Nachhaltigkeitsstrategie

Regionales Nachhaltigkeits-Netzwerk für Deutschland (RENN)

Nachdem das erste RENN in Bonn im Sommer seine Arbeit aufgenommen hatte, startet nun RENN-Mitte für die Bundesländer Berlin, Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen.

RENN – Regionale Netzstellen Nachhaltigkeitsstrategie

Das Team des RENN-Mitte

Foto: RENN-Mitte, Josef Ahlke

RENN-Mitte ist eine der vier vom Rat für Nachhaltige Entwicklung initiierten neuen Netzstellen in Deutschland, die jeweils mehrere Bundesländer umfassen und nun ihre Arbeit aufnehmen. Eine Leitstelle beim Rat für Nachhaltige Entwicklung wird die Arbeit der vier Netzstellen begleiten (siehe Newsletter vom 7. Juli 2016).

RENN-Mitte sieht sich als Netzwerkknoten, Impulsgeber und Servicestelle zur Förderung und Stärkung einer gesamtgesellschaftlichen Transformation im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung. Gemeinsam mit der RENN-Leitstelle sowie auch den anderen drei RENN wird sie in der nächsten Zeit beraten, welche Themenschwerpunkte auswählt, konkretisiert und kooperativ umgesetzt werden sollen.

"Wir gehen davon aus, dass der kürzlich gestartete Agenda 2030-Prozess so viel Dynamik entfalten wird, dass diese in den Netzwerken, Ländern und Kommunen aktiv aufgenommen und konstruktiv in einem transformativen Prozesses in Richtung nachhaltige Entwicklung genutzt werden kann. Das ist eine große Chance, auf die wir lange hingewirkt haben und die wir im RENN-Netzwerk aktiv nutzen wollen", so Josef Ahlke, der Vorstandsvorsitzende des Vereins Zukunftsfähiges Thüringen e.V. und Leiter von RENN-Mitte.

RENN Mitte – Wer ist das?

Der Verein Zukunftsfähiges Thüringen e.V. ist der Konsortialführer des als Kooperation von fünf zivilgesellschaftlichen Netzwerkpartnern angelegten RENN-Mitte-Netzwerkes. Die Partner:

  • Berlin 21 e.V.,
  • Brandenburg 21 e.V.,
  • Netzwerk Zukunft Sachsen-Anhalt e.V., sowie
  • CivixX – Werkstatt für Zivilgesellschaft
  • und LE Regio aus Sachsen

arbeiten seit Langem intensiv vor Ort und in ihren Ländern zu Themen der Agenda 21 und Nachhaltigkeit. Sie, sind lokal, regional und bundesweit vernetzt und auch miteinander vielfach über Projekte und Veranstaltungen, wie z.B. den jährlichen Netzwerk21Kongress, verbunden. Die Organisationen sind zentrale zivilgesellschaftliche Ansprechpartner in den jeweiligen Bundesländern zum Thema nachhaltige Entwicklung.

Regionale Netzstellen Nachhaltigkeitsstrategie

Regionales Nachhaltigkeitsnetzwerk Mitte

Foto: RENN-Mitte

Dies ist im Vergleich zu den anderen drei RENN eine wesentliche Besonderheit, die das Netzwerk bewusst aufgreifen will. Bereits die Erarbeitung des RENN-Mitte-Antrages an den RNE erfolgte gemeinsam und auf partizipative Weise. Grundlage war ein Workshop, bei dem sich die Partner über bestehende Aktivitäten austauschten und auf einen gemeinsamen Rahmen verständigten. Interessant ist, dass trotz der länderspezifischen Gegebenheiten die Akteure aktuell jeweils ähnliche Themen, Formate und Schwerpunkte bearbeiten bzw. zukünftig setzen wollen.

Das RENN-Mitte-Team ist unter diesem Gesichtspunkt zwar durchaus sehr homogen aufgestellt, große Unterschiede bestehen aber zugleich in den Länderpolitiken und den jeweiligen Nachhaltigkeitsstrukturen in den fünf Bundesländern. So weist Thüringen eine langjährige Nachhaltigkeitsarchitektur und Begleitstruktur der Kommunen und Zivilgesellschaft auf, die in den anderen vier Ländern nur in Teilen vorhanden bzw. nicht etabliert ist. Hinzu kommt, dass sich Berlin als Stadtstaat mit Blick auf die räumlichen, infrastrukturellen und demografischen Gegebenheiten nur schwer mit den vier Flächenstaaten vergleichen lässt.

Übergreifende Zielstellungen im RENN-Mitte-Netzwerk

In ersten Workshop haben sich die Partnern über zentrale Zielstellungen verständigt, die in den nächsten fünf Jahren verfolgt werden sollen.

So soll das Thema Nachhaltigkeit stärker in die Kommunal- und Landespolitik hineingetragen werden. Beschlüsse der Stadt- und Gemeinderäte, aber auch der Landespolitik zu den globalen Nachhaltigkeitszielen (SDGs) und zum Weltaktionsprogramm Bildung für Nachhaltige Entwicklung (WAP BNE) durch die Stadt- und Gemeinderäte, aber auch die Landespolitik sind dazu wichtige Schritte. Hierbei werden die Kommunen mit Fachveranstaltungen und Dialogen unterstützt.

Angedacht ist auch die Entwicklung geeigneter Formate für den Austausch mit den Landesparlamenten. Ziel ist es, in diesem Zusammenhang Impulse für eine bessere Abstimmung zwischen den Aktivitäten der Kommunen mit den Ländern sowie der Kommunen untereinander zu setzen. Wesentlicher Referenzrahmen wird neben der 2030-Agenda 2030 die Deutsche Nachhaltigkeitsstrategie sein, die bereits im Entwurf vorliegt und die sich derzeit in der abschließenden Diskussion befindet.

Landkarte der Nachhaltigkeitsaktivitäten

Eine zentrale Aufgabe, die sich für alle RENN stellt, ist die stärkere Vernetzung bereits engagierter Akteure mit neuen Akteuren und Zielgruppen. Die „Landkarte der bundesweiten Nachhaltigkeitsaktivitäten“ soll sich in den nächsten Jahren gut sichtbar füllen: mit vielfältigen Projekten, guten Beispielen und langfristigen Nachhaltigkeitsaktivitäten. Im RENN-Mitte-Netzwerk verfügen bereits einige Partner über eine, auf KKriterien basierte Sammlung von umgesetzten Nachhaltigkeitsprojekten. Eine Idee ist, diese zu Projektlandkarten für jedes Bundesland zu entwickeln und perspektivisch für das RENN-Mitte -gebiet zu vernetzen.

Insgesamt soll auf diese Weise in den nächsten Jahren ein deutliches „Mehr“ an nachhaltiger Entwicklung entstehen. Die Hoffnung besteht zudem darin, mit der gemeinsamen Arbeit und der Unterstützung des RNE so auch die bestehenden Ländernetzwerke zu stärken.

Zielgruppen, auf die das RENN-Mitte fokussiert, sind zivilgesellschaftliche Akteure, so u.a. aus Bildungslandschaften, entwicklungspolitischen Zusammenhängen, Transition-Town-Initiativen, Bürgerstiftungen, Bürger-Energienetzwerken, Umweltverbänden. Eine zweite Zielgruppe ist die kommunale Politik und Verwaltung sowie die Landespolitik und -verwaltung. Zudem, soll stärker als dies in Zeiten der Agenda 21 gelungen war, ein Fokus auf regionalwirtschaftliche Verbände und Unternehmen, Hochschulen und Bildungs- und Forschungseinrichtungen sowie auf Kirchen und Religionsgemeinschaften gelegt werden.

Wie kann das gelingen?

„Selber machen, Ermöglichen, Anregen“ und dabei den horizontalen und vertikalen Austausch der zivilgesellschaftlichen Akteure und der politischen Ebenen mitgestalten. Dies sind, so Josef Ahlke, die zentralen Stichworte, um die anstehenden Aufgaben zu bewältigen.

Das RENN-Mitte-Team will daher nicht nur gute Beispiele vorstellen und Akteure vernetzen, sondern in der ersten Phase auch selbst 2-3 gemeinsame Referenzthemen unter dem Fokus der SDGs auswählen. Diese sollen dann innerhalb der Projektlaufzeit gemeinsam bearbeitet werden, so dass RENN-Mitte auch nach außen hin deutlich mit diesen Themen in Verbindung gebracht werden kann. Konkret können dies zum Beispiel fairer Handel/ nachhaltige Beschaffung, BNE, zukunftsfähige Mobilität oder Stadt-Umland-Beziehungen sein. Globale Verantwortung, Gestaltung des demografischen Wandels, Migration/ Integration, Chancengleichheit, Stärkung der regionalen Zusammenarbeit werden dabei als übergeordnete Schwerpunkte verstanden.

Nachhaltige Entwicklung ist zugleich nur mit einer breiten Beteiligung und umfassenden Mitwirkung der Akteure und Einwohner vor Ort möglich. Daher besteht ein weiterer wesentlicher Ansatz darin, Beteiligungsprozesse und Möglichkeiten der Mitwirkung generell stärker in die Breite zu tragen und diese für gesellschaftliche Entwicklungsprozesse auch einzufordern und im Nachhaltigkeitsdiskurs zu verankern. Partizipation gilt im RENN-Mitte-Netzwerk auch als Grundprinzip der eigenen gemeinsamen Arbeit. Denn wenn Akteure selbst im Sinne der nach außen getragenen Ziele und Leitbilder handeln, so werden sie als authentisch wahrgenommen und können ihr Anliegen viel besser vermitteln.

Zusammenarbeit mit den Ländern

Die fachlich zuständigen Ländervertreter haben im Juli 2016 "Eckpunkte zur Zusammenarbeit mit der Regionalen Netzstelle Nachhaltigkeitsstrategien Mitte" mit dem RENN –Mitte beraten. Sie begrüßen die Einrichtung der RENN von Seiten des Bundes und erkennen die Eigenständigkeit des RENN-Mitte an, verbunden mit dem Hinweis auf eine verantwortungsvolle Aufgabenwahrnehmung an die zivilgesellschaftlichen Träger.

Frühzeitiger gegenseitiger Austausch und das Angebot dem RENN-Mitte beratend zur Seite zu stehen sind weitere Ergebnisse. Über die fachliche Kooperation hinaus sind sie zudem grundsätzlich bereit, regionale umsetzungsorientierte Projekte sowie Vorhaben des RENN-Mitte im Rahmen ihrer haushaltsrechtlichen Möglichkeiten auch finanziell zu unterstützen.

Ein nächster, gemeinsamer Workshop ist am 14. und 15. November in Erfurt geplant, zu dem auch Thüringens Umweltministerin Anja Siegesmund einen Beitrag aus Sicht des Landes zugesagt hat. Beim Austausch der Ländervertreter mit dem RENN-Mitte Team sollen die geeigneten Themen und Aktionen sowie die Begleitungs- und Unterstützungsmöglichkeiten diskutiert und ausgelotet werden.

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