besuch des bundeskanzlers im koenigreich nepal

  • Bulletin 76-87
  • 25. Juli 1987

bundeskanzler dr. helmut kohl hielt bei einem mittagessen,
gegeben vom ministerpraesidenten des koenigreichs nepal,
marich man singh shrestha, in kathmandu am 20. juli 1987
folgende ansprache:

herr ministerpraesident,
exzellenzen,
meine damen und herren!

lassen sie mich zunaechst fuer die freundliche begruessung und
wuerdigung der beziehungen zwischen unseren beiden laendern danken.
meine frau und ich sowie meine ganze delegation sind beeindruckt
von der herzlichen und grosszuegigen gastfreundschaft, die uns hier
seit unserer ankunft entgegengebracht wird. ich nehme sie als
zeichen der verbundenheit zwischen unseren beiden laendern.
das koenigreich nepal geniesst in der bundesrepublik deutschland
seit jeher hohe wertschaetzung. zahlreiche meiner landsleute
kommen in jedem jahr in ihr land. sie fuehlen sich angezogen von der
gastfreundlichkeit seiner bewohner, dem reichtum seiner kultur
und der schoenheit seiner landschaft.
die deutsche wissenschaft befasst sich seit mehr als 100 jahren
intensiv mit nepal. in neuerer zeit arbeiten im
schwerpunktprogramm nepalforschung deutsche wissenschaftler und ihre
nepalesischen kollegen in zahlreichen vorhaben eng zusammen. dabei
ist das auf toleranz und ausgleich beruhende zusammenleben
verschiedener voelker und der beiden grossen asiatischen religionen
in ihrem land als ein nachahmenswertes beispiel empfunden
worden.
den traditionell guten beziehungen zwischen unseren beiden
laendern entspricht auf wirtschaftlichem gebiet ein reger
handelsaustausch. die bilanz zeigt zu unserer beiderseitigen
zufriedenheit ein positiv-saldo fuer nepal.
in gemeinsamer anstrengung sollte das volumen weiter erhoeht und
die angebotsstruktur verbreitert werden. der im oktober
vergangenen jahres geschlossene investitionsfoerderungsvertrag
wird unsere wirtschaftlichen beziehungen weiter intensivieren.
die welt von morgen wird nur dann in frieden, freiheit und
stabilitaet leben koennen, wenn es gelingt, hunger und not zu
verringern und das internationale wohlstandsgefaelle abzubauen.
wollen daher einen gerechten und friedlichen interessenausgleich
zwischen "nord" und "sued". hierzu gehoeren auch faire und
verlaessliche handelsbeziehungen. sie sind unverzichtbar.
nur so kann den entwicklungslaendern der ihnen zukommende anteil am
internationalen austausch von waren und dienstleistungen zuwachsen.
den verschuldungsproblemen vieler laender der dritten welt gilt in
diesem zusammenhang unsere besondere aufmerksamkeit. sie
behindern wachstum und handel und gefaehrden das internationale
wirtschafts- und finanzsystem. wir haben diese thematik daher
mit unseren wichtigsten wirtschaftspartnern vor wenigen wochen
auf dem weltwirtschaftsgipfel in venedig ausfuehrlich eroertert. wir
haben dabei auch die wichtigen aufgaben der internationalen
finanzierungsorganisationen unterstrichen.
ihre regierung kann bereits jetzt sichtbare erfolge in dem bemuehen
verzeichnen, die wirtschaftlichen schwierigkeiten der vergangenen
jahre zu ueberwinden.
die entwicklungspolitische zusammenarbeit zwischen der
bundesrepublik deutschland und nepal hat in den letzten 20 jahren
kontinuierlich an bedeutung zugenommen. die prioritaeten fuer die
zusammenarbeit haben wir gemeinsam mit ihrer regierung
festgelegt.
die gefoerderten projekte konzentrieren sich darauf, die
lebensgrundlagen der bevoelkerung zu verbessern, vor allem im bereich
der landwirtschaft und infrastruktur. das saatgutprojekt, das
erfolgreiche bemuehen zur stadtsanierung in bhaktapur und die
zusammenarbeit

beim bau des wasserkraftwerks marsyangdi sind ihnen
allen bekannte beispiele. wir haben den festen willen, die bisher
erfolgte zusammenarbeit fortzusetzen.
unsere beiden regierungen verbinden nicht nur gemeinsame
interessen im wirtschaftlichen und entwicklungspolitischen bereich.
die politischen gespraeche, die ich heute mit seiner majestaet dem
koenig, mit aussenminister upadhyaya und ihnen, herr minister-
praesident selbst fuehren konnte, gaben gelegenheit zur fortsetzung
unseres gedankenaustausches. er hat seit dem staatsbesuch ihrer
majestaeten in der bundesrepublik deutschland im oktober 1986
neue impulse erhalten.
viele regionen unserer welt sind von interessengegensaetzen und
spannungen gekennzeichnet. immer wieder gibt es jedoch
bemuehungen zum abbau von spannungen und zur sicherung des
friedens. zur unterstuetzung solcher bemuehungen ist jeder politisch
verantwortlich handelnde aufgerufen.
die bundesregierung hat deshalb im dezember 1984 den
nepalesischen vorschlag begruesst, nepal zu einer friedenszone zu
erklaeren. fuer diese bemuehungen der nepalesischen regierung
zur sicherung von frieden und stabilitaet fuer das land haben wir
unterstuetzung zugesichert. die von nepal verfolgte politik der guten
nachbarschaft mit allen anrainern findet unsere volle sympathie und
anerkennung.
die west-ost-beziehungen zeichnen sich gegenwaertig durch neue
dynamik aus. wir erleben eine phase intensiver gespraeche und
verhandlungen, sowohl zwischen den beiden weltmaechten, als
auch den mittleren und kleineren staaten beider buendnisse.
die bundesrepublik deutschland traegt diese politik aktiv und
initiativ
mit: der soeben abgeschlossene staatsbesuch unseres
bundespraesidenten in der sowjetunion beweist es.
grundlage dieser politik ist das angebot des westens, auf der
grundlage gesicherter verteidigungsfaehigkeit intensiven dialog zu
fuehren und auf allen gebieten gemeinsamen interesses eng
zusammenzuarbeiten.
in diesem geist hat das westliche buendnis ein klares und
umfassendes gesamtkonzept fuer abruestung und ruestungskontrolle
vorgelegt. wir wollen frieden schaffen mit weniger waffen. noch in
diesem jahr zeichnet sich die einigung ueber den einschneidenden
abbau amerikanischer und sowjetischer nuklearwaffen mittlerer
reichweite ab. durch eine solche einigung wuerde auch asien mehr
sicherheit gewinnen.
lassen sie mich mit aller deutlichkeit unterstreichen: die aus
unserer sicht beste loesung ist und bleibt die vollstaendige und
weltweite beseitigung aller amerikanischen und sowjetischen
mittelstreckenflugkoerper groesserer reichweite. wir wuerden es
deshalb begruessen, wenn sich auch die sowjetunion die globale
nullloesung zu eigen machte: dies haette historische dimension: denn
erstmals wuerde eine ganze waffenkategorie abgeschafft.
bei aller bedeutung von abruestung und ruestungskontrolle wissen
wir: massnahmen in diesem bereich reichen allein nicht aus, um eine
stabile ordnung des friedens und der sicherheit zu erreichen.
entscheidend ist, dass man sich gegenseitig mehr vertraut.
vertrauen waechst durch enge zusammenarbeit auf allen gebieten.
mit besonderer aufmerksamkeit verfolgen wir die entwicklung der
suedasiatischen vereinigung fuer regionale kooperation (saarc -
south asian association for regional cooperation), deren
sekretariat seit januar hier in kathmandu seine arbeit aufgenommen
hat. wir sehen den ergebnissen der dritten gipfelkonferenz hier im
november des jahres und der nepalesischen praesidentschaft in der
organisation mit grossem interesse entgegen.
meine regierung unterstuetzt nachdruecklich die idee regionaler
zusammenarbeit als stabilisierendes element der weltpolitik. wir
sind zu konkreter zusammenarbeit bereit, so etwa durch foerderung
von kontakten zwischen der europaeischen gemeinschaft und
anderen regionalorganisationen. ich sehe hierin auch eine
moeglichkeit zur verbesserung des nord-sued-dialogs. er kann durch
eine intensivere regionale kooperation innerhalb der dritten welt
auf eine stabilere grundlage gestellt werden.
ich fuehle mich in dieser aussage vor allem ermutigt durch die
positiven erfahrungen mit der regionalen zusammenarbeit im
rahmen der europaeischen gemeinschaft. trotz aller probleme in
einzelbereichen waere die positive entwicklung der letzten jahre und
jahrzehnte ohne den prozess der europaeischen einigung nicht
denkbar. wir werden den weg der europaeischen integration
konsequent weitergehen.
besonderes interesse findet bei uns die verantwortungsbewusste
rolle, die das koenigreich nepal innerhalb der bewegung der
blockfreien uebernimmt. wir wuerdigen, dass nepal die prinzipien echter
blockfreiheit vertritt und zur durchsetzung dieser prinzipien in
hervorragender weise beigetragen hat.
mit respekt sehen wir auch das engagement nepals in den vereinten
nationen. hier zeigt vor allem das nepalesische kontingent bei
der vn-friedenstruppe im libanon, dass ihr land bereit ist, fuer die
erhaltung des friedens auf der welt auch opfer zu bringen. diese
bereitschaft zum engagement wird von uns als beispieaft
gewuerdigt.
herr ministerpraesident, die bundesrepublik deutschland und das
koenigreich nepal haben keine probleme miteinander. trotz der
grossen entfernung, die uns auf der landkarte trennt, sind beide
laender sich nahe auf der basis des gegenseitigen respekts, des
willens zur verstaendigung und zusammenarbeit und vor allem des
kontakts zwischen den menschen.
auf dieser sicheren grundlage sehe ich der fortsetzung der
zusammenarbeit mit zuversicht entgegen und bitte sie, meine damen und
herren, mit mir das glas zu erheben auf das wohl ihrer majestaeten
und unserer gastgeber, auf die glueckliche und friedliche zukunft
nepals und auf die freundschaft und erfolgreiche zusammenarbeit
zwischen unseren beiden laendern.

ansprache vor dem parlament in kathmandu

bundeskanzler dr. helmut kohl hielt anlaesslich seiner
begruessung im nepalesischen parlament (rashtriya panchayat) in
kathmandu am 20. juli 1987 folgende ansprache:

sehr geehrter herr vorsitzender des nationalen panchayat,
sehr verehrte mitglieder des nationalen panchayat,
meine damen und herren!
ich darf mich zunaechst fuer ihre einladung, vor ihnen zu sprechen,
herzlich bedanken. ich bin mir der hohen ehre voll bewusst.
dieses zusammentreffen ist fuer mich einer der hoehepunkte meines
aufenthaltes in ihrem schoenen land, es ist darueber hinaus auch
zeichen der verbundenheit zwischen unseren beiden staaten und
voelkern.
in meinen bisherigen gespraechen fand ich den ausgezeichneten
stand des deutsch-nepalesischen verhaeltnisses bestaetigt.
die bundesrepublik deutschland und das koenigreich nepal
verbindet seit aufnahme der diplomatischen beziehungen im jahre 1958
ein enges und freundschaftliches verhaeltnis.
waehrend der letzten dreissig jahre haben sich diese beziehungen
durch zahlreiche kontakte zwischen beiden regierungen und
menschen unserer laender stetig fortentwickelt. dabei moechte ich
besonders an die staatsbesuche erinnern:
-des damaligen koenigs mahendra in der bundesrepublik
deutschland im jahre 1964,
-des damaligen bundespraesidenten heinrich luebke in nepal 1967
-und ihrer majestaeten koenig birendra und der koenigin in der
bundesrepublik deutschland im vergangenen jahr.
das deutsch-nepalesische verhaeltnis ist durch gegenseitigen
respekt, verstaendnis und freundschaft gepraegt. ich kann
feststellen,
dass unsere beiden laender in den meisten fragen der
internationalen politik im grundsatz uebereinstimmen. die
bundesregierung ist der regierung seiner majestaet dafuer dankbar,
dass sie immer grosses verstaendnis fuer die politische lage
unseres geteilten landes gezeigt hat.
die beziehungen zwischen unseren beiden laendern stehen auf
einem soliden historischen fundament. wissenschaftler brachten
schon vor jahrhunderten erste geographische und
naturwissenschaftliche erkenntnisse vom kathmandu-tal in den
deutschen sprachraum. spaeter haben philosophen und
religionswissenschaftler diesen rahmen erweitert.
dadurch ist meinen landsleuten immer bewusst gewesen, was ihr
land zum kulturellen erbe der menschheit beigetragen hat. auf
ihrem boden wurde buddha geboren. in ihrem land sind zwei
weltreligionen lebendig. sie bewahren deren zeugnisse und
ueberliefern sie.
nicht von ungefaehr ist heute gerade die wissenschaftliche und
kulturelle zusammenarbeit zwischen der bundesrepublik
deutschland und nepal besonders eng. kulturelle gueter, wo immer sie
entstanden sind und aufbewahrt werden, sind gemeingut. wir
haben deshalb die vornehme pflicht, sie der nachwelt zu erhalten.
ich bin stolz darauf, dass deutsche wissenschaftler zusammen mit
ihren nepalesischen kollegen an der pflege und ueberlieferung
unersetzlicher kultureller werte ihres landes mitwirken konnten
und dies auch weiterhin tun.
mit besonderem interesse und grosser sympathie verfolgen wir die
bemuehungen, die sie zur entwicklung ihres landes unternehmen.
der aufruf seiner majestaet, nepal bis zum jahre 2000 zu einem
lebensstandard zu fuehren, der dem nepalesischen volk eine
erhebliche verbesserung seiner lebensmoeglichkeiten gestattet, hat
diesen bestrebungen neue impulse verliehen.
die bundesrepublik deutschland ist seit zwei jahrzehnten bestrebt,
ihnen dabei zu helfen. bei unseren gemeinsamen anstrengungen
steht die verbesserung der lebensgrundlagen ihrer bevoelkerung im
vordergrund.
es sind die menschen und ihre beduerfnisse, an denen wir uns
orientieren muessen. wir konzentrieren daher unser augenmerk auf
landwirtschaftliche projekte sowie auf infrastruktur- und
energiepolitische massnahmen.
von grosser wichtigkeit sind auch fragen des umweltschutzes, der
kampf fuer den erhalt des waldes und gegen bodenerosion. auch
hier gilt es, das ererbte zu erhalten, damit auch unsere kinder noch
am reichtum unserer erde teiaben koennen. ich darf ihnen
versichern, dass wir bereit sind, unsere entwicklungspolitische
zusammenarbeit mit der gleichen intensitaet fortzusetzen.
es ist die politik meiner regierung, den handelsaustausch
zwischen den nationen zu foerdern. wir sind davon ueberzeugt, dass
dies der beste weg ist, den wohlstand aller voelker zu vermehren.
protektionismus bewirkt langfristig das gegenteil. die
bundesrepublik deutschland und das koenigreich nepal sind
sich einig, dass dem
weiteren ausbau der wirtschaftlichen beziehungen zum wohle
beider voelker grosse bedeutung zukommt.
wir stellen mit genugtuung fest, dass unser land ein wichtiger
absatzmarkt fuer nepalesische produkte ist. das koenigreich nepal
hat seit jahren eine positive handelsbilanz gegenueber der
bundesrepublik deutschland. die unterzeichnung eines abkommens zur
foerderung und zum schutz von investitionen bei dem besuch
seiner majestaet in der bundesrepublik deutschland hat die
bedingungen fuer eine engere wirtschaftliche zusammenarbeit weiter
verbessert.
es kommt jetzt darauf an, dass die unternehmer unserer beiden
laender dieses abkommen mit leben erfuellen. ich hoffe, dass der
besuch namhafter deutscher unternehmer als teil meiner
herr vorsitzender, meine damen und herren, mit grosser sympathie
verfolgt die bundesregierung die bestrebungen der suedasiatischen
voelker, die regionale zusammenarbeit durch zusammenschluss in
der suedasiatischen vereinigung fuer regionale zusammenarbeit
(saarc - south asian association for regional cooperation)
weiter zu verstaerken. sie ist davon ueberzeugt, dass die engere
zusammenarbeit der suedasiatischen staaten einen wichtigen
beitrag zur verbesserung der wirtschaftlichen lage der voelker
dieser laender und zur bewahrung des friedens in dieser region
leisten wird.
die bundesregierung wuerdigt die aktive rolle des koenigreiches
nepal bei diesem prozess, der durch die errichtung des
saarcsekretariats in kathmandu von den anderen mitgliedstaaten
unterstrichen wurde. mit dem dritten gipfeltreffen der
staatsoberhaeupter im november 1987 in kathmandu wird die
zusammenarbeit im rahmen von saarc einen weiteren hoehepunkt finden.
dem gedanken friedlicher entwicklung und prosperitaet liegt auch
das nepalesische konzept der "friedenszone nepal" zugrunde.
diesen vorschlag hat die bundesregierung im dezember 1984
begruesst.
die bundesregierung wuerdigt den aktiven beitrag des koenigreichs
nepal in der bewegung der blockfreien, deren gruendungsmitglied
es ist. wir schaetzen den einsatz der nepalesischen regierung, dem
gedanken wahrer blockfreiheit in dieser bewegung zum
durchbruch zu verhelfen.
der konstruktive beitrag ihres landes in internationalen gremien,
insbesondere in den vereinten nationen, dient dem ausgleich
zwischen industriestaaten und den laendern der dritten welt. wir
unterstuetzen daher die kandidatur nepals fuer den sicherheitsrat
1988/89.
wir anerkennen den wichtigen beitrag, den nepal in
spannungszonen wie im nahen osten durch mitwirkung an den
friedenssichernden massnahmen der vereinten nationen leistet. wir
gedenken der nepalesischen soldaten, die bei diesem friedensdienst
ihr leben liessen.
entwicklung und zusammenarbeit lassen sich nicht auf die
bilaterale und die regionale perspektive beschraenken. sie haben
eine internationale dimension, die uns in eine gemeinsame
verantwortung einbindet. ein gerechter interessenausgleich zwischen
nord und sued ist daher vorrangiges ziel der bundesregierung.
besondere sorge bereitet die schwierige lage vieler
entwicklungslaender, insbesondere auf grund ihrer hohen verschuldung.
ich habe stets darauf hingewiesen, - zuletzt waehrend des
diesjaehrigen weltwirtschaftsgipfels in venedig - dass weitergehende
hilfsmassnahmen erforderlich sind, um die situation dieser laender zu
verbessern. die gipfelteilnehmer haben deshalb die zustaendigen
institutionen aufgefordert, diesen fragen ihre besondere
aufmerksamkeit zu widmen.ich moechte in diesem zusammenhang jedoch
unterstreichen, dass
solide wirtschaftliche fortschritte in den betroffenen laendern ohne
erhebliche eigenanstrengungen nicht zu erreichen sind. hilfe kann
nur wirksam werden, wenn der wille zur selbsthilfe ebenfalls
vorhanden ist.
auch fuer die weltwirtschaftliche entwicklung muss der
gesamtpolitische rahmen stimmen. nur eine weltweite atmosphaere des
atmosphaere des vertrauens
trauens und der zusammenarbeit kann zu einer stabilen
friedensordnung fuehren, in der gerechte entwicklung moeglich wird.
der westen hat seinen willen dazu mit dem angebot einer politik
der zusammenarbeit unter beweis gestellt. er hat ein umfassendes
konzept fuer abruestung und ruestungskontrolle vorgelegt. die in den
bereich des moeglichen gerueckte einigung ueber den
einschneidenden abbau amerikanischer und sowjetischer nuklearwaffen
mittlerer reichweite ist ein ermutigendes zeichen. dies kann jedoch
nur ein anfang sein. weitergehende schritte muessen folgen. dadurch
wuerde auch asien mehr sicherheit gewinnen.
das koenigreich nepal, herr vorsitzender, meine damen und
herren, ist sich seiner rolle im zusammenspiel der maechte bewusst.
innerhalb der vereinten nationen, in der bewegung der blockfreien und
durch seine ausgleichende haltung in der region zur
friedenssicherung und stabilitaet bei. sie gehen ihren weg der inneren
entwicklung und der aeusseren sicherheit zielbewusst und mit
augenmass. dafuer gebuehrt ihnen unsere anerkennung.
die bundesrepublik deutschland schaetzt sich gluecklich, ihrem land
freundschaftlich verbunden zu sein.

erklaerung vor der presse in kathmandu

bundeskanzler dr. helmut kohl gab auf einer pressekonferenz
in kathmandu am 21. juli 1987 folgende erklaerung ab:

mit dem heutigen abschluss des offiziellen besuchs in kathmandu
endet meine vierte ostasien-reise waehrend meiner amtszeit. wie
die vorhergehenden reisen diente auch diese reise dazu, unsere
vielfaeltigen interessen im ostasiatisch-pazifischen raum zu
unterstreichen, bestehende beziehungen zu vertiefen und neue
beziehungen zu knuepfen.
diese reise gab gelegenheit zu besuchen in zwei uns befreundeten,
sehr unterschiedlichen laendern: auf die volksrepublik china,
deren bevoelkerung von einer milliarde menschen einen eigenen
subkontinent bewohnt, folgte mit dem koenigreich nepal ein
geographisch und auch bevoelkerungsmaessig kleineres land, ein land,
das trotz seiner lage zwischen grossen nachbarn seine politische,
wirtschaftliche und kulturelle eigenstaendigkeit entfaltet hat und
alle kraft darauf verwendet, um diese zu erhalten und seine
entwicklung voranzutreiben.
der besuch in nepal gab mir gelegenheit zu ausfuehrlichen
gespraechen mit koenig birendra, mit meinem gastgeber,
premierminister shrestha, sowie mit aussenminister upadhyaya.
fuer die mich begleitenden vertreter der deutschen wirtschaft ergab
sich gelegenheit zu kontakten mit dem industrie- und finanz-
minister, dem praesidenten der industrie- und handelskammer
nepal und mit repraesentanten der hiesigen wirtschaft.
als ergebnis dieses nur kurzen, aber inhaltsreichen und in der
atmosphaere besonders herzlich verlaufenen besuches kann ich
folgendes herausstellen:
im mittelpunkt der gespraeche in kathmandu standen die bilateralen
beziehungen. die politischen beziehungen sind von der
traditionellen deutsch-nepalesischen freundschaft gepraegt, die lange
vor der aufnahme diplomatischer beziehungen im jahre 1958 begruendet
wurde. sie hat ihre wurzeln im kulturellen bereich, der auch heute
unsere beziehungen in einer besonderen weise praegt. bilateral gibt
es keinerlei politische probleme zwischen nepal und uns. in den
meisten fragen der internationalen politik stimmen wir im
grundsatz ueberein.
die gegenseitigen wirtschaftsbeziehungen sind gut, aber noch
ausbaufaehig. nepal hat gegenwaertig in der handels- und tourismus
-bilanz mit uns einen ueberschuss, den wir aber positiv bewerten.
die exporte nach der bundesrepublik deutschland lassen sich noch
weiter steigern, wenn die angebotsstruktur verbessert und
verbreitert werden kann. ich gehe davon aus, dass die deutsche
wirtschaft zur verbesserung der vermarktungschancen nepalesischer
waren bei uns durch entsendung einer importmission deutscher
unternehmer beitragen wird.
von nepalesischer seite wurde uns das interesse an deutschen
direktinvestitionen in diesem land immer wieder vorgetragen. wir
haben darauf aufmerksam gemacht, dass die voraussetzungen
dafuer von nepalesischer seite geschaffen werden muessen. ich
hoffe, dass unsere reise zur vermittlung von mehr kontakten
beitragen konnte.
es ist ganz offensichtlich, dass der schwerpunkt der beziehungen
auch kuenftig im bereich der entwicklungszusammenarbeit liegen
wird. so wurde auch anlaesslich des besuches ein neues
deutschnepalesisches abkommen ueber finanzielle zusammenarbeit
unterzeichnet. im anschluss wird ihnen bundesminister klein einen
bericht ueber den stand und die perspektiven unserer
entwicklungszusammenarbeit geben.
im kulturellen bereich wird sich vor allem die sehr erfolgreiche
zusammenarbeit im bereich der restaurierung und konservierung
des kulturellen erbes nepals fortsetzen. ich habe eine spende von
200 000 dm fuer staedtebauliche konservierungsmassnahmen
uebergeben, sowie zwei stipendien zur fortbildung nepalesischer
fachleute in der bundesrepublik deutschland zur verfuegung gestellt.
dieser kurze, aber sehr intensive kontakt mit diesem uns so
nahestehenden alten kulturland hat erneut unsere moralische pflicht,
aber auch unser interesse verdeutlicht, dem nepalesischen volk
dabei zu helfen, seinen weg in die zukunft zu gehen, einen weg in
die moderne, ohne dabei seine eigene identitaet aufzugeben und zu
verlieren.


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