Offizieller Besuch des Bundeskanzlers in Ägypten, Jordanien und Israel vom 2. bis 8. Juni 1995 - Besuch im Staat Israel - Besuch in Jericho

  • Bulletin 50-95
  • 20. Juni 1995

Bundeskanzler Dr. Helmut Kohl stattete vom 2. bis 4. Juni 1995
der Arabischen Republik Ägypten, am 4. und 5. Juni 1995 dem
Haschemitischen Königreich Jordanien und vom 5. bis 8. Juni
1995 dem Staat Israel einen offiziellen Besuch ab.

Besuch im Staat Israel

Besuch in Jericho

Bundeskanzler Dr. Helmut Kohl führte
anläßlich seines Besuchs in Jericho im Anschluß an ein
Gespräch mit dem Vorsitzenden der Palästinensischen
Autonomieverwaltung, Yassir Arafat, am 7. Juni 1995 vor der
Presse unter anderem folgendes aus:

Herr Vorsitzender,

ich danke Ihnen für Ihr freundliches Wort
des Willkommens. Dies ist für mich ein sehr wichtiger Besuch.
Ich möchte damit meine Unterstützung und meine Sympathie
für den Friedensprozeß klar zum Ausdruck bringen. Das gilt in
ganz besonders hohem Maße für den Besuch hier bei Ihnen,
Herr Vorsitzender. Ich möchte Sie vor allem ermutigen, auf
diesem schwierigen Weg voranzugehen. Sicher, es ist ein Weg,
auf dem Sie, wie auch Ihre Gesprächspartner, viele
Anfeindungen erfahren. Demagogen sind auch hier dabei, ihr
Werk zu tun. Aber Demagogen haben in der Geschichte immer
nur Leid und Elend und nie Frieden gebracht. Es ist wichtig,
daß der Frieden jetzt vorankommt und daß die Menschen in
dieser Region und nicht zuletzt bei Ihnen erkennen, daß dieser
Friede für ihr persönliches Glück entscheidend ist. In einer
Region mit über 50 Prozent Arbeitslosigkeit geht es jetzt aber
vor allem um Arbeit und Brot, um die Zukunft für die jetzige
und die kommende Generation zu sichern. Es ist daher
besonders wichtig, den Weg, der durch die unter großen
Mühen getroffenen Abmachungen vorgezeichnet ist, unbeirrt
weiterzugehen. Hierbei kommt es auch darauf an, daß die
angekündigten Wahlen bald stattfinden. Dies wäre ein
wichtiges Signal für einen Weg der Normalisierung. Ich werde
nach meiner Rückkehr den Staats- und Regierungschefs der
Europäischen Union über diese Reise berichten. In
Vorbereitung auf den EU-Gipfel Ende Juni in Cannes werde ich
zudem in einem schriftlichen Bericht noch einmal niederlegen,
was ich an konkreten Maßnahmen im Autonomiegebiet jetzt für
notwendig halte. Als einen weiteren Schritt unserer
Hilfsmaßnahmen haben wir im übrigen heute eine einmalige
zusätzliche Aufbauhilfe in Höhe von 10 Millionen DM für den
Aufbau von Verwaltungsstrukturen vereinbart. Es gibt aber
bereits eine Reihe weiterer Vorschläge. Wir haben darüber
intensiv gesprochen. Ich denke an die Einrichtung von
Industrieparks und Unternehmungen, die Arbeitsplätze
schaffen. Das Problem der Wasserversorgung und
-entsorgung muß gelöst werden. Die Frage des Baus eines
Flughafens ist angesprochen worden. Diese wenigen Beispiele
sollen genügen. Man muß jetzt Bewegung und Dynamik in
diese Entwicklung bringen. Ich habe vor allem den Wunsch,
daß diese von Gewalt und Elend heimgesuchte Region auf
Dauer zum Frieden findet. Das habe ich in diesen Tagen auch
in Kairo zu Hosny Moubarak gesagt, in Amman zu König
Hussein und in meinen Gesprächen mit Yitzhak Rabin und
Shimon Peres in Jerusalem. Ich hoffe sehr, Herr Vorsitzender,
daß unsere Begegnung den Menschen dieser Region ein Stück
Optimismus und Hoffnung gibt. Dann hat sich die Reise mehr
als gelohnt.

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