Chance Ausbildungsbonus – Was die Förderung bewirken kann

Chance Ausbildungsbonus – Was die Förderung bewirken kann

Im Jahr 2007 wurden erstmals seit sechs Jahren wieder mehr als 600.000 Ausbildungsverträge geschlossen. Nun geht die Qualifizierungsinitiative der Bundesregierung noch einen Schritt weiter und fördert gezielt Altbewerber. Der Anteil der Jugendlichen, die schon länger als ein Jahr auf Ausbildungssuche sind, machte jüngst die Hälfte der Bewerber aus. 385.000 waren es im letzten Jahr. Durch den Ausbildungsbonus, der ab sofort beantragt werden kann, sollen in den kommenden drei Jahren 100.000 weitere Lehrstellen entstehen.

So kann die Förderung beantragt werden

Logo der Qualifizierungsinitiative der Bundesregierung mit dem Schriftzug Aufstieg durch Bildung

Logo der Qualifizierungsinitiative

Foto: BMBF

Anträge auf den Ausbildungsbonus sind der regionalen Arbeitsagentur einzureichen. Wichtig ist dabei, dass der Antrag vor dem vereinbarten Beginn der Ausbildung gestellt wird. Der Bonus kann für Ausbildungsverträge gezahlt werden, die zwischen dem 1. Juli 2008 und dem 31. Dezember 2010 beginnen. Die Auszahlung erfolgt in zwei Schritten. 50 Prozent der Förderung erhält der Arbeitgeber nach Ablauf der Probezeit. Die andere Hälfte nach der Anmeldung des geförderten Auszubildenden zur Abschlussprüfung. So soll auch die Zahl der Ausbildungsabbrüche gesenkt werden.

Diese staatliche Förderung von bis zu 6.000 Euro wird Betrieben gezahlt, die einen zusätzlichen Ausbildungsplatz für Bewerberinnen und Bewerber einrichten, die bereits länger als ein Jahr nach einem Ausbildungsplatz suchen. Dies betrifft vor allem solche, die nur einen Hauptabschluss oder gar keinen Schulabschluss haben. Auch sozial benachteiligte und lernbeeinträchtigte Jugendliche zählen dazu. Richten Unternehmen einen zusätzlichen Ausbildungsplatz für behinderte junge Menschen ein, erhöht sich der Bonus um 30 Prozent.

Unabhängig vom Abschluss sollen darüber hinaus diejenigen gefördert werden, die bereits länger als 2 Jahre auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz sind. Für sie sollen nun gezielt zusätzliche Ausbildungsplätze entstehen.

Manfred Kremer, Präsident des Bundesinstituts für Berufsbildung, begrüßt die Initiative. Wichtig sei der Fokus auf Jugendliche, „die aufgrund ihrer individuellen Voraussetzungen sonst keine Ausbildungschance haben. Betriebe, die sich dieser Aufgabe stellen, sollte man unterstützen.“

Zusätzliche Ausbildungsplätze vor allem in kleinen Unternehmen

Rund ein Drittel zusätzliche Ausbildungsstellen könnten durch den Ausbildungsbonus für Altbewerber schon im kommenden Ausbildungsjahr entstehen. Das ist das Ergebnis der jüngsten Betriebsbefragung des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB). Dafür befragte das BIBB im Frühjahr 2.400 Betriebe zum Ausbildungsbonus.

Das BIBB wollte wissen, für welche Betriebe die Förderung besonders interessant ist. Jeder sechste befragte Betrieb könnte demnach zusätzliche Ausbildungsstellen einrichten. Rund ein Drittel der Betriebe konnte noch nicht einschätzen, ob der Ausbildungsbonus genutzt werde, für 50 Prozent der Unternehmen kommt er allerdings nicht in Frage. Trotzdem könnten 29 Prozent zusätzliche Ausbildungsstellen geschaffen werden, die speziell Altbewerbern eine neue Chance bieten.

Die meisten Zusatzangebote würden im Dienstleistungssektor entstehen, wo fast 40 Prozent der Betriebe eine Aufstockung der Ausbildungsstellen in Erwägung ziehen. Auch im Gesundheits- und Sozialwesen und bei den Tierärzten würden laut der Befragung viele zusätzliche Angebote geschaffen. Bemerkenswert ist, dass 90 Prozent der zusätzlichen Ausbildungsstellen in relativ kleinen Betrieben mit weniger als 50 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern entstehen würden. Besonders Kleinstbetriebe mit bis zu 19 Beschäftigten würden ihre Ausbildungsangebote um zwei Drittel erhöhen. Gerade diese Firmen bildeten in den letzten Jahren immer weniger Jugendliche aus.

Jeder vierte Ausbildungsbetrieb hat Interesse

Wenig überraschend ist, dass die Zusatzangebote vor allem in Betrieben entstehen könnten, die bereits ausbilden. Jeder vierte Ausbildungsbetrieb würde mit staatlicher Förderung über die aktuellen Planungen hinaus Ausbildungsplätze für Altbewerber schaffen. Mit einer Steigerung von durchschnittlich 20 Prozent wären mehr als die Hälfte der neuen Lehrstellen in diesen Betrieben zu finden. Bei Firmen, die gar nicht oder nicht mehr ausbilden, ist das Interesse am Ausbildungsbonus eher gering.

Durch die starke Eingrenzung der geförderten Gruppe von Jugendlichen werden vor allem Betriebe angesprochen, die bereits Hauptschulabsolventinnen und -absolventen beschäftigen. Dass Betriebe mit Bedarf an akademisch ausgebildetem Personal eher wenig Interesse zeigen, liegt in der Natur der Sache. Dies schützt gleichzeitig vor Mitnahmeeffekten, die viele Kritiker anfangs befürchteten.

Fachkräftebedarf fördert Bereitschaft für Ausbildungsbonus

Mit zunehmendem Arbeitskräftebedarf wächst die Bereitschaft der Betriebe, zusätzliche Ausbildungsstellen für Altbewerber zu schaffen. Beabsichtigen Betriebe in den nächsten zwei Jahren, Arbeitsstellen zu besetzen, so will jeder vierte zusätzliche Ausbildungsplätze anbieten. Insbesondere gilt dies für Betriebe, bei denen Arbeitsstellen für beruflich Qualifizierte in Kombination mit un- bzw. angelernten Arbeitskräften zu besetzen sein werden. Wenn Betriebe allerdings keinen Bedarf an Arbeitskräften sehen, wollen weniger als ein Prozent Zusatzangebote schaffen.

Alarmierend ist die Verteilung innerhalb der Bundesrepublik. Denn laut der Befragung würden vier Fünftel der zusätzlichen Ausbildungsplätze in den westlichen Bundesländern geschaffen. Das ist insofern bedenklich, als besonders in den neuen Bundesländern betriebliche Ausbildungsplätze gebraucht werden.

Ausbilder unterstützen heißt Fachkräfte für die Zukunft sichern

Die in der BIBB-Umfrage erhobenen Zahlen liefern nur einen ersten Anhaltspunkt, was der Ausbildungsbonus bewirken könnte. Insgesamt zieht die Studie ein positives Fazit. Selbst wenn nur ein Teil der Betriebe, die am Ausbildungsbonus Interesse zeigten, zusätzliche Ausbildungsangebote schaffen würde, wäre dies angesichts der hohen Bestände an Altbewerbern ein nicht zu unterschätzender Teilerfolg. Eine erneute Befragung im September wird zeigen, ob und in welcher Weise der Ausbildungsbonus von den befragten Betrieben tatsächlich genutzt worden ist.

Gleichzeitig betont Kremer, dass Geld allein kein Allheilmittel sei. "Es geht darum, die richtigen Jugendlichen mit den richtigen Unternehmen zusammen zu führen und dafür zu sorgen, dass die Ausbildung gut wird.“ Hier sei zum Beispiel die professionelle Begleitung durch ein externes Ausbildungsmanagement wichtig. Auch die Vermittlung zusätzlicher, ausbildungsbegleitender Lernhilfen sei ein Mittel, Unternehmen bei der Ausbildung zu unterstützen.

Betriebe, bei deren Auszubildenden der Ausbildungserfolg gefährdet ist, können Unterstützung durch ihre Arbeitsagentur erhalten. Hier stehen von Ausbildungsmanagement und sozialpädagogischer Begleitung bis hin zu ausbildungsbegleitenden Hilfen (abH) viele Angebote bereit, um die Ausbildung zu unterstützen. Dabei werden die Lernhilfen individuell auf die Anforderungen der Auszubildenden zugeschnitten. Fällt der Unterricht in die betrieblichen Arbeitszeiten, kann der Betrieb einen anteiligen Lohnkostenzuschuss bekommen. Auch Beratung bei Verwaltungsabläufen, der Vertragsgestaltung und Hilfe bei möglichen Konflikten während der Ausbildung werden angeboten.

BIBB- Betriebsbefragung zum Ausbildungsbonus

Fragen und Antworten zum Ausbildungsbonus beim Bundesarbeitsministerium

Mehr zu Ausbildungsmanagement und ausbildungsbegleitenden Hilfen

Qualifizierungsinitiative der Bundesregierung