offizieller besuch des bundeskanzlers in kamerun, mosambik und kenia vom 15. bis 21. november 1987

  • Bulletin 132-87
  • 24. November 1987

bundeskanzler dr. helmut kohl stattete vom 15. bis
17. november 1987 der republik kamerun, am
18. november 1987 der volksrepublik mosambik und
vom 19. bis 21. november 1987 der republik kenia einen
offiziellen besuch ab.

besuch in der volksrepublik mosambik

empfang in maputo

bundeskanzler dr. helmut kohl hielt bei einem
mittagessen, gegeben vom praesidenten der volksrepublik
mosambik, generalmajor joaquim alberto chissano, in
maputo am 18. november 1987 folgende ansprache:

herr praesident, exzellenzen,
meine sehr verehrten damen und herren!

herr praesident, ich bedanke mich sehr fuer die freundlichen
worte der begruessung und fuer die gastliche aufnahme, die
meine begleitung und ich in der volksrepublik mosambik
gefunden haben.
ihrer einladung, herr praesident, zu einem besuch
mosambiks im rahmen meiner ersten offiziellen reise in das afrika
suedlich der sahara bin ich mit ganz besonderem interesse
gefolgt.
mein besuch bei ihnen gilt einem lande, das seinen weg
als unabhaengiger staat nach fast 500jaehriger
kolonialgeschichte unter ganz besonders schwierigen bedingungen
antreten musste und dem sich auf diesem wege bis zum
heutigen tag viele hindernisse entgegenstellen.
die schwierige und rasche umgestaltung ihrer
wirtschaftsordnung sowie das fehlen einer ausreichenden personellen
und materiellen infrastruktur hat von anfang an die
entwicklungsmoeglichkeiten mosambiks erschwert. so konnte auch
die von ihnen angestrebte verbesserung des wohlstands
ihrer bevoelkerung noch nicht erreicht werden.
der aufbau ihres jungen staates wurde zusaetzlich durch
eine reihe unguenstiger aussenpolitischer
rahmenbedingungen belastet.
wirtschaftlich und verkehrsgeographisch hat sich ihr land
mit seinen aus der kolonialzeit ererbten strukturen bis jetzt
noch nicht aus den traditionellen abhaengigkeiten vom
uebermaechtigen nachbarland loesen koennen. seit jahren ist die
existenzgrundlage der buerger mosambiks von
fortgesetztem terror bedroht, den wir entschieden verurteilen.
mein besuch in mosambik, herr praesident, gilt nicht zuletzt
auch einem schluesselland des suedlichen afrika. uns ist
sehr bewusst, dass gerade die staaten des suedlichen afrika
groesste schwierigkeiten haben, ihre wirtschaftliche und ihre
politische stabilitaet zu sichern.
wir wissen, die staaten des suedlichen afrika brauchen
frieden. sie beduerfen unserer unterstuetzung, um ihre
aufgaben fuer die zukunft aus eigener verantwortung zu
loesen.
wir werden daher auch kuenftig dafuer eintreten, dass in
suedafrika apartheid und rassendiskriminierung mit friedlichen
mitteln ueberwunden und die menschenrechte allen buergern
in gleicher weise gewaehrt werden.
suedafrika bedarf einer politischen und gesellschaftlichen
ordnung, die es auch der schwarzen und farbigen
bevoelkerungsmehrheit ermoeglicht, die politischen geschicke des
landes mitzubestimmen.
ich appelliere daher auch von hier aus erneut an alle an dem
internen konflikt suedafrikas beteiligten, den friedlichen - und
ich unterstreiche das: den friedlichen - weg des dialogs
zu gehen. meine regierung ist bereit, diesen dialog nach
kraeften zu foerdern. nur so koennen die ursachen von

repression, gewalt und gegengewalt, die die lage im
suedlichen afrika bestimmen, ueberwunden werden.
herr praesident, ich bin heute zu ihnen nach maputo
gekommen, um ihre probleme aus der naehe kennenzulernen. ich
will mit ihnen darueber sprechen, wie wir im rahmen unserer
moeglichkeiten zur loesung beitragen koennen.
mein besuch bei ihnen ist als ein zeichen unserer solidaritaet
mit ihrem lande, mit ihrer bevoelkerung gedacht, einer
solidaritaet, die sie bei ihren bemuehungen um wirtschaftliche
und politische stabilisierung unterstuetzen will.
unsere - mit unseren europaeischen partnern und freunden
abgestimmte - afrikapolitik ist auf ein enges und
partnerschaftliches verhaeltnis, auf zusammenarbeit auf der basis
der gleichberechtigung gerichtet.
der wirtschaftliche und kulturelle austausch mit den staaten
afrikas ist dabei ein aspekt. daneben wollen wir durch
unsere entwicklungspolitische kooperation zur sicherung
der wirtschaftlichen basis unserer partnerlaender beitragen.
ebenso - und ich konnte das auch hier bei diesem besuch
tun - gewaehren wir in akuten notsituationen humanitaere
unterstuetzung.
an den weltweiten anstrengungen, der wirtschaftlichen
krise afrikas zu begegnen, wirken wir aktiv mit. wir
beteiligen uns deshalb auch engagiert an den multilateralen
bemuehungen, globale verbesserungen herbeizufuehren. ich
verweise auf die frage der ueberwindung der schuldenkrise.
die wirtschaftliche zusammenarbeit mit afrika findet ihre
ergaenzung in einem konsultativen politischen dialog mit
unseren afrikanischen partnern, an dessen ausweitung wir
sehr interessiert sind.
wir unterstuetzen unsere afrikanischen partner in ihrem
wunsch nach wahrung ihrer nationalen interessen, nach
freier gestaltung ihrer aussenbeziehungen und nach echter
blockfreiheit. wir ermutigen sie auch nachdruecklich dazu,
jeder einmischung von aussen zu widerstehen.
wir wollen so zur sicherung der wirtschaftlichen und der
politischen stabilitaet und unabhaengigkeit unseres
nachbarkontinents beitragen, dessen schicksal uns - auch aus der
sicht unserer weltweiten nationalen interessen - nicht
gleichgueltig sein kann.
herr praesident, die bilateralen beziehungen zwischen
unseren beiden laendern hatten einen schwierigen beginn - wir
sprachen heute darueber - und standen auch nicht immer
unter einem guten stern.
unsere westlichen partner und wir hatten lange zeit anlass,
die einseitige ideologische ausrichtung zu bedauern, die
zunaechst die politik ihres landes praegte und den
brueckenschlag in eine andere richtung verhinderte.
um so mehr haben wir die positiven signale zur
zusammenarbeit begruesst, die mit dem beitritt mosambiks zu der
akplaendergruppe zu erkennen waren. unsere westlichen
partner und wir haben mit genugtuung vermerkt, dass sich ihr
land zunaechst unter praesident machel und jetzt vor allem
unter ihrer fuehrung zu einer politik der ausgewogenheit, der
oeffnung und der zusammenarbeit auch mit dem westen
entschlossen hat. sie selbst, herr praesident, haben fuer ihren
besuch in bonn im jahre 1982 als damaliger aussenminister
die wege fuer eine engere zusammenarbeit mit der
bundesrepublik deutschland geebnet.
wir verfolgen heute mit respekt ihre politik, die sich um
eine friedliche konfliktloesung in der region bemueht. dies
entspricht unseren vorstellungen. sie tragen wichtige
gemeinsame positionen aller staaten des suedlichen afrika

solidarisch mit, treten zugleich aber in einer pragmatischen
weise jeder friedenszerstoerenden eskalation entgegen.
mosambik ist aktiv an der regionalen zusammenarbeit der
staaten des suedlichen afrika zur sicherung ihrer wirtschaft-
lichen unabhaengigkeit beteiligt.
herr praesident, ihr land, ist fuer uns ein wichtiger partner
im suedlichen afrika, an dessen stabilisierung und guter
zukunft wir interessiert sind. wir wuenschen ihnen fuer diese
pragmatische politik erfolg.
wir werden sie mit ihren schwierigen problemen nicht allein
lassen. wir sind vielmehr bereit, zur ueberwindung der not
der bevoelkerung und zum wiederaufbau ihres landes einen
aktiven beitrag zu leisten.
herr praesident, meine damen und herren, ich bedanke
mich noch einmal fuer die gastfreundschaft und die intensiven
und sehr ernsthaften gespraeche, die wir heute bei dem
nur sehr kurzen aufenthalt, der moeglich war, gefuehrt haben.
meine damen und herren, ich darf sie jetzt bitten, mit mir
zusammen das glas zu erheben und zu trinken auf die
gesundheit des staatspraesidenten der volksrepublik
mosambik, seiner exzellenz joaquim alberto chissano, auf
eine gute zusammenarbeit unserer regierungen, auf eine
friedliche entwicklung dieser region, auf die vertiefung der
freundschaftlichen beziehungen zwischen unseren voelkern.


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