Rede von Bundespräsident Dr. Frank-Walter Steinmeier

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Ich sende Ihnen allen einen herzlichen Gruß hier aus der Berliner Philharmonie.

Eine seltsame Atmosphäre – hier, in diesem wunderbaren Bau, den die ganze Welt kennt und den alle Musikfreunde lieben; hier, wo sonst viele Gäste von überallher zusammenkommen, hier ist es mucksmäuschenstill. Kein Hörer, keine Hörerin ist hier, um mitzuerleben, was ein kleines Ensemble der Berliner Philharmoniker heute spielen wird.

Vielleicht wird es den einen oder anderen Puristen geben, der dieses von keinem Räuspern und keinem Husten gestörte Musizieren besonders genießt – aber wenn wir ehrlich sind: Wir alle möchten doch einmal wieder in einem großen Publikum sitzen.

Was wir heute am Bildschirm miterleben können, ist das Europakonzert der Berliner Philharmoniker. Eigentlich sollte es in Tel Aviv stattfinden, während meines Staatsbesuchs in Israel rund um den Jahrestag der Unabhängigkeit des Landes, Jom ha-Atzma’ut. Wie so vieles andere mussten auch dieser Besuch und das Konzert der Corona-Pandemie zum Opfer fallen. Das tut mir leid und den vielen Menschen in Israel, die sich auf das Konzert gefreut haben, ganz sicher auch.

Aber wo auch immer dieses Konzert stattfindet, es wird Ihnen zeigen: Europa ist eine Schatzkammer großer Musik. Sie ist Teil unserer europäischen Kultur und deshalb unser gemeinsamer Schatz!

Wir sprechen hier zwar so viele verschiedene Sprachen, und wir haben so unterschiedliche Lebensweisen. Aber nur gemeinsam können wir heute und in Zukunft die Schwierigkeiten meistern, die uns alle betreffen. Das gilt gerade in diesen für uns alle so schweren Zeiten.

Europa ist unser gemeinsames Zuhause, und besser als in der Musik, dieser unverwechselbaren gemeinsamen europäischen Sprache, kann das kaum zum Ausdruck gebracht werden. Diese Gabe ist aber gerade heute auch eine Aufgabe.

Wir müssen einander helfen – und wir werden einander helfen.

Die Musiker, die heute unter der Leitung von Kirill Petrenko für uns spielen werden, stehen nicht nur für sich selber. Wenn ich ihnen dafür danke, dass sie dieses so besondere Konzert für uns geben, dann denke ich auch an die vielen freischaffenden Künstlerinnen und Künstler, ja das gesamte Kulturleben, das von der Krise noch einmal besonders bedroht ist. Viele Existenzen sind bedroht, sie sind auf Unterstützung angewiesen, und ich hoffe sehr, dass die Hilfe, die gegeben wird, auch dort ankommt, wo sie gebraucht wird.

Kunst und Kultur, die wir gemeinsam erleben können, sind keine verzichtbaren Nebensachen. Das erfahren wir gerade in diesen Tagen wieder neu. Stärker als vielleicht sonst schätzen wir das, was wir vermissen: Kunst und Kultur sind, in einem sehr buchstäblichen Sinn, Lebensmittel.

Ich freue mich auf ein sicher sehr besonderes Konzert – und ich freue mich auf eine Zeit, wenn wir wieder gemeinsam Musik im Konzertsaal erleben können.

Alles Gute – und geben Sie acht aufeinander.