Satelliten im Dienst der Nachhaltigkeit

UN-SPIDER Satelliten im Dienst der Nachhaltigkeit

Die Vereinten Nationen haben in den vergangenen Jahren ein weltweites Wissensportal für satelliten-basierte Information aufgebaut. Im Katastrophenfall ermöglicht esschnelle und gezielte Hilfe. Die Hoffnungen der Experten richten sich aber auch darauf, dass es mittelfristig zur nachhaltigen Entwicklung der Welt beiträgt.

Satelitenaufnahme von oben

Satelitendaten helfen Umweltschäden frühzeitig zu erkennen.

Foto: European Space Imaging

Bonn, im 23. Stockwerk des UN-Gebäudes. Juan Carlos Villagrán de León, der Chef von UN-SPIDER Bonn, zeigt auf einem großen Plakat Aufnahmen von Dresden, 2013: Die Elbe hat ihre Ufer weit übertreten; der Vergleich mit dem ein Jahr zuvor aufgenommenen Bild macht es deutlich. Die Fotos stammen von Satelliten. Und dennoch kann man jedes Hausdach, jede Einzelheit erkennen. "Solche Aufnahmen", sagt Villagrán de León, "können den Rettungskräften im Katastrophenfall wichtige Informationen liefern, sie können aber auch – wenn man sie über viele Jahre hinweg vergleicht – die Vorhersage von Katastrophen unterstützen."

Portraet Dr. Juan Carlos Villagrán de León

Dr. Juan Carlos Villagrán de León

Foto: UNBonn/ Alice Fiser

Weltweiter Datenschatz

Durch das UN-SPIDER-Programm, das seit 2006 von nur 20 Mitarbeitern in Bonn, Wien und Peking betreut wird, wächst gerade ein großer Wissensschatz heran. Der Name steht für "United Nations Platform for Space-based Information for Disaster Management and Emergency Response" – zu deutsch "Plattform der Vereinten Nationen für raumfahrtgestützte Informationen für Katastrophenmanagement und Notfallmaßnahmen". Die ganze Erde wird zentimetergenau und über lange Zeit hinweg durch Satelliten beobachtet. Diese Datenschätze auch zu nutzen, wird erst möglich durch die intensive Vernetzung von Regierungen, Raumfahrtagenturen, Hilfsorganisationen und regionalen Büros weltweit. UN-SPIDER hat keine eigenen Satelliten, konnte aber bei der Schaffung dieses Netzwerks in den vergangenen neun Jahren schon große Erfolge erzielen. Gespeichert werden die Satelliten-Daten zum Beispiel im Deutschen Fernerkundungs-Datenzentrum des Deutschen Luft und Raumfahrtzentrums (DLR) im bayerischen Oberpfaffenhofen.

Hilfe bei globalen Problemstellungen

Porträt von Dr. Joachim Post

Dr. Joachim Post

Foto: UNBonn/ Alice Fiser

Klimawandel, der Rückgang der Bodenqualität, Stadtentwicklung – das sind nur drei Beispiele für Entwicklungen, die durch die Satellitenbeobachtung exakt verfolgt werden können. "Wir möchten den Transfer von Wissen und Technologien für globale Problemstellungen vorantreiben", sagt Joachim Post. Er ist Experte des DLR und arbeitet seit einem Jahr mit im UN-SPIDER-Programm. "Durch die Erdbeobachtung kann man zum Beispiel ständig messen, wie sehr die Atmosphäre durch Treibhausgase belastet ist. Man kann die Entwicklung der Bodendegradierung sichtbar machen oder auch den Anstieg der Meeresoberfläche messen." Diese Bilder und Daten machen plastisch erkennbar, wie die Erde sich verändert. In näherer Zukunft – so der Plan von UN-SPIDER – könnten sie eine Basis sein, auf der jedes Land seinen jährlichen Bericht zu Klimaschutz und Nachhaltigkeit liefern kann. Aussagen wären so leichter zu überprüfen.

Auf die Umsetzung kommt es an

Das Satelliten-System in den Mitgliedstaaten steht, und es gibt eine gute Zusammenarbeit. Aber: das Netzwerk soll noch größer werden. Viele Länder haben die UN-Experten schon angefordert, um sich in Nutzung und Auswertung der Daten schulen zu lassen. Mosambik, Sri Lanka, Bangladesch, Vietnam, die Dominikanische Republik und viele andere machen schon mit. Es gilt, alle 193 UN-Mitgliedsstaaten ins Boot zu holen. "Wir müssen den Regierungen und den relevanten Organisationen Informationen zur Verfügung stellen. Natürlich muss es vor Ort Steuerungsstrukturen geben, damit die Satelliten-Bilder optimal genutzt werden können. Das ist in manchen Ländern einfacher als in anderen", erklärt SPIDER-Chef Villagrán de León. Diese Strukturen aufzubauen, ist Aufgabe der Länder selbst. Das UN-Programm stellt in seinem für alle zugänglichen Wissensportal die Informationen und Kontakte zur Verfügung.

Nachhaltigkeitsagenda

"Die Informationen, die wir nun durch die Satelliten-Bilder generieren können, sind ein guter Anfang", findet Joachim Post. "Aber natürlich muss man sie auch nutzen." So hofft der Wissenschaftler, dass das UN-SPIDER-Programm auch dabei helfen kann, die 17 Nachhaltigkeitsziele zu erreichen, die die Weltgemeinschaft gerade beschlossen hat. Die so genannten "Sustainable Development Goals" sind in den 17 Bonner UN-Organisationen mit vorbereitet worden. Darunter sind Ziele wie "Nahrungssicherheit", "Gesundheit", "Wasser", "Städte" und "Ökosysteme und Biodiversität". Neben den 17 Zielen enthält die neue "2030-Agenda" auch die Verabredung, die Erreichung der Ziele zu überprüfen.