Alltag trifft Nachhaltigkeit (nachhaltiger Konsum)

Nachhaltigkeitsdialog Stuttgart Fotoreihe Fotograf: Michael Fuchs, MR vorhanden, bei Frau Behrendt Nachhaltigkeit Dialog

Christina Alff, Förderkreis Oikocredit Baden Württemberg, Bildungsreferentin

Foto: Michael Fuchs

Wie befähigt man die Verbraucher dazu, im Alltag nachhaltig zu konsumieren? Welche Rahmenbedingungen braucht man dazu? Diese und andere Fragen diskutierten die Teilnehmenden des Workshops 3. Im Austausch miteinander wurde die Forderung einer Verhaltensänderung in Richtung Nachhaltigkeit laut. Bewusster Konsum setzt jedoch eine Veränderung des Denkens voraus. Folgende Schwerpunktthemen wurden während der fünf regionalen Konferenzen häufig genannt:

Konsumverhalten ändern

Nach Auffassung der Teilnehmerinnen und Teilnehmer sollte nachhaltiger Konsum als Thema schon in die Kindergärten. Es muss einfacher werden, nachhaltig zu leben. In diesem Zusammenhang muss sich vor allem auch die Maßlosigkeit des Konsumverhaltens ändern – Suffizienz muss ins Konzept. Es herrschte Einigkeit darin, dass es dazu insbesondere der Reflexion des eigenen Handelns bedarf: Die Macht des Verbrauchers liegt darin, die richtigen Fragen zu stellen.

Pragmatisch vorgehen

Konsens gab es auch dahingehend, dass nachhaltiger Konsum und Nachhaltigkeit ein hochkomplexes Thema sind. Es wurde jedoch Einigkeit dahingehend erzielt, dass die Angst vor dem Scheitern nicht zur Handlungsunfähigkeit führen dürfe. In diesem Zusammenhang ist es besser, etwas Unvollkommenes und Vorläufiges zu haben, das sich weiterentwickeln kann, als gar nichts. Wissenschaftliche Erkenntnisse sind wichtig und notwendig, aber manchmal muss man einfach mal etwas machen und Mut zu Fehlern haben.

Nachhaltiger Konsum muss Spaß machen

Nach Ansicht der Teilnehmenden sollte der Fokus darauf liegen, nachhaltigen Konsum "in" zu machen. Er sollte so gestaltet werden, dass der Erwerb eines nachhaltig hergestellten Produktes als Selbstbelohnung wahrgenommen wird – mit einem guten Gewissen in Hinblick auf Fairness und Gerechtigkeit. Das bedeutet Nachhaltigkeit darf nicht in Form von Reduktion und Verboten etabliert werden, sondern muss vielmehr positiv konnotiert sein.

Das zweite Preisschild

Von vielen Teilnehmerinnen und Teilnehmern wurde der Wunsch geäußert, ein zweites Preisschild einzuführen, das den tatsächlichen Preis abbildet, in dem Externalitäten entsprechend berücksichtigt werden. Dies wurde zu einer "echten" Vergleichbarkeit führen. Es ist wichtig, die Verbraucherinnen und Verbraucher aufzuklären und zu informieren, aber man darf sie auch nicht überfordern. Labels und Siegel können dabei eine wichtige Rolle spielen, sofern sie transparent, informativ und vertrauenswürdig sind.

Werbung für Nachhaltigkeit

Schließlich wurde vielerorts der Vorschlag diskutiert, verstärkt Werbung für Nachhaltigkeit zu machen. Diese sollte emotional aufbereitet sein, damit sie die Konsumenten entsprechend berührt und zum Nachdenken anregt. In diesem Zusammenhang sollten auch die Nachhaltigkeitsaktivitäten der Bundesregierung stärker beworben und bekannt gemacht werden.

Vorschläge und Empfehlungen an die Bundesregierung

Aufklärung und Bildung

  • Staat muss mit gutem Beispiel vorangehen
  • Aufklärung und Bildung für den Verbraucher: in den Schulen, in den Kindergärten
  • Nachhaltigkeit klar definieren und Kriterien für Nachhaltigkeit festlegen und gesetzlich einbetten/ regeln

Förderung nachhaltiger Produkte und Dienstleistungen

  • Nachhaltige Produkte müssen zum Standard gemacht werden
  • Verbot nicht-nachhaltig hergestellter Produkte (beispielsweise Produkte, die durch Kinderarbeit produziert wurden)
  • Regulatorische Maßnahmen erforderlich: genauso wie Produkte sicher und nicht gesundheitsgefährdend sein dürfen, sollten auch nur nachhaltige Produkte auf den Markt kommen
  • Politik sollte nicht-nachhaltige Produkte/ Dienstleistungen verbieten
  • Preisliche Anreize schaffen, die grüne Produkte günstiger machen (beispielsweise durch Besteuerung nicht-nachhaltiger Produkte)
  • Steuerliche Anreize/ entsprechende Sozialpolitik, um nachhaltigen Konsum zu fördern
  • Eine ökologische Mehrwertsteuerreform ist notwendig
  • Abschaffung aller Subventionen für fossile Energieträger
  • Konkreter Vorschlag: Supermärkte müssen ein Minimum (in Prozent) an fairen, Bio-Produkten zur Auswahl haben
  • "Greenwashing" entgegenwirken

Regulierung und Kennzeichnungspflicht

  • Internationaler Handel unter Beachtung anspruchsvoller ökologischer und sozialer Ziele – Herstellerverantwortung durch den Gesetzgeber herstellen – Bundesregierung als Adressat bestimmter Rahmenbedingungen
  • Regulierung in manchen Bereichen stärken – vielleicht sollte gewisse Dinge einfach verboten werden
  • Sanktionierung von Werbung nicht-nachhaltiger Produkte, bei Tabak funktioniert es ja auch – im Gesundheitsbereich
  • Nachhaltige Beschaffung verbessern – der Staat als Vorbild
  • Es braucht verbindliche Siegel, beispielsweise Textilsiegel – der Staat muss hier regulieren; Siegelklarheit; Label als Vorbildfunktion; mehr Herstellerinformationen sind nötig
  • Label sind wichtig – sollten auch bei der öffentlichen Beschaffung stärker berücksichtigt werden
  • Einführung verbindlicher Label
  • Textsiegel muss verbindlich für alle werden
  • Das Konsumniveau in Frage stellen
  • Handlungsalternativen (bezüglich nachhaltiger Alternativen) müssen gleichwertig sein
  • Politik soll mehr Rahmenbedingungen setzen
  • Pragmatisch und innovativ sein

Weitere Themen

  • Korrelation von Nachhaltigkeit und Lebenszufriedenheit (Gut Leben in Deutschland) aufzeigen
  • Bitte an die Bundesregierung, einen Spot zu nachhaltigem Konsum zu machen
  • Der Staat sollte häufiger proaktiv Kooperationen stimulieren und als Moderator tätig werden (wenn Gesetzgebung noch nicht möglich ist oder Themen strittig sind)
  • Internationale Zusammenarbeit verstärken
  • Politische Rahmenbedingungen in Zusammenarbeit mit NGOs

Hinweise zu den Indikatoren

  • Indikatoren zum nachhaltigen Konsum machen nur Sinn, wenn geklärt ist, was nachhaltiger Konsum überhaupt ist
  • Nachhaltiger Konsum ist das Herzstück der Nachhaltigkeit; entsprechende Betonung und Heraushebung des SDG 12 auch in der Nationalen Nachhaltigkeitsstrategie
  • Kreislaufwirtschaft statt Linearwirtschaft: Bessere Indikatoren, die Fortschritt bei der Umstellung des Wirtschaftssystems abbilden
  • Fokussierung auf Indikatoren auch notwendig, aber nicht allein entscheidend
  • Rationale und/ oder emotionale Nachhaltigkeitsstrategie
  • Indikator für nachhaltigen Konsum hochkomplex; ggf. zunächst lediglich mit Teilaspekten beginnen, wenn nicht anders möglich
  • Einheitlichkeit von Produktion und Konsum sehen (SDG 12); entsprechende Strukturpolitik
  • Fragen der Indikatoren für nachhaltigen Konsum, zunächst beschreiben, was nicht geht