Bioplastiktüten – eine bessere Alternative?

Eine Frau hält eine Einkaufstüte mit dem Aufdruck "100 Prozent kompostierbar"

Einkaufstaschen aus Biokunststoffen mehrfach verwenden

Foto: picture alliance/ZB/Jens Kalaene

Und was heißt Biokunststoff eigentlich? Die Vorsilbe "bio" kann für zwei Eigenschaften stehen: für biobasiert, also aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt, etwa auf Stärkebasis aus Mais oder Kartoffeln. Oder "bio" bezeichnet die Möglichkeit, den Kunststoff biologisch abzubauen, auch zu kompostieren. Allerdings zerfallen viele dieser Stoffe nur unter den definierten Bedingungen industrieller Kompostierungsanlagen. Auf den Komposthaufen zu Hause sollten, so das Umweltbundesamt, sie nicht geworfen werden, da hier andere Feuchte- und Temperaturbedingungen herrschen und sie sich dort nicht oder nur mit einer deutlich längeren Zerfallszeit zersetzen.

In der Regel entstehen aus biologisch abbaubaren Kunststoffen auch keine wertvollen Bodenbestandteile, sondern es findet lediglich ein Abbau in Kohlendioxid (CO2) und Wasser statt. Biologisch abbaubare Kunststoffe sollten daher, solange sie nicht recycelt werden können, energetisch verwertet werden. Die bei der Verbrennung freiwerdende Energie lässt sich so als Strom oder Wärme nutzen. Und ganz wichtig: Nicht jeder Kunststoff aus nachwachsenden Rohstoffen ist biologisch abbaubar. Genauso sind nicht alle biologisch abbaubaren Kunststoffe aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt.

Alte Idee mit neuem Elan

Die Idee von den Biokunststoffen selbst ist ihrerseits recycelt: Ursprünglich wurden Kunststoffe fast ausschließlich aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt, etwa bis in die 30er Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Erst seit Ende des Zweiten Weltkriegs nutzt man in der Kunststoffherstellung fossile Rohstoffe wie Erdöl oder Erdgas.

Weil fossile Rohstoffe knapper werden und dem Klima schaden, setzen einige Hersteller wieder auf die Ursprungsvariante.

Durchwachsene Ökobilanz

Tatsächlich spart die Herstellung biobasierter Tüten und ihre Entsorgung CO2 ein. Und auch die Erdölvorräte werden geschont, weil der Produktionsprozess mit weniger Erdöl auskommt.

Doch biobasierte Kunststoffe bringen andere Probleme mit sich, so das Umweltbundesamt: Der Anbau der "Plastikquellen" wie Mais, Kartoffeln oder Zuckerrohr belastet die Umwelt. Auch hierfür wird Erdöl benötigt, zum Beispiel für die Herstellung von Diesel und Düngemittel. Der Boden wird oft überdüngt. Das wiederum reichert die Gewässer mit Nährstoffen an, was das Wachstum von Algen und anderen Pflanzen beschleunigt. Häufig kommen Pestizide und teilweise gentechnisch veränderte Organismen zum Einsatz. Unter Umweltgesichtspunkten sind Verpackungen aus biobasierten Kunststoffen deswegen zurzeit nicht besser als herkömmliche Verpackungen.

Plastiktüten aus biologisch abbaubaren Kunststoffen können über die gelben Säcke beziehungsweise Tonnen entsorgt werden. Recycelt werden sie nicht, sondern in der Regel mit Sortierresten verbrannt.

Auf der sicheren Seite: Mehrwegtaschen

So unsicher die Bilanz von Biokunststoffen aus nachwachsenden Rohstoffen ist, selbst wenn sie abbaubar sind, eines bleibt richtig: Umweltfreundlich ist alles, was öfter benutzt wird, Stoffbeutel etwa oder Taschen aus anderen langlebigen Materialien.

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