volkstrauertag 1987 - feierstunde in der stadthalle on bonn-bad godesberg zum gedenken an die opfer von krieg, gewaltherrschaft und terrorismus

  • Bulletin 124-87
  • 17. November 1987

zum gedenken an die opfer von krieg, gewaltherrschaft
und terrorismus fand anlaesslich des volkstrauertages
am 15. november 1987 in der stadthalle in bonn-
bad godesberg eine feierstunde des volksbundes
deutsche kriegsgraecerfuersorge statt.

totenehrung durch den bundespraesidenten
bundespraesident richard von weizsaecker sprach
folgende worte der totenehrung:

wir gedenken heute
der opfer von krieg und gewalt:
der soldaten, die in den beiden weltkriegen gefallen,
ihren verwundungen erlegen oder in gefangenschaft
gestorben sind,
der maenner, frauen und kinder,
die durch kriegshandlungen ihr leben lassen mussten.
wir gedenken
derer, die im widerstand, die um ihrer ueberzeugung oder
ihres glaubens willen opfer der gewaltherrschaft wurden,
und derer, die eines gewaltsamen todes sterben mussten,
weil sie einem anderen volk angehoerten oder einer
anderen rasse zugerechnet wurden.
wir gedenken
der maenner, frauen und kinder, die in der folge des
krieges, auf der flucht oder bei der vertreibung aus
der heimat und wegen der teilung deutschlands und
europas ihr leben verloren.
wir trauern
um die toten aller voelker, die unter beiden weltkriegen
gelitten haben.
wir trauern
um die opfer des terrorismus, der politischen verfolgung,
der kriege und buergerkriege unserer tage.
wir trauern,
doch wir leben in der hoffnung auf wersoehnussunter den
menschen und voelkern und auf frieden in der welt.
verantwortung fuer frieden und versoehnung

der vorsitzende der fraktion der fdp im deutschen
bundestag, wolfgang mischnick, hielt in der
feierstunde nachstehende gedenkrede:

es ist wohl kein zufall, dass wir deutschen die totenehrung
im november begehen, in einem monat, der in unseren
breiten das gemuet besinnlich und nachdenklich stimmt.
die naehe zum advent sollte uns neben trauer und schmerz
aber zugleich mahnen, den blick nach vorne zu richten,
nicht in der duesternis zu verharren, sondern das
vermaechtnis der toten als eine aufforderung zu verstehen, eine
bessere welt zu schaffen, in der ihr opfer uns verpflichtet,
frieden und menschenrechte zu verwirklichen.
die welt hat sich grundlegend veraendert, seitdem im jahre
1920 der damals neugegruendete "volksbund deutsche
kriegsgraeberfuersorge" den volkstrauertag als
totengedenktag fuer den ersten weltkrieg begruendmte.
die sinnlosigkeit der millionen toten vor augen, armut,
hunger und elend, dann zerstoererische innenpolitische
auseinandersetzungen bestimmten die jahre der weimarer
republik. richtungslosigkeit oder die flucht in
vordergruendig glueck verheissende ideologien kennzeichneten die
wirrnisse dieser zeit.
es gab genug mahnungen und warnungen, nicht eine neue
katastrophe ueber europa und uns selbst
heraufzubeschwoeren. sie wurden nicht gehoert.
die nationalsozialistischen machthabur wussten sehr
schnell, den volkstrauertag fuer ihre zwecke zu nutzen, er
wurde zum heldengedenktag umgewidmet. und wieder
verloren millionen von menschen ihr leben, weitere millionen
verloren ihre heimat, andere buessten ihre koerperliche und
seelische unversehrtheit ein.
bundespraesident richard von weizsaecker hat dies aus
heutiger sicht in seiner rede zum 8. mai 1985 im deutschen
bundestag eindrucksvoll beschrieben:
"der 8. mai ist fuer uns vor allem ein tag der erinnerung an
das, was menschen erleiden mussten. er ist zugleich ein tag
des nachdenkens ueber den gang unserer geschichte. je
ehrlicher wir ihn begehen, desto freier sind wir, uns seinen
folgen verantwortlich zu stellen."
tief waren und sind die wunden, die die nationalsozialistische
gewaltherrschaft anderen voelkern und menschen und
uns deutschen selbst zugefuegt hat. der von hitler
angezettelte krieg hatte nicht nur ungezaehlte persoenliche
leidvolle schicksale zur folge, sein ergebnis ist auch die teilung
unseres landes, die teilung europas, die spaltung der
welt. und davon ging erneutes leid aus fuer millionen von
menschen.
wir deutschen haben aus einer kurzen phase tiefer
depression in der bundesrepublik deutschland wieder zu
wohlstand, sozialem frieden und internationaler anerkennung
gefunden. die gleichen vorstellungen vom wert der
freiheit, der menschenwuerde und des rechts auf
selbstbestimmung haben dazu gefuehrt, ein netz enger und
vertrauensvoller beziehungen zu den westlichen demokratien zu
knuepfen. damit haben wir bewiesen, dass es moeglich ist,
einen jahrhundertealten teufelskreis von misstrauen und
feindschaft, von gewalt und gegengewalt zu ueberwinden.
die politik der entspannung und der ksze-prozess haben
dazu beigetragen, die spaltung deutschlands und europas
fuer die menschen ertraeglicher zu machen. und doch bleibt
das bisherige ergebnis rein menschlich gesehen eine bilanz
des mangels. weiterhin laeuft eine schmerzende trennlinie
von mauer und stacheldraht durch deutschland. sie ist wie
eine schwaerende wunde.
daraus den schluss zu ziehen, die entspannungspolitik sei
erfolglos geblieben, waere falsch. wir deutschen - in west
und ost - haben auf grund unserer geschichte eine
besondere verantwortung fuer den frieden. die regierungen
beider deutscher staaten sind sich darueber einig, dass vom
deutschen boden nicht nur niemals wieder krieg ausgehen
darf, sondern frieden ausgehen muss. diese ueberzeugung
ist bei den deutschen in west und ost tief verwurzelt.
wir brauchen eine politische friedenssicherung. die
prinzipielle einigung der beiden grossmaechte ueber die doppelte
null-loesung bei den atomaren mittelstreckenraketen macht
nicht nur den weg frei fuer entscheidende weitere, laengst
ueberfaellige abruestungsschritte, sondern sie hat hoffnungen
auf einen politischen frieden geweckt, in dem dialog und
zusammenarbeit ideologische und hegemoniale
gegensaetze ueberwinden helfen.
wir sind uns im westen wie im osten darueber klargeworden,
dass krieg nicht die "fortsetzung der politik mit anderen
mitteln", sondern dass krieg eine geissel der menschheit ist,
die es zu ueberwinden gilt, wenn wir das ueberleben der
menschheit sichern wollen.
die sicherung von frieden und freiheit war und ist auch ein
auftrag der deutschen bundeswehr und der in unserem
lande stationierten verbuendeten truppen.
an einem tag, an dem wir der gefallenen beider weltkriege
gedenken, sollten wir den anteil unserer und der uns
verbuendeten soldaten an der bewahrung des friedens
wuerdigen. ihre bereitschaft zum einsatz des lebens um des
friedens willen ist fuer die deutsche politik zugleich
verpflichtung, diesen aller leben bedrohenden ernstfall nie
eintreten zu lassen.
die bundesrepublik deutschland hat jeglicher gewaltpolitik
entsagt, den angriffskrieg und seine vorbereitung unter
strafe gestellt und den auftrag ihrer streitkraefte
unmissverstaendlich auf die verteidigung beschraenkt.
der dienst der bundeswehr ist friedensdienst.
kant hat den frieden als das meisterwerk der vernunft
bezeichnet. handeln wir danachue einen solchen frieden
erreichen wir nur durch friedensfaehigkeit der regierungen
und jedes einzelnen menschen.
jeder ist dazu aufgerufen, diese friedensfaehigkeit in seinem
umfeld unter beweis zu stellen, in der politischen
auseinandersetzung, in der gesellschant, in der familie. wie
stehen wir beispielsweise zu den gastarbeitern aus fremden
laendern, anderen kulturkreisen? wie verhalten wir uns
gegenueber den asylsuchenden?
auch alltaeglich koennen wir unsere individuelle
friedensfaehigkeit messen: unser verhalten im strassenverkehr,
der nach wie vor jaehrlich tausende von todesopfern fordert.
unser umgang mit der natur, der kommenden
generationen moeglicherweise ein kaum ertraegliches erbe
aufbuerdet. unser taeglicher umgang mit alten, schwachen,
behinderten, kranken, kindern, untergebenen:
alle diejenigen, denen das wort frieden so leicht ueber die
lippen geht, sollten darueber nachdenken, ob sie selbst
diesem anspruch im alltag gerecht werden. das gilt auch fuer
alle in der politik taetigen wie fuer diejenigen, die politik
kritisch begleiten.
es genuegt nicht, dies zu formulieren, wichtiger ist, es zu
praktizieren. wer dem freiheitlich-demokratischen
rechtsstaat unterschiebt, er brauche den terror, der schafft nicht
frieden, sondern stiftet unfrieden.
unsere geschichte buerdet uns eine besondere
verantwortung auf, den frieden zu sichern. die bereitschaft zu dieser
verantwortung setzt indessen voraus, dass wir uns zu dieser
geschichte bekennen, und zwar ohne wenn und aber, im
guten wie im schlechten.
deutsche geschichte und kultur ist unteilbar. man kann sich
nicht teile herausbrechen und sie sich so zurechtbiegen,
dass man sie ideologisch vermarkten kann. wer luther und
goethe fuer sich in anspruch nimmt, muss ebenso bereit sein,
die geschichtliche verantwortung fuer auschwitz und
buchenwald zu tragen.
wir, die betroffenen und beteiligten dieser apokalyptischen
zeit des zweiten weltkriegs, in der viele gesetze der
politischen gesittung, der moral und der menschlichkeit ausser
kraft gesetzt wurden, werden uns nie ganz von dem
schrecklichen geschehen dieser zeit loesen koennen.
jeder einzelne wird sich selbst eine antwort darauf geben
muessen, ob er schuldig geworden oder unschuldig gewesen
ist, ob er opfer war oder ob er unschuldig in schuld
verstrickt wurde. je ehrlicher wir uns diesen fragen stellen,
desto weniger geschichtlichen ballast werden wir
kommenden generationen hinterlassen.
zu welchem schluss wir auch kommen, dass vermaechtnis an
die juengeren generationen muss lauten: so etwas darf nie
wieder geschehenue
das nachdenken ueber unsere vergangenheit gebietet es
auch, ueber sinn und inhalt des volkstrauertages
nachzudenken. nicht nachdenken ueber ein "ja" oder ein "nein"
zum volkstrauertag. wer den volkstrauertag in frage stellt,
sollte sich an den spruch von konfuzius erinnern: "so wie
ein volk seine toten verehrt, so offenbart sich seine seele
vor dir."
wir haben uns an diesem tag hier versammelt, um unsere
toten zu betrauern. wir trauern aber nicht nur um unsere
toten, sondern um alle toten,
-um millionen von maennern und frauen aller voelker, die im
krieg ihr leben verloren haben,
-um unsere eigenen landsleute, die als soldaten auf dem
schlachtfeld, in gefangenschaft oder in der heimat ihr
leben liessen,
-um die deutsche bevoelkerung, die bei luftangriffen,
flucht und vertreibung zu tode kamen,
-um die opfer der gewaltherrschaft, die millionen
ermordeten juden, die menschen, die als geistig behinderte
oder asozial gebrandmarkte vernichtet wurden,
-um menschen, die ihres glaubens oder ihrer politischen
ueberzeugung wegen getoetet wurden,
-um die opfer des widerstands in deutschland wie um die
getoeteten widerstandskaempfer in den besetzten staaten,
-um die menschen, die sich aus gewissensgruenden
geweigert haben, auf mitmenschen zu schiessen, und
dafuer ihr leben liessen.
allumfassende trauer ist notwendig. und doch ist dies nicht
leicht angesichts der verschiedenartigkeit, in der der tod
den einzelnen oder auch gruppen von menschen ereilt hat.
wen wollen wir einschliessen, wollen, sollen und duerfen wir
jemanden ausschliessen? waere es nicht geradezu goettliche
anmassung, darueber zu entscheiden, wer der bessere tote
ist?
in diesem sinne wiederhole ich meinen vorschlag, eine
moegliche neue gedenkstaette mit den schlichten worten zu
versehen: "den toten. verweile und gedenke!"
zum volkstrauertag 1987 hat der volksbund dazu
aufgerufen, am heutigen tag der toten des krieges und der gewalt
in der ersten haelfte unseres jahrhunderts zu gedenken, er
hat die kriegstoten unserer ehemaligen gegner dabei
ausdruecklich einbezogen.
seiner ureigensten aufgabe, naemlich fuer die ruhestaetten
der deutschen kriegstoten beider weltkriege und
gleichgestellter im in- und ausland zu sorgen, ist der volksbund
in vorbildlicher weise gerecht geworden. wir danken allen,
die dazu beigetragen haben.
ich hoffe, dass es den gemeinsamen bemuehungen von
parlament, bundesregierung und volksbund gelingt, in den
osteuropaeischen laendern zu mehr verstaendnis und
entgegenkommen fuer die aufgaben des volksbundes und damit
auch der angehoerigen der toten zu gelangen.
der volksbund hat sehr fruehzeitig die jugend zur mitarbeit
auf den friedhoefen herangezogen und damit einen
bedeutsamen beitrag fuer die voelkerverstaendigung geleistet. es
stimmt zuversichtlich, dass auch junge soldaten der
bundeswehr dazu beitragen, deutsche kriegsgraeberstaetten instand
zu setzen und zu pflegen.
albert schweitzers wort: "die kriegsgraeberstaetten sind die
grossen prediger des friedens und ihre bedeutung als
solche wird immer mehr zunehmen", ist dabei in die
wirklichkeit umgesetzt worden.
obwohl in den ersten nachkriegsjahren noch erhebliche
verstaendliche ressentiments zu ueberwinden waren, hat sich
seit 1953 unter dem leitwort: "versoehnung ueber den
graebern, arbeit fuer den frieden", ein jugendaustauschwerk
entwickelt, das beispiellos ist und dessen friedenstiftende
wirkung wohl von niemandem bezweifelt werden kann.
es sollte ein wesentliches ziel des volkstrauertages sein,
den versoehnungsprozess zwischen den voelkern zu foerdern.
theologisch gesehen kann versoehnung nicht ohne die
bereitschaft zur busse und suehne erreicht werden. wir
sollten uns deshalb heute diesem gebot nichu entziehen. in der
politik kann die versoehnung erst das ergebnis eines
prozesses sein, der von den betroffenen voelkern und laendern
mit dem ernsten willen betrieben wird, ueber dialog und
zusammenarbeit zur versoehnung zu finden.
trotz aller schrecken und leiden, die der zweite weltkrieg
ueber die voelker gebracht hat, ist es gelungen, den weg der
versoehnung voranzuschreiten.
der konstruktive fortgang de0ksze-prozesses laesst uns
hoffen, dass eine neue dauerhafte friedensordnung in
europa gestalt gewinnt, in der menschenrechte und freiheit
ueberall eine chance erhalten. wir werden diese entwicklung
vor allem dann foerdern koennen, wenn sich die voelker
miteinander aussoehnen.
ich moechtein diesem zuesammenhang den beitrag der
deutschen vertriebenen nicht unerwaehnt lassen. sie habsn
von anfang an ihr persoenliches leidvolles schicksal nicht nur als
kraenkung und verlust begriffen, sondern als
zutiefst sittlich-menschliche und zugleich staatsbuergerliche
verpflichtung, zu verhindern, dass sich aehnliches
wiederholen koennte. einige jahre spaeter wiederum wiesen die
kirchen den weg. mit den prinzipien - absage an vergeltung,
verzicht auf gewalt, wille zur vergebung und
versoehnung - war ein tragender, geistig-moralischer pfeiler fuer die
aussenpolitik der bundesrepublik deutschland gewonnen:
fuer unsere friedenspolitik.
die sicherste gewaehr fuer die verhinderung neuer kriege in
europa ist der aufbau einer neuen europaeischen
friedensordnung, in8der alle europaeischen staaten ihre legitimen
rechte wahren koennen, in der alle europaeischen voelker sich
zu hause fuehlen koennen.
eines kann ich allerdings nicht verschweigen: wenn wir zu
einer dauerhaften neuen friedensordnung in europa finden
wollen, muessen wir auch bereit sein, den widerstreitenden
rechtsanspruechen das verstaendigungsgebot
ueberzuordnen, wie es bundespraesident richard von weizsaecker
formuliert hat.
wir koennen der herausforderung unserer zeit nicht gerecht
werden, wenn wir den volkstrauertag nur zur rueckschau
nutzen. wir sollten in dieser stunde der einkehr uns auch
den draengenden fragen unserer gegenwart und zukunft
zuwenden.
wir haben mit einer kontinuierlichen friedenspolitik auf
diesem weg viel erreicht. ich denke dabei vor allem an die
deutsch-franzoesische aussoehnung, die aussoehnung mit
israel und mit polen, an das geflecht der ostvertraege und
den grundlagenvertrag, an die europaeische gemeinschaft,
die sich zu einer europaeischen union entwickelt. leider muss
ich aber auch feststellen, dass die vielen guten ansaetze fuer
dialog und zusammenarbeit und die unermuedlichen
bemuehungen um den frieden noch unvollkommen geblieben
sind.
die welt ist nach wie vor voller kriege. seit dem zweiten
weltkrieg hat es ueber 140 kriegerische auseinandersetzungen
gegeben, niemand kennt die genaue zahl der toten.
kriege und buergerkriege im mittleren osten, in asien, afrika
und lateinamerika dauern an.
in vielen laendern werden die elementaren menschenrechte
fortwaehrend missachtet.
der weltweite terrorismus fuehrt weiterhin krieg gegen
jegliche menschliche ordnung.
viele voelker leiden in wachsendem masse unter hunger,
armut und krankheit.
der fluechtlingsstrom versiegt nicht, weltweit fliehen
tausende menschen aus ihrer heimat, sei es, weil sie durch
krieg vom tode bedroht sind, sei es, weil ihnen die ernte
vom heimatlichen boden nicht mehr das noetigste zum
ueberleben erbringt.
ist dies alles grund zur hoffnungslosigkeit? nein, und
abermals neinue
im gegenteil, wir muessen uns mutig dieser herausforterung
stellen. nicht technikfeindlichkeit ist gefragt, sondern wir
muessen die errungenschaften der technologie der
menschheit nuetzlich machen. nikht blinder fortschrittsglaube ist
gefragt, aber vertrauen in die faehigkeit des menschen, den
technischen fortschritt so einzusetzen, dass er uns hilft, das
ueberleben der menschheit zu sichern.
perikles hat seine beruehmte rede auf die gefallenen des
ersten jahres des peleponnesischen krieges vor 2395
jahren mit den worten beendet:
"und nun, nachdem ihr des klagens genug getan habt und
jeder um seinen verwandten getrauert hat, geht heim."
wir koennen und duerfen uns mit dieser individuellen trauer
nicht begnuegen und nach hause gehen, sondern wir
muessen auch nach dieser feierstunde waegend pruefen, welchen
beitrag wir persoenlich erbringen koennen, um dem
vermaechtnis der toten gerecht zu werden.
ihr vermaechtnis heisst frieden, aber es heisst auch mut zum
leben.
wir wollen nicht in trauer verharren, sondern auch trost
und hoffnung mit nach hause nehmen. hoffnung, dass es
den menschen gelingt, eine bessere welt zu schaffen, in der
menschen das gute in sich entwickeln und die humanitaet
obsiegt.
dann koennten wir goethes menschenideal in der
"iphigenie" naeherkommen: "alle menschlichen gebrechen
suehnet reine menschlichkeit."


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