Informationsgesellschaft

Die Informationsgesellschaft bietet eine Vielzahl neuer Entwicklungschancen, bedeutet aber auch eine enorme Herausforderung für die europäische Wirtschaft. Die neuen Technologien schaffen ein hohes Potential für neue Dienstleistungen: Viele neue Arbeitsplätze werden entstehen, herkömmliche werden verschwinden.

Gleichzeitig ermöglicht die Informationsgesellschaft neue Modelle der weltweiten Arbeitsteilung. Europäische Unternehmen lassen Arbeiten in Ländern mit niedrigen Löhnen im Online-Betrieb durchführen.

Auf dem zukunftsträchtigen Informationsmarkt stehen die europäischen Anbieter unter starkem und weltweitem Konkurrenzdruck. Ziel der Politik der Europäischen Union ist es, die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Wirtschaft auf dem Informationsmarkt zu stärken, das Angebot an Dienstleistungen zu verbessern und unionsweit moderne Datenübertragungsnetze bereitzustellen.

Schwerpunkte

Im Juli 1994 legte die Europäische Kommission einen Aktionsplan vor, in dem sie konkrete Maßnahmen vorschlägt, die die Entwicklung der europäischen Informationsgesellschaft beschleunigen sollen. Der Nachfolge-Aktionsplan wurde 1997 verabschiedet.

Grundvoraussetzung für den Einstieg in die Informationsgesellschaft ist ein offener, vom Wettbewerb geprägter Telekommunikationsmarkt. Seit dem 1. Januar 1998 sind die Telekommunikationsnetze für den Wettbewerb geöffnet.

Alle Anbieter haben seitdem einen offenen Zugang zu den Infrastrukturnetzen. Dabei muss allerdings gewährleistet sein, dass allen Bürgern der Union ein "Grunddienst" zu angemessenen Preisen zur Verfügung steht.

Die Europäische Union fördert die Entwicklung des europäischen Informationsraumes mit speziellen Programmen.

IMPACT II

Ziel von IMPACT II ist es, zur Entwicklung eines Binnenmarkts für Informationsdienstleistungen beizutragen. IMPACT II fördert Initiativen zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Anbieter. Außerdem unterstützt IMPACT II die Nutzung hochentwickelter Informationsdienste und die grenzüberschreitende Zusammenarbeit zwischen den europäischen Unternehmen. Die geförderten Projekte sollen schließlich die Anwenderfreundlichkeit von Informationssystemen verbessern.

IDA

Das Programm IDA (Interchange of data between administrations) fördert die gemeinsame Nutzung von Telematiknetzen der Verwaltungen der EU-Staaten. Die Projekte betreffen die Sicherung der Außengrenzen, Handelsstatistiken, Betrugsbekämpfung, Mobilität und indirekte Steuern.

Pilotprojekte

Die EU fördert auch Pilotprojekte, mit denen innovative Anwendungsmöglichkeiten der neuen Informationstechnologien erprobt werden. Sie betreffen:

  • die Entwicklung der Telearbeit,
  • die Vernetzung von Universitäten und Forschungszentren,
  • die Schaffung von Telematikdiensten für kleine und mittlere Unternehmen,
  • den Fernunterricht,
  • die Entwicklung von telematischen Verkehrsleitsystemen,
  • die Schaffung eines transeuropäischen Systems der Flugsicherung,
  • EDVNetze für das Gesundheitswesen,
  • die Anwendung der EDV für unionsweite Ausschreibungen und
  • urbane Datenautobahnen.

Darüber hinaus will die Europäische Union das Entstehen von Breitbandkommunikationsnetzen (ISDN) sowie die Entwicklung der Mobilkommunikation beschleunigen. Von den Arbeitnehmern wird in der Informationsgesellschaft in zunehmendem Maße Flexibilität gefordert. Bildung und Qualifikation werden die Arbeitskräfte ein ganzes Berufsleben lang begleiten. Nur so können sie den ständigen Wandel der Arbeitswelt meistern. Im Rahmen ihrer Strukturpolitik unterstützt die EU die Anpassung der Arbeitnehmer an diesen Wandel.

Schließlich hat die Europäische Kommission ein Büro zur Information über die Informationsgesellschaft (Informationen Society Project Office, ISPO) mit Sitz in Brüssel initiiert. Es soll als Zentrum des Informationsaustausches und als Dokumentationszentrum für Unternehmen, Verwaltungen, Universitäten und Verbände dienen.