Kohlenstoffdioxid lässt die Ozeane versauern

Höher, wärmer, saurer. So beschreibt die Meeresforschung die aktuelle Entwicklung der Meere:

Höher, denn der Meeresspiegel steigt an. Wegen der schmelzenden Eisschilde von Grönland und der Antarktis und weil sich wärmeres Wasser ausdehnt. Schon fünf Südsee-Inseln der Salomonen sind in den vergangenen Jahren untergegangen, auch die Bewohner von Tuvalu im Pazifik zwischen Hawaii und Australien leben nur knapp über dem Meeresspiegel und befürchten, dass ihre Heimat bald im Meer versinkt.

Wärmer, denn die globale Erwärmung betrifft auch die Ozeane: Aktuelle Studien deuten darauf hin, dass die Ozeane immer schneller immer wärmer werden, so haben die Ozeane in den vergangenen Jahrzehnten deutlich mehr Wärme aufgenommen als bislang gedacht.

Mesokosmen-Experiment zur Ozeanversauerung im Raunefjord, Bergen, Norwegen

Mesokosmen-Experiment zur Ozeanversauerung im Raunefjord, Bergen, Norwegen

Foto: Dr. Maike Nicolai/GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel

Saurer werden die Meere, weil der Mensch immer mehr CO2 produziert: „Kohlendioxid wird vom Ozean aufgenommen, dieses CO2 reagiert dann mit dem Meerwasser zu Kohlensäure“, erklärt Ulf Riebesell. Die Kohlensäure führt dazu, dass das Meerwasser ansäuert, so der Professor vom GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung weiter.

Welche Auswirkungen hat die Ozeanversauerung auf das Leben im Meer? Dieser Frage gehen Wissenschaftler in einem der größten nationalen Forschungsprogramme zur Ozeanversauerung, BIOACID, nach, das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung mit 4,3 Millionen Euro gefördert wird. Erste Ergebnisse der Forscher deuten darauf hin, dass sich die Lebensgemeinschaften im Ozean stark verändern. Die Artenvielfalt nimmt ab, berichtet Ulf Riebesell, der das internationale Forschungsprojekt von Kiel aus koordiniert. Allerdings reagieren nicht alle Lebewesen gleich auf die Versauerung: Seegräser, Algen und pflanzliches Plankton, die Kohlendioxid für die Photosynthese benötigen, profitieren sogar von der Ozeanversauerung. Besonders gefährdet sind kalkbildende Organismen wie Muscheln und Korallen, denn sie können im saureren Wasser ihre Kalkskelette und –schalen nicht mehr so gut bilden. Deshalb bedroht die Ozeanversauerung ganze Korallenriffe. Die Riffe bieten aber nicht nur eine große Artenvielfalt, die verloren geht, sondern bremsen auch die Wucht der anrollenden Wellen und wirken als natürlicher Küstenschutz. Gehen sie verloren, ist die Küste dem Meer ungeschützt ausgesetzt.

Tiefseegarnele

Tiefseegarnele

Foto: Jan Steffen/GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel

Die Forscher warnen davor, dass zusätzlich zur Ozeanversauerung andere Stressfaktoren wie Erwärmung, Sauerstoffarmut und Überfischung auf die Lebewesen im Meer einwirken. Zwar könne sich die Natur an Veränderungen anpassen, aber die Ozeane versauern – auf einer geologischen Zeitskale gemessen – so schnell, dass es vielen Tieren und Pflanzen nicht gelingen werde, sich rechtzeitig anzupassen: „Wir haben diese Geschwindigkeit an Versauerung im Ozean in den vergangenen 55 Millionen Jahren nicht erlebt“, so der biologische Ozeanograf Riebesell. Die Wissenschaftler sehen nur einen Ausweg: Wir Menschen müssen unsere CO2-Emissionen reduzieren. Nur so können wir intakte Ozeane erhalten.

Auch die internationale Staatengemeinschaft hat die Ozeanversauerung als Bedrohung für ökonomisch und ökologisch wichtige Ökosysteme anerkannt. So war die Ozeanversauerung Thema bei der Ocean Conference der Vereinten Nationen, die vom 5. bis 9. Juni 2017 in New York stattgefunden hat.

Im Rahmen des Wissenschaftsjahres Meere und Ozeane informiert das Bundesministerium für Bildung und Forschung Bürgerinnen und Bürger über die Meeresforschung. Unter dem Motto „Entdecken. Nutzen. Schützen“ finden Mitmach-Aktionen, Infoveranstaltungen, Schiffsbegehungen und Wettbewerbe statt. Noch bis Ende des Jahres lädt das Wissenschaftsjahr Meere und Ozeane zum Staunen, Diskutieren und Mitmachen ein.