Bildungsrepublik Deutschland

Bildungsrepublik Deutschland

"Deutschland wird wieder Bildungsrepublik". Dieses Ziel formulierte Bundeskanzlerin Angela Merkel vor einem Jahr auf dem Qualifizierungsgipfel in Dresden und wiederholte dies in Ihrem Videopodcast vom 12. Dezember. Mit der Ministerpräsidentin und den Ministerpräsidenten der Länder traf sie sich am 16. Dezember 2009 in Berlin.

Bei dem Treffen ging es vor allem um das so genannte 10-Prozent-Ziel. Bis 2015 wollen Bund, Länder, Kommunen und Wirtschaft 10 Prozent des Bruttoinlands-produkts für Bildung und Forschung aufwenden. Davon entfallen drei Prozent auf die Forschung und sieben auf die Bildung.

Hauptergebnis des Treffens war, dass bei der bisher ungeklärten Finanzierungslücke von 13 Milliarden Euro der Bund 40 Prozent übernehmen wird. In welcher Form diese Gelder investiert werden, steht noch nicht fest. Denkbar sind konkrete Projekte, aber auch ein höherer Anteil der Länder an den Umsatzsteuereinnahmen.

Insgesamt hat sich die neue Bundesregierung für die Bildung viel vorgenommen. So werden bis 2013 insgesamt 12 Milliarden Euro zusätzlich in Bildung und Forschung investiert. Schon damit hat die Bundesregierung deutlich gemacht, dass Bildung ein Schwerpunkt ihrer Politik der neuen Legislaturperiode ist.

Alle Talente fördern

Die Bundesregierung will dafür sorgen, dass alle Menschen bestmöglich gefördert werden. Darauf hat sie sich bereits auf dem Qualifizierungsgipfel in Dresden im Oktober 2008 mit den Ländern verständigt. Gerade angesichts des demografischen Wandels werden Fachkräfte dringend für unseren künftigen Wohl¬stand benötigt.

Dies beginnt bei der Frühförderung der Kinder und reicht bis hin zur beruflichen Weiterbildung. Ein derzeit besonders in der Diskussion stehender Schwerpunkt sind die Studierenden. Eine höhere Studierendenquote wird angestrebt, was auch durch die Studienzulassung von beruflich Qualifizierten erreicht werden soll.

Aber auch in der beruflichen Bildung hat die Bundesregierung eine neuen Linie vorgegeben. Unter ganz neuen Vorzeichen wird der Ausbildungspakt fortgesetzt. Sollten in den vergangenen Jahren vor allem zusätzliche Ausbildungsplätze geschaffen werden, geht es künftig um mehr Qualität. Der demografische Wandel lässt bald flächendeckend einen Fachkräftemangel befürchten. Daher müssen Ausbildungsplatzsuchende ebenso wie Langzeitbewerberinnen und Langzeitbewerber noch zielgerechter vermittelt werden.

Die neue Situation spiegelt sich auch in der vom Bundesinstitut für Berufsbildung zum Jahresende veröffentlichten Ausbildungsbilanz des Jahres 2009. Mit 566.004 neuen Lehrverträgen wurden 50.338 Ausbildungsverhältnisse weniger begonnen als im Jahr zuvor (-8,2 Prozent). In Ostdeutschland sank die Zahl der Neuabschlüsse um 13,0 Prozent, im Westen um 7,1 Prozent.

Die Situation auf dem Ausbildungsmarkt in Deutschland ist somit zunehmend von zwei scheinbar widersprüchlichen Phänomenen gekennzeichnet: Auf der einen Seite finden die Unternehmen –insbesondere in Ostdeutschland – immer weniger Bewerber und Bewerberinnen. Auf der anderen Seite gibt es – vor allem im Westen Deutschlands – immer noch zu viele Jugendliche, die bei ihrer Ausbildungsplatz-suche erfolglos bleiben. Zum Stichtag 30. September 2009 registrierten die Arbeits-agenturen noch rund 93.000 unversorgte Bewerberinnen und Bewerber. Die meisten dieser Jugendlichen, rund 82.000, stammen aus den alten Bundesländern.

Die Bundesregierung ist überzeugt, dass eine gute und qualifizierte Berufsausbildung ein Kernstück jeder modernen Bildungspolitik ist und eine wichtige Form der Zukunftsvorsorge. Die Sicherung eines ausreichenden Ausbildungsplatzangebots für alle Jugendlichen hat Priorität. Die Modernisierung der Berufsbilder und die Schaffung neuer Berufe wird zusammen mit den Sozialpartnern fortgesetzt.

Berufsorientierung

Ein wichtiger Beitrag ist eine gute Berufsorientierung im Unterricht der allgemeinbil-denden Schulen, aber auch außerhalb. In allen Ländern haben Schülerinnen und Schüler Möglichkeiten der Berufsorientierung. In den meisten Ländern sind diese Angebote inzwischen fester Bestandteil der Lehrpläne.

Im Februar 2009 haben die Fachministerien in einer gemeinsamen Erklärung mit den Akteuren des Ausbildungspakts „Berufswegeplanung ist Lebensplanung“ zugesagt, dass alle Schulen über mehrere Schuljahre angelegte, systematische Konzepte zur Berufsorientierung erstellen und umsetzen werden. Ergänzend unterstützen die Länder vielfältige regionalspezifische Initiativen, um junge Menschen gezielt für bestimmte Berufe zu interessieren und klassische geschlechtsspezifisch dominierte Berufswahlmuster aufzubrechen.

Außerdem gibt es in nahezu allen Ländern überregionale oder landesweite Angebote zur vertieften Berufsorientierung, die zwischen den Fachministerien und den Regionaldirektionen abgestimmt sind und von beiden Partnern finanziert werden. 2008 wurden mit diesen Maßnahmen über 10.000 Schulen und 480.000 Schülerinnen und Schüler erreicht. Für 2009 bis 2012 stehen hier jährlich 75 Millionen Euro zur Verfügung.

Die inzwischen in allen Ländern entweder punktuell oder flächendeckend eingesetz¬ten Verfahren der systematischen Kompetenzprofilerstellung  werden als Grundlage für individuelle Förderung für alle Schülerinnen und Schüler angeboten oder weiter¬entwickelt. Es geht dabei um Instrumente wie Kompetenzpass, Kompetenzportfolio, Profilpass, Berufswahlpass.

Ergänzend fördert der Bund Berufsorientierungsmaßnahmen in überbetrieblichen und vergleichbaren Berufsbildungsstätten. Das 2008 gestartete Programm erreichte bis Mitte Februar 2009 bereits 34.000 Schülerinnen und Schüler. 2009 bis 2012 stehen für diese Maßnahmen mindestens 43,5 Millionen Euro bereit.

Seit Februar 2009 sind bundesweit an 1.000 Modellschulen, an denen der Haupt-schulabschluss erworben werden kann, Berufseinstiegsbegleiter tätig. Diese unterstützen bis zu 23.000 Jugendliche bei der Vorbereitung des Schulabschlusses, bei der Berufsorientierung und Berufswahl sowie beim Übergang in eine Berufsausbildung.

Weiterbildungsallianz und Mobilität

Lernen endet nicht mit einem Ausbildungs- oder Hochschulabschluss. Deshalb will die Bundesregierung gemeinsam mit den Sozialpartnern, den Ländern, der Bundesagentur für Arbeit und den Weiterbildungsverbänden eine Weiterbildungsallianz schmieden. Dazu gehört, dass kleine und mittlere Unternehmen darin unterstützt werden, ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter stärker weiterzubilden. Darüber hinaus sollen die Bildungs- und Qualifizierungsberatung für alle leicht zugänglich werden. Eine besondere Bedeutung haben tarifvertraglich vereinbarte Lernzeitkonten.

Bei allen Anstrengungen hat die Bundesregierung auch die europäische Mobilität und Vergleichbarkeit im Blick. Qualifikationen sollen europaweit, wenn nicht gar weltweit für die persönliche Entwicklung jedes einzelnen verwertbar sein. Dazu entwickeln Bund und Länder zusammen mit der Wirtschaft einen deutschen Qualifikationsrahmen, der dann in den europäischen Rahmen einfließt.

Bundesbildungsministerin Annette Schavan weist darauf hin, dass Bildung ein Bürgerrecht ist und gute Bildung sowie starke Forschung Quellen für künftigen Wohlstand darstellen. Sie sagte: "Bildungsrepublik Deutschland meint mehr als ein gut finanziertes Bildungs- und Wissenschaftssystem. Bildungsrepublik Deutschland meint auch Leidenschaft und Begeisterung für Lernen und Forschen als die besten Seiten des Menschen."

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