Präventive Armutsvermeidung/ Bildung für nachhaltige Entwicklung

Nachhaltigkeitsdialog Hamburg 11.02.2016 Fotoreihe Fotograf: Tobias Tanzyna, MR vorhanden, bei Frau Behrendt Nachhaltigkeit Dialog

Thomas Hohn, Bündnis Zukunftsbildung / Greenpeace

Foto: Tobias Tanzyna

Workshop 5 beschäftigte sich mit der präventiven Armutsvermeidung. Bei zwei Regionalkonferenzen war aber auch gewünscht worden, dem Thema Bildung für nachhaltige Entwicklung ein Forum zu geben, das ebenfalls unter dem Dach dieses Workshops seine Heimat fand.

Armutsverständnis

Die Diskussionen in den Workshops zeigten ein sehr vielschichtiges Verständnis von Armut als sozialer und kultureller Teilhabe, Bildungsarmut bis hin zu einem Mangel an Entwicklungsmöglichkeiten und der Gesprächskultur. Wer gesellschaftlich nicht mehr teilhaben könne, ob aus finanziellen oder anderen Gründen, sei als arm zu bezeichnen. Es sei wichtig, diejenigen, die von der Teilhabe ausgeschlossen seien, wieder zu integrieren.

Bildung zur Armutsprävention

Auch dass der gleichberechtigte Zugang zu hochwertiger Bildung ein Schlüssel zur Vermeidung von Armut und Ausgrenzung ist, war vielen Gruppen wichtig, festzustellen. Bildung und Chancengerechtigkeit benannten sie als unerlässlich und mit Blick auf die Flüchtlingszuwanderung die Sprache als Zugang zur Bildung und Integration. Es brauche hier niederschwellige Angebote an die Eltern. Kritisiert wurde auch an mehreren Stellen der Diskussion die Leistungsorientiertheit in unserer Gesellschaft. Das Menschsein beginne nicht mit dem Studium. Eine Aufwertung von Handwerk und dualem Bildungssystem seien dringend notwendig. Für viele Teilnehmende stellte es sich auch als erstrebenswert dar, Bildung an Kompetenzen statt an Fächern auszurichten und Interdisziplinarität zu fördern.

Bildung für nachhaltige Entwicklung: ein Ziel für die Nachhaltigkeitsstrategie

Mit Blick auf den Bereich Bildung für nachhaltige Entwicklung waren sich die Teilnehmenden einig, dass dieser besser im Bildungssystem und für alle Akteure auch in der Verwaltung verankert sein soll. Das Indikatoren-System der Nachhaltigkeitsstrategie soll Bildung für nachhaltige Entwicklung als Ziel abbilden. Als tragfähiges Indikatoren-Set wurde dazu der Orientierungsrahmen der Kultusministerkonferenz benannt.

Vorschläge und Empfehlungen an die Bundesregierung

  • Strukturen statt Projekte fördern bei der Umsetzung des Weltaktionsprogramms zu BNE
  • Alle in der Verwaltung/Lehre sollen in BNE fortgebildet werden/ BNE in alle Lehrpläne
  • Vorschlag: Kann man Kompensationsgelder für BNE-Projekte einsetzen?
  • freiwilliges nachhaltiges Jahr
  • prozentuale Erhöhung der qualitativ hochwertigen und kostenfreien frühkindlichen Betreuung und Bildung
  • Gesundheit- umfassende national bzw. auf Länderebene Präventionsprogramme
  • Langzeitstudie zur Bewertung von Armutsfaktoren/ Wohlbefinden (well-being) (z. B. Karies, Adipositas)
  • Förderung der (klein-)bäuerlichen und ökologischen Landwirtschaft in Deutschland und weltweit
  • Verbot von Spekulationen auf Nahrungsmittel an der Börse
  • Öffnung der EU-Märkte für weiterverarbeitete Agrarprodukte aus dem Süden
  • Einklagbares Recht bei Menschenrechtsverletzungen multinationaler Unternehmen
  • Kein Export von Agrarprodukten, die durch Subventionen entstanden sind.
  • Zugang und Förderung zu nativen Saatgut und angepasster Technologie
  • Fördertopf auf Bundesebene für Studierenden-Projekte

Hinweise zu den Indikatoren

  • Neuer Indikator "Bildung für nachhaltige Entwicklung" gewünscht
  • BNE muss in die nationale Nachhaltigkeitsstrategie mit qualitativen und quantitativen Zielen
  • Die fünf Prioritäten aus dem KMK-Orientierungsrahmen sollen in der Strategie aufgegriffen werden/ Bekenntnis zum KMK-Orientierungsrahmen

Armutsbegriff

  • Bedeutung der sozio-kulturellen Teilhabe
  • Bekämpfung von Bildungsarmut
  • sozial(räumlicher) Segregation (sehr problematisch und problemverstärkend)
  • Stärkung der Zivilgesellschaft (diese geht dort, wo Armut sich ballt, verloren)
  • Armut hat zahlreiche Gründe, z. B. Altersarmut, Frauenarmut

Bildung für nachhaltige Entwicklung

  • Verknüpfung von Armutsbekämpfung und BNE ist wichtig
  • Hinweis Uni Bochum: dort im Fach Geografie Gedanke der Nachhaltigkeit bereits enthalten
  • Schaffen von Verbindlichkeit/ Rahmenbedingungen ableiten
  • Qualifizierung von Multiplikatoren
  • Qualitäten definieren und prüfen
  • Im sächsischen Schulgesetz wird Nachhaltigkeit verankert als integraler Bestandteil – Gibt es noch andere Länder mit Verankerung im Schulgesetz?
  • Forderung: Kultuskonferenz sollte nicht nur empfehlen, sondern verbindlich fordern. Strukturierter Prozess, um BNE zu integrieren unter Beteiligung von Experten
  • Priorisierung von Zielen und Ressourcenverteilung
  • Schulen und BNE/Weltaktionsprogramm koordinieren/verknüpfen
  • Ressorts-/ Fachübergreifende Evaluation
  • BNE braucht Zeit/ Entschleunigung
  • Peer-to-Peer

  • fächerübergreifende Vermittlung
  • Interaktion/ Austausch in einem Bildungsforum
  • Vereinfachung der Begrifflichkeit für Erzieherinnen und Erzieher sowie Lehrerinnen und Lehrer
  • Kohärenz/ Vorbild

Bildung

  • Hinweis auf das "finnische Modell" als Orientierung: Auflösung der Fächerstrukturen und in Aufgaben und Lösungen denken
  • Einrichtung von Transfer-Kindergärten/ Schulen (Wissen wird milieuübergreifend vermittelt)
  • Verbesserung der Bildung durch mehr Schulsozialarbeit
  • Bildung ist nicht der einzige Schlüssel, sondern der ganzheitliche Blick ist wichtig
  • Förderung der Schulen nicht im Gießkannenprinzip sondern durch zielgerichtete Verteilung
  • Nicht nur Bildungsangebote machen sondern auf die Klientel zugehen (mobile Bildung)
  • Stärkere finanzielle Einbindung der Industrie in die Aus- und Schulbildung
  • Beschluss der Bundesregierung muss verknüpft werden mit einem KMK-Beschluss!
  • Bildung und Armut hängen zusammen. Sachsen ist ein schlechtes Beispiel, da bei Pisa Förderschulen herausgerechnet werden.

    Leipzig z. B. 15,3 Prozent der Schulabgänger ohne Abschluss; 20 Prozent aller Schulanfänger werden zurückgestuft

  • Bildungserfolg sind nicht nur Abschlusszahlen
  • Inklusion als verbindliches Thema der Lehramtsausbildung
  • Fortbildung für Landkreise im Umgang mit heterogenen Lerngruppen
  • Kooperationsverbot Bund-Länder aufheben
  • Bildungschancen an Potenzialen und Motivation der Schüler orientieren (nicht nur Elterneinschätzung)
  • Wie lernt man Verantwortung? Entsprechende Maßnahmen sind verpflichtend für Bildungsabschluss.
  • Ausbildungsmöglichkeiten von handwerklichen/ mittelständischen Berufen für Theorie und Praxis mit anerkanntem Abschluss schaffen/ fördern
  • Selbststeuerungskompetenzen vermitteln

Armutsvermeidung

  • 10-Punkte-Papier des deutschen Kinderhilfswerks – Hamburger Kongress - Internet
  • Armut von Geld entkoppeln
  • Armutsrisiko vermindern – soziale Ausgrenzung vermindern durch politische Rahmenbedingungen
  • Arm und Reich müssen sich begegnen und kennenlernen
  • Arbeit/ Einkommen sichern
  • Teilhabe sichern
  • Vorrang vom Anbau heimischer Produkte zur Ernährungssicherung vor Exportanbau
  • Fairen Handel fördern als Armutsbekämpfungsmaßnahme
  • Mikrofinanzwesen im Süden fördern
  • Förderung von Arbeitsplätzen im ländlichen Raum
  • Förderung sozialer Sicherungssysteme für Kleinbauern im Süden

Jugendbeteiligung

  • Neue Möglichkeiten der Jugendbeteiligung schaffen
  • Jugendpartizipation – echte Mitbestimmungsrechte

Maßnahmen zur Erreichung von SDG 16 (Frieden und Gerechtigkeit)

  • Ergebnisorientierte, transparente und in der Öffentlichkeit sichtbare Zusammenarbeit zwischen Regierung und Zivilgesellschaft
  • Messbare Anzahl von "Grassroots"-Berührungen hat sich erhöht (Eine politische oder gesellschaftliche Initiative, die aus der Basis der Bevölkerung entsteht. Der deutsche Terminus ist Basisbewegung.)
  • Anzahl von Regierungsinstitutionen aller Länder, die sich an Good Governance-Initiativen beteiligen, erhöhen
  • Unterstützung Gewaltenteilung auf Basis demokratischer Grundprinzipien fördern