„Einfach mal reden“

Interview mit Hilfe-Telefon Silbernetz „Einfach mal reden“

Einsamkeit trifft ältere Menschen besonders.
Weil sie oft weniger Kontakte haben.
Oder allein und zurückgezogen leben.
Das sagt Elke Schilling.
Frau Schilling hat das Hilfe-Telefon Silbernetz in Berlin gegründet.
Sie erzählt im dem Interview über ihre Arbeit.
Auch was die Corona-Krise verändert hat.
Und über ältere Menschen im Alltag.

Bild von Elke Schilling der Initiatorin des Hilfe-Telefon Silbernetz

Interview mit Hilfe-Telefon Silbernetz – Elke Schilling

Foto: picture alliance/dpa-Zentralbild/Britta Pedersen

Frage an Frau Schilling:
Wie kamen Sie auf die Idee Silbernetz zu gründen?

Antwort von Frau Schilling
:
Es gab eine ganze Reihe von Ereignissen.
Die haben mich auf die Idee gebracht Silbernetz zu gründen.
Zum Beispiel mein Nachbar:  
Der ist ganz einsam und allein gestorben.   
In seiner kleinen Wohnung.
Und niemand hat es gemerkt.
Er hat sich schon lange vorher immer mehr zurückgezogen.
Ich habe manchmal bei ihm geklingelt.
Und meine Hilfe angeboten.
Aber er wollte keine Hilfe.
Sein Tod hat mich damals sehr aufgeregt.
Denn einsam und unbemerkt sterben ist sehr traurig.
Das muss nicht sein.

Ein anderes Beispiel:
Ich war viele Jahre Vorsitzende der Senioren-Vertretung Berlin-Mitte.
Ich habe mich mit Themen rund um das Alter beschäftigt.
Dabei habe ich gemerkt.
Viele alte Menschen kann man gar nicht erreichen.
Die haben kein Internet.
Sind nicht mehr gut zu Fuß.
Leben allein und zurückgezogen.

Man kann sagen:
Die sind aus dem sozialen Netz gefallen.
Mit Silbernetz möchte ich etwas dagegen tun.

Frage an Frau Schilling:
Wie kann Silbernetz genau älteren Menschen helfen?

Antwort von Frau Schilling:

Silbernetz hilft Menschen ab 60 Jahren.
Die niemanden zum Reden haben.
Die einsam sind.

Es gibt 3 Hilfe-Stufen.

  1. Silber-Telefon:
    Unsere Telefon-Hotline ist täglich von 8 Uhr bis 22 Uhr besetzt.
    Die Telefon Nummer ist: 0800 4 70 80 90.
    Menschen ab 60 Jahren können sich bei uns melden.
    Wir sagen:
    „einfach-mal-Reden“.
    Wir hören den Menschen zu.
  2. Silbernetz-Freunde: 
    Dieses Angebot gilt für Menschen, die mehr mit anderen sprechen möchten.
    Wir führen die Menschen zusammen.
    So bekommen die Menschen einen festen Ansprech-Partner.
    Man kann dann jede Woche einmal anrufen.
    Und 1 Stunde reden.
    So kann Vertrauen entstehen.
    Um wieder mehr Freude am Leben zu haben.
    Um aus der Einsamkeit zu kommen.
    Die längste Silbernetz-Freundschaft gibt es schon seit 2 Jahren.
  3. Silber-Info: 
    Silbernetz vermittelt Kontakte zu Experten und Expertinnen.
    Für eine professionelle Hilfe.
    Zum Beispiel den Mobilitäts-Hilfe-Diensten.

    Für Berliner und Berlinerinnen haben wir noch mehr Angebote:
    von der Alten-Hilfe, 
    für die ärztliche Betreuung,
    oder betreutes Wohnen in der Nachbarschaft.


Frage an Frau Schilling:
Was kann man gegen Einsamkeit im Alter tun?

Antwort von Frau Schilling
:
Ältere Menschen können ganz unterschiedlich von Einsamkeit betroffen sein.
Die Nachbarschaft ist ein guter Kontakt für meist sehr alte Menschen.
Die kein Internet haben.
Nur noch schlecht oder gar nicht mehr die Wohnung verlassen.
Alleine und ohne Hilfe leben.
Bei nicht so alten Menschen oder Menschen, die noch raus gehen, geben wir Tipps.
Wie sie aus der Einsamkeit heraus kommen.
Wie sie Dinge machen können.
Zum Beispiel der Besuch einer Begegnungs-Stätte um die Ecke.
Oder Senioren-Angebote in ihrer nahen Umgebung.

Frage an Frau Schilling:
Was hat sich in Zeiten der Corona-Krise bei Ihnen verändert?

Antwort von Frau Schilling
:
Es melden sich viel mehr Menschen.
Die durch die Corona-Krise einsam geworden sind.
Weil die Menschen weniger Kontakt zu anderen Menschen haben sollten.
Weil die alten Menschen sehr häufig sehr viel Angst bekommen haben.
Viele ältere Menschen haben seit Monaten ihre Verwandten und Freunde nicht gesehen.
Teilweise sind Freunde oder Familien-Mitglieder in diesem Jahr gestorben.
Und sie durften sich nicht verabschieden.
Manche haben ihre Enkel-Kinder noch nie gesehen.
Weil die Kinder in dieser Zeit geboren sind.

Frage an Frau Schilling:
Über was wird am meisten gesprochen?

Antwort von Frau Schilling
:
Wir sind für die die Anrufer und Anruferinnen Gesprächs-Partner
Wir können gemeinsam über ein Problem reden.
So heißt auch unser Motto:
„Einfach mal reden“.
Und das tun die Menschen auch.
Oft geht es einfach nur ums Zuhören und Gehört werden.
Häufig wird über Alters-Sorgen und Depressionen gesprochen.
Aber auch ganz aktuell Fragen zu Corona.
Zum Beispiel über Impf-Termine.
Und wie man zu einem Impf-Zentrum kommt.


Frage an Frau Schilling:
Was geben Sie den Menschen am Telefon mit?

Antwort von Frau Schilling
:
Wir zeigen unser Mitgefühl.
Wir geben antworten.
Wir fragen auch nach.
Wir sind Gesprächs-Partner.
Mit uns können sie Probleme und Fragen besprechen.
Je älter und unbeweglicher ältere Menschen sind, desto schwerer wird es.
Einen Weg aus der Einsamkeit zu finden.
In diesem Fall kann ich nur sagen:
Rufen Sie bei uns an.
Reden Sie mit uns.
Das können Sie nämlich täglich.


Silbernetz ist ein Angebot für Menschen ab 60 Jahren.
Es will ältere Menschen aus der Einsamkeit führen.
Seit März 2020 ist das Silbernetz überall in Deutschland erreichbar.
Ein Anruf kostet nichts.
Die Gespräche sind vertraulich.
Niemand anderes erfährt etwas über die Gespräche.
Die kostenfreie Telefon-Nummer ist:
0800 4 70 80 90.
Wir sind in ganz Deutschland
von 8 Uhr bis 22 Uhr erreichbar.
Es arbeiten schon viele Menschen fest bei Silbernetz.
Die genaue Zahl ist 25.
Es gibt aber noch viel mehr ehren-amtliche Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen.
Das bedeutet:
Diese Menschen bekommen kein Geld für ihre Arbeit.
Die machen das freiwillig.
Weil sie helfen wollen.
Geld bekommt Silbernetz von der Stadt Berlin und von Spenden.