Ein rationaler Umgang mit Drogen und Sucht

Sucht- und Drogenbeauftragter im Interview Ein rationaler Umgang mit Drogen und Sucht

Eine fortschrittliche Drogenpolitik und möglichst sicherer Cannabiskonsum – dafür setzt sich Burkhard Blienert als Sucht- und Drogenbeauftragter der Bundesregierung ein. Im Interview erklärt er, welche Schritte die Bundesregierung hier gehen will, und wie legaler Zugang zu Cannabis für Erwachsene mit mehr Schutz zusammenhängt.

Burkhard Blienert spricht bei einer Diskussion in ein Mikrofon.

Burkhard Blienert ist seit dem 12. Januar 2022 Sucht- und Drogenbeauftragter der Bundesregierung

Foto: Elias Domsch

Sie setzen sich für eine „neu gedachte“ Drogenpolitik ein. Warum sollten wir Drogenpolitik „neu denken“?
Mir ist es ganz wichtig, einen rationalen Umgang im Bereich von Drogen und Sucht zu bekommen. Dazu gehört auch, Hilfe und Schutz für suchtkranke Menschen voranzubringen. Es muss noch deutlicher werden, dass sie krank und keine Verbrecher sind. Deshalb ist der Dialog mit der Wissenschaft, mit den Verbänden und der Öffentlichkeit ganz wichtig. Ich denke, das ist wesentlich, um eine fortschrittliche Drogenpolitik zu definieren und zu gestalten.
 
Sie gelten als Vorkämpfer für eine Legalisierung von Cannabis. Nun können Sie die Freigabe als Drogenbeauftragter maßgeblich mitbestimmen. Wie fühlt sich das für Sie an?
Das fühlt sich einerseits sehr gut an, bringt aber auch enorm viel Verantwortung mit sich. Ich fühle mich der Aufgabe gewachsen und werde mich für die Umsetzung der Vereinbarungen im Koalitionsvertrag stark machen.
 
Warum wollen Sie eine kontrollierte Abgabe von Cannabis?
Mir ist wichtig, dass wir einen regulierten Zugang zu Cannabis in Fachgeschäften für Erwachsene ermöglichen. Denn eines der Hauptziele der regulierten Cannabis-Abgabe ist, zu kontrollieren, was verkauft wird. Wir müssen nun mal akzeptieren, dass viele Erwachsene Cannabis konsumieren. Was wir nicht akzeptieren müssen, ist, dass sie dabei enorme gesundheitliche Gefahren auf sich nehmen. Ein erheblicher Teil des Schwarzmarktstoffes ist viel zu stark, mit synthetischen Drogen versetzt oder verunreinigt. Auch die Unsummen an Schwarzgeld, welches nur noch mehr Kriminalität schafft, sind nicht mehr hinnehmbar. Der Staat muss die Kontrolle über den Cannabismarkt zurückbekommen.
 
Auch bei der Alkoholprävention wollen Sie Reformen. Was soll anders werden?
Alkohol ist definitiv ein gesundheitsschädigender Stoff. Deshalb bin ich froh drüber, dass der Koalitionsvertrag klar den Auftrag formuliert, Sponsoring und Marketing zu begrenzen. Meiner Ansicht nach müssen wir aber auch über die Altersgrenze reden. Dass Jugendliche ab 14 Jahren im Beisein ihrer Eltern Alkohol trinken dürfen, ist aus medizinischer Sicht nicht zu verantworten. Wirksame Prävention sieht anders aus.
 
Wie kann der Tabakkonsum reduziert werden?
Durch noch mehr Aufklärung, ein Verbot des Sponsorings, wie es der Koalitionsvertrag vorsieht - und eine Reduzierung der Verfügbarkeit. Auch hierzu brauchen wir eine fundierte Debatte. Mit der Bundesinitiative „Rauchfrei leben“ gibt es bereits eine gute Plattform, in der alle relevanten Akteure des Gesundheitswesens versammelt sind. Gemeinsam werden wir uns auch 2022 dafür einsetzen, den Tabakkonsum weiter zu reduzieren und Menschen zu helfen, mit dem Rauchen aufzuhören.

Burkhard Blienert ist seit dem 12. Januar 2022 Sucht- und Drogenbeauftragter der Bundesregierung (offiziell: Beauftragter der Bundesregierung für Sucht- und Drogenfragen). Als Drogenbeauftragter verfolgt er die Nationale Strategie zur Drogen- und Suchtpolitik. Diese beinhaltet die vier Säulen Prävention, Beratung und Behandlung, Schadensreduzierung sowie Angebotsreduzierung und Strafverfolgung. Über seine Arbeit informiert er auf bundesdrogenbeauftragter.de