche Koordinierungsrat immer wieder anstößt, einfordert und fördert.

In diesem Sinne danke ich Ihnen noch einmal von Herzen für diese Auszeichnung und wünsche Ihnen für Ihre so überaus wichtige Arbeit, dass es Ihnen auch in Zukunft gelingen möge, viele Menschen vom Mittun zu überzeugen.

Ich sage auch noch einmal von meiner Seite Dank. Ich habe die Vorbereitungen für die schon einmal geplante Verleihung verfolgt und gesehen, mit wie viel Liebe und Engagement die Musik und die Veranstaltung geplant waren und dass alles schon bereitet war. Insofern weiß ich, welche Arbeit im Hintergrund geleistet wurde, die sich dann leider nicht so hat umsetzen lassen. Aber allein die Tatsache, dass ich es wusste, ist schon ein Teil der Veranstaltung gewesen. Ich freue mich, dass wir nun heute endlich hier miteinander zusammenkommen konnten und jetzt auch noch einen kurzen Augenblick sprechen können.

Danke! Es ist mir eine ganz große Freude und Ehre.