Verteidigungsbündnis und Wertegemeinschaft

Fragen und Antworten zur Nato  Verteidigungsbündnis und Wertegemeinschaft

Der Zusammenhalt macht die Stärke der Nato aus. Sie garantiert seit mehr als 70 Jahren die Sicherheit Europas - und wird auch künftig für unsere Sicherheit wichtig sein. Wofür steht die Nato? Was sind aktuelle Herausforderungen? Und was tut die Bundesregierung für das Nordatlantische Bündnis? Ein Überblick.

Die Grafik zeigt eine Karte der Nordhalbkugel der Erde und darauf blau markiert die Mitgliedsstaten der Nato

30 Länder gehören zur Nato (zu den Mitgliedern im Einzelnen siehe Hinweiskasten).

Foto: Bundesregierung

Was ist die Nato und wofür steht sie?

Die Nato ist das wichtigste sicherheitspolitische Bündnis der Welt. Nato bedeutet „North Atlantic Treaty Organization“ (Nordatlantische Vertragsorganisation) - das Bündnis verknüpft seit 70 Jahren Europas und Nordamerikas Sicherheit. Es steht für gemeinsame Sicherheit und Verteidigung, für gemeinsame Operationen und für die internationale Kooperation mit Partnern, auch für gelebten Multilateralismus. Die Nato versteht sich auch als Wertegemeinschaft freier demokratischer Staaten. Im Nordatlantikvertrag bekennen sich die Mitglieder zu Frieden, Demokratie, Freiheit und der Herrschaft des Rechts.

Mitglieder und Beitritt
Diese 30 Staaten gehören der Nato aktuell an, Beitrittsjahr in Klammer: 1 Belgien (1949), 2 Kanada (1949), 3 Dänemark (1949), 4 Frankreich (1949), 5 Island (1949), 6 Italien (1949), 7 Luxemburg (1949), 8 Niederlande (1949), 9 Norwegen (1949), 10 Portugal (1949), 11 Großbritannien (1949), 12 USA (1949), 13 Griechenland (1952), 14 Türkei, (1952), 15 Deutschland (1955), 16 Spanien (1982), 17 Tschechische Republik (1999), 18 Ungarn (1999), 19 Polen (1999), 20 Bulgarien (2004), 21 Estland (2004), 22 Lettland (2004), 23 Litauen (2004), 24 Rumänien (2004), 25 Slowakei (2004),26  Slowenien (2004), 27 Albanien (2009), 28 Kroatien (2009), 29 Montenegro (2017), 30 Nordmazedonien (2020)

Was ist ihr Kerngedanke?

Gegründet wurde die Nato 1949 nach dem Zweiten Weltkrieg. Wichtigstes Prinzip der Allianz ist die kollektive Verteidigung: Die Mitgliedstaaten haben vereinbart, sich gegenseitig zu schützen und im Konfliktfall gemeinschaftlich zu reagieren. Diese Beistandsklausel ist in Artikel 5 des Nato-Vertrages festgelegt: „Die Parteien vereinbaren, dass ein bewaffneter Angriff gegen eine oder mehrere von ihnen in Europa oder Nordamerika als ein Angriff gegen sie alle angesehen werden wird.“

Warum ist Deutschland Mitglied der Nato?

Der Zusammenhalt der Nato garantiert seit mehr als 70 Jahren die Sicherheit Europas. Die Nato wird auch zukünftig für unsere Sicherheit wichtig sein. Während des Kalten Krieges erwies sich die Bundesrepublik als verlässlicher Partner und nahm eine wichtige Rolle in den Entspannungsbemühungen zwischen der Nato und dem Warschauer Pakt ein. Nach dessen Ende hat sich auch Deutschland für die Beteiligung an Militäreinsätzen außerhalb des Landes- und Bündnisgebiets geöffnet. 

Es gibt die PESCO, die strukturierte Zusammenarbeit innerhalb Europas. Wird die Nato-Mitgliedschaft dadurch überflüssig?

Ziel von PESCO ist es, gemeinsame europäische Einsätze unabhängig von der Nato durchführen zu können. Aber niemals, um gegen die Nato oder anstelle der Nato zu arbeiten, sondern im Zweifelsfall im Nato-Bündnis einen weiteren europäischen Pfeiler zu etablieren.

Was sind aktuelle Herausforderungen?

Das Ende des Kalten Krieges bedeutete eine Zäsur auch für die Nato, ihr Aufgabenspektrum hat sich seitdem erweitert. Seit den 1990er-Jahren haben die Mitgliedsstaaten außerhalb des Bündnisgebiets Verantwortung übernommen, um Krisen und Konflikte zu verhindern oder einzudämmen und Wiederaufbau zu ermöglichen.

Zwei besonders wichtige Beispiele für das umfangreiche Engagement der Nato sind die Einsätze in Afghanistan und Kosovo. Dort beteiligen sich die Mitgliedsstaaten seit vielen Jahren, um Frieden und Stabilität zu schaffen und den Aufbau demokratischer Strukturen zu unterstützen.

In den vergangenen Jahren hat sich die sicherheitspolitische Lage in Europa und der Welt zudem weiter verändert. Es sind neue Herausforderungen entstanden, auf die die Nato und ihre Mitglieder entschlossen reagieren. Dazu zählen neben dem Klimawandel auch Bedrohungen durch neue disruptive Technologien – beispielsweise in Form von Cyberattacken.

Seit der völkerrechtswidrigen Annexion der Krim durch Russland im Jahr 2014 und dem destabilisierenden Verhalten Russlands in der Ostukraine haben die Nato-Mitglieder ihr Engagement im Bereich der Bündnisverteidigung weiter ausgebaut.

Was tut die Bundesregierung für die Nato?

Deutschland will die Nato stark halten, sich für die Einheit des Bündnisses einsetzen und muss deswegen in die Bereitschaft seiner Streitkräfte investieren. Deutschland beteiligt sich finanziell an der Ausstattung der Nato, dem gemeinsamen Nato-Haushalt, und mit Soldatinnen und Soldaten sowie Material an gemeinsamen Auslandseinsätzen.

Mit der Bundeswehr engagiert sich Deutschland sowohl bei internationalen Nato-Missionen wie in Afghanistan und Kosovo als auch in der Bündnisverteidigung. Wie bei der Luftraumüberwachung („Air Policing“) in Estland oder seit 2019 auch als „Rahmennation“ eines multinationalen Nato-Verbandes in Litauen übernimmt Deutschland innerhalb der Nato oftmals führend Verantwortung.

Warum sollte Deutschland die Verteidigungsausgaben auf zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts erhöhen?

Es ist in Deutschlands eigenem nationalen Interesse, angemessene Fähigkeiten für seine Sicherheit und die Bündnisverteidigung vorzuhalten und dazu die Bundeswehr aufgabengerecht auszustatten. Deshalb steht die Bundesregierung weiterhin zu dem 2014 auf dem Nato-Gipfel in Wales verabredeten Ziel, zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts in die Verteidigung zu investieren.