Ausstellung zum Europäischen Kulturerbejahr

Und sie bewegen sich doch

Kaum zu glauben: Migration und Zuwanderung sind gar keine 'Erfindung' der Neuzeit. Das zeigt die Sonderausstellung "Bewegte Zeiten. Archäologie in Deutschland" im Gropius Bau Berlin. Rund 1.000 archäologische Fundstücke aus Grabungen der vergangenen 20 Jahre in ganz Deutschland lassen staunen über das Ausmaß historischer Wanderungsbewegungen seit der Frühzeit - auch und insbesondere auf den Gebieten des heutigen Deutschlands.

Eine Besucherin betrachtet einen Ausstellungskasten.

Die Ausstellung "Bewegte Zeiten" ist bis zum 6. Januer 2019 im Martin Gropius Bau in Berlin.

Foto: Staatliche Museen zu Berlin, Museum für Vor- und Frühgeschichte / David von Becker

Alle Wege führen nach Rom... und offenbar auch nach Köln, vor allem in der Zeit rund 100 Jahre nach Christus. Das belegen die in der Archäologieausstellung "Bewegte Zeiten. Archäologie in Deutschland" gezeigten Funde von Schiffsfragmenten, Grabdenkmälern und Amphorenscherben aus dem Gebiet rund um die Stadt am Rhein. Köln war zu dieser Zeit ein wichtiger Außenposten des römischen Reichs. Töpfe voller Oliven und Olivenöl, Wein aus Südspanien und zahlreiche andere Lebensmittel und Gewürze entladen, gehandelt und weiter transportiert.

Doch es war nicht erst und nicht nur das römische Reich, das hier Spuren hinterließ. Schon vor der Jungsteinzeit verließen zahlreiche Völker ihre Stammesgebiete, um sich in anderen Gegenden niederzulassen. Diese Migrationsgeschichte der Frühzeit zeichnet nun die Archäologieausstellung "Bewegte Zeiten. Archäologie in Deutschland" des Museums für Vor- und Frühgeschichte und der Verband der Landesarchäologen im Gropius Bau Berlin anlässlich des Europäischen Kulturerbejahres 2018 nach.

Ein ständiges Kommen und Gehen

In den vier Ausstellungskapiteln "Mobilität", "Austausch", "Konflikt" und "Innovation" erfahren die Besucherinnen und Besucher, dass die Menschheit seit je her mit dem ständigen Kommen und Gehen von Menschen aus fremden Kulturen befasst war: Zu- und Abwanderung, Jagd, Flucht, Vertreibung, Handel und Wandel - all das hat es immer gegeben und Menschen unterschiedlicher Herkunft zusammengebracht.

Rund 42.000 Besucherinnen und Besucher haben die Ausstellung seit ihrer Eröffnung im September bereits besucht. Zu sehen sind spektakuläre Neufunde, die Archäologen in den vergangenen 20 Jahren in ganz Deutschland zu Tage förderten. Das Highlight unter den mehr als 1.000 Exponaten ist ein mehr als 2.000 Jahre alter römischer Pferdekopf aus Bronze - gefunden in Waldgirmes bei Köln -, der in Berlin zum ersten und gleichzeitig letzten Mal als Ausstellungsleihgabe zu sehen sein wird. Weitere Objekte sind eine rund 40.000 Jahre alte Venus, eine sechs Zentimeter große Frauenskulptur aus Mammutelfenbein, ausgegraben im Hohlefels, oder die 3.500 Jahre alten, 75 Zentimeter langen Goldhüte mit kalendarischen Gravuren.

Deutschland: Seit 600.000 Jahren Einwanderungsland

Auch Kulturstaatsministerin Grütters hat "Bewegte Zeiten" hinter sich und am vergangenen Donnerstag einen Rundgang durch die Austellung gemacht. Ihr Fazit: "Die Ausstellung lehrt uns, Deutschland ist ein Einwanderungsland. Und zwar seit 600.000 Jahren. Das heißt historisch betrachtet sind wir alle "Menschen mit Migrationshintergrund."

Mit Blick auf den Ausstellungstitel erklärte die Staatsministerin weiter: "'Bewegte Zeiten' erleben wir auch heute, und zu den zweifellos größten gesellschaftspolitischen Herausforderungen dieser 'bewegten Zeiten' gehört es, 'Zusammenhalt in Vielfalt' und somit Integration zu ermöglichen."

Der Martin-Gropius-Bau zeigt als Ausstellungshalle des Bundes in Berlin regelmäßig Wechselausstellungen in den Bereichen Moderne Kunst, Fotografie, Kulturgeschichte und Archäologie. Träger des Gropius-Baus sind die Berliner Festspiele als Teil der Kulturveranstaltungen des Bundes in Berlin GmbH (KBB). Die KBB wird aus dem Etat der Kulturstaatsministerin mit rund 28 Millionen Euro pro Jahr gefördert.

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