Eine Collage jüdischen Lebens

Fotowettbewerb „Zusammenhalt in Vielfalt“ Eine Collage jüdischen Lebens

Jüdisches Leben gehört zu Deutschland. Wie facettenreich die jüdische Alltagskultur hierzulande ist, zeigen die mehr als 650 eingesendeten Beiträge des Fotowettbewerbs „Zusammenhalt in Vielfalt“. Die zehn besten Bilder wurden nun in Berlin ausgezeichnet.

Ort der Preisverleihung: Das Ausstellungshaus für Fotografie C/O Berlin

Am Ort der Preisverleihung, dem C/O Berlin, wurden die Fotos vorab auf einer Leine ausgestellt.

Foto: Mediatolis / Initiative kulturelle Integration

Wie eine bunte Collage illustrierten die eingereichten Bilder das weite Spektrum jüdischen Alltags und setzten damit „immer auch ein Zeichen gegen Hass, Hetze und Ausgrenzung“, sagte Kulturstaatsministerin Monika Grütters bei der Preisverleihung. 

Die Fotos offenbarten eindrucksvoll, wie vielfältig jüdisches Leben in Deutschland heute sei – und „dass diese Vielfalt keine fremde Welt ist, sondern deutsche Lebenswirklichkeit und kulturelle Bereicherung“, so Grütters. 

„Ein Schutzmann für Kafka“

Wie sehr jüdische Künstlerinnen, Künstler und Intellektuelle zum kulturellen Reichtum Deutschlands beigetragen haben, macht auf beklemmende Weise das Gewinnerfoto von Detlef Seydel deutlich. Es zeigt das Schaufenster einer großen jüdischen Buchhandlung in Berlin. Auf einem Plakat ist der jüdische Schriftsteller Franz Kafka, einer der bedeutendsten Autoren deutscher Sprache, zu sehen. Rechts neben ihm, am Eingang der Buchhandlung, wacht ein Polizist.

„Ein Schutzmann für Kafka“ (1. Preis)

„Ein Schutzmann für Kafka“ (1. Preis)

Foto: Detlef Seydel

Seydel überzeugte die Jury mit diesem politisch starken Motiv, das die Aufmerksamkeit auf einen traurigen Aspekt jüdischen Alltags in Deutschland lenkt: Selbst Buchhandlungen benötigen hierzulande Polizeischutz, allein deshalb, weil sie jüdisch sind. Als eindringlichen Appell an alle Menschen in Deutschland, antisemitischer Hetze noch stärker als bisher entgegenzutreten, versteht Kulturstaatsministerin Grütters das Bild.

Vielfältiges Spektrum jüdischer Alltagskultur

Wie divers die Lebenswelten und das Selbstverständnis jüdischer Menschen in Deutschland heute sind – das wird auf den prämierten Bildern deutlich: „Auf dem Weg zur Schule“ von Evgenia Lisowski zeigt zwei Jungen, die an einer Straßenbahnhaltestelle warten. Die beiden tragen eine Kippa. Hier berührte die Jury die Selbstverständlichkeit, mit der die Jungen ihre jüdische Identität öffentlich leben. Die Aufnahme wurde mit dem zweiten Preis ausgezeichnet.

"Auf dem Weg zur Schule" (2. Preis)

"Auf dem Weg zur Schule" (2. Preis)

Foto: Evgenia Lisowski

In eine ganz andere Lebenswelt führt das Foto von Sonia Alcaina Gallardo und Evgeniya Kartashova: Eine junge Frau posiert lässig in der Badewanne – um sie herum schwimmt jüdisches Gebäck, das Berliner Pfannkuchen zum Verwechseln ähnlich sieht. Ironisch spielen die jungen Künstlerinnen hier mit Symbolen aus der jüdischen Tradition und dem Berliner Lifestyle. Dafür erhielten sie den dritten Preis.

„Evgeniya And Other Kosher Berliners“ (3. Preis)

„Evgeniya And Other Kosher Berliners“ (3. Preis)

Foto: Sonia Alcaina Gallardo und Evgeniya Kartashova

Einen Überblick aller Gewinnerinnen und Gewinner sowie die prämierten Bilder finden Sie unter fotowettbewerb-juedischer-alltag.de. Die Fotos sollen zudem in einer Wanderausstellung an vielen öffentlichen Orten in Deutschland präsentiert werden. Bis zum 30. April 2021 können sich interessierte Einrichtungen bei der  Initiative Kulturelle Integration als Ausstellungsort bewerben.

Impressionen von der Preisverleihung am 12. März im Ausstellungshaus für Fotografie C/O Berlin finden Sie in diesem Video.

Aktionstag am 9. Oktober

Der Fotowettbewerb „Zusammenhalt in Vielfalt – Jüdischer Alltag in Deutschland“ wurde anlässlich eines neu ins Leben gerufenen Aktionstages am 9. Oktober 2020 ausgelobt. Initiiert hat ihn die Kulturstaatsministerin gemeinsam mit dem Antisemitismus-Beauftragten der Bundesregierung, dem Zentralrat der Juden in Deutschland und der Initiative Kulturelle Integration.

Der Aktionstag erinnert an den Anschlag auf die Synagoge in Halle, bei dem ein Jahr zuvor – am höchsten jüdischen Feiertag Jom Kippur – zwei Menschen getötet wurden. Er soll künftig jedes Jahr am 9. Oktober stattfinden. Ziel ist es, mit verschiedenen Kampagnen Begegnungen zwischen jüdischen und nicht-jüdischen Menschen anzuregen und den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu stärken. 

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