Zeugnisse eines deutsch-deutschen Lebens

Staatsbibliothek erhält Biermann-Archiv Zeugnisse eines deutsch-deutschen Lebens

Wolf Biermann war mit seinen Liedern und Gedichten Stimme des politischen Widerstands in der DDR. Heute überließ er sein umfangreiches Archiv mit seinen persönlichen Tagebüchern der Staatsbibliothek zu Berlin. Dort wird es als bedeutende zeitgeschichtliche Quelle für zukünftige Generationen bewahrt.

Vitrine mit persönlichen Dokumenten aus dem Archiv von Wolf Biermann

Das Archiv von Wolf Biermann enthält zahlreiche persönliche wie berufliche Dokumente aus sechs Jahrzehnten.

Foto: BKM

Es sind Aufzeichnungen aus 67 bewegten Jahren, darunter die persönlichen Tagebücher Wolf Biermanns, aber auch umfangreiches Archivmaterial wie Manuskripte, Briefe und viele weitere Dokumente, die heute feierlich vom Künstler der Staatsbibliothek zu Berlin anvertraut wurden. Mit Mitteln aus dem Kulturetat des Bundes sowie der Kulturstiftung der Länder hat die Staatsbibliothek zu Berlin der Stiftung Preußischer Kulturbesitz das private wie berufliche Archiv des Dichters und Liedermachers einschließlich seiner persönlichen Tagebücher erworben.

„Das Archiv Wolf Biermanns mit seinen persönlichen Tagebüchern ist ein detailreiches Zeugnis deutsch-deutscher Geschichte“, sagte Kulturstaatsministerin Grütters. Man müsse seine Positionen nicht alle teilen, um sagen zu können, dass Wolf Biermann zu den wichtigsten Künstlern und Intellektuellen in Deutschland gehöre, so die Staatsministerin für Kultur und Medien weiter.

Mit Handschriften, Nachlässen und anderen Sondersammlungen von nationalem und internationalem Niveau gehört die Staatsbibliothek zu Berlin zu den bedeutendsten Bibliotheken der Welt. Wolf Biermanns Archiv sei dort daher sehr gut aufgehoben und in guter Gesellschaft, erklärte Grütters. „Neben Beethoven und Bach steht jetzt also bald auch Biermann“, so die Staatministerin.

Verflechtung von künstlerischem Leben und Zeitgeschichte

1954, kurz nachdem Wolf Biermann aus dem Westen in die Deutsche Demokratische Republik (DDR) umsiedelte, begann er mit dem Schreiben von Tagebüchern. Neben literarischen und lyrischen Entwürfen, Notenbeispielen oder eingeklebten Dokumenten, enthalten sie persönliche Einträge, Selbstreflexionen und kritische Betrachtungen. Darüber hinaus hat der Liedermacher Berichte über Debatten, Begegnungen und Ereignisse notiert und vielfältige Dokumente wie Schulhefte, Manuskripte, Briefe, Autografen und Rezensionen archiviert.

So entstand über mehr als sechs Jahrzehnte hinweg ein einzigartiges, national bedeutendes Archiv, das die Verflechtung der persönlichen Geschichte eines herausragenden Künstlers mit dem zeitgeschichtlichen, politischen Geschehen in Deutschland dokumentiert.

„Seine Zeitzeugnisse durch den Ankauf seines Archivs in der Staatsbibliothek zu Berlin zu bewahren, ist für die heutige, aber gerade auch für nachfolgende Generationen wichtig“, betonte daher auch Kulturstaatsministerin Grütters. Biermanns Vita und Werk machten sichtbar, was es bedeute, in einer Diktatur zu leben.

Stimme des politischen Widerstands in der DDR

Schon als Student begann Wolf Biermann Gedichte und Lieder zu verfassen. Er entwickelte sich in den 1960er-Jahren zu einem scharfen Kritiker des SED-Regimes. 1965 führte dies zunächst zu einem Auftritts- und Publikationsverbot, 1976 wurde ihm schließlich nach einer Konzertreise nach Köln die Einreise in die DDR verwehrt, Biermann wurde ausgebürgert. Dies löste in Ost-, aber auch Westdeutschland breite Proteste aus und verstärkte bereits bestehende Stimmen des Widerstands.

Auch in der Zeit nach 1989 beteiligte sich der Künstler an der öffentlich diskutierten Auseinandersetzung mit der DDR und regte mit seinen politischen Essays wichtige Debatten an. 2006 erhielt er das Bundesverdienstkreuz.