Ort der Erinnerung und Begegnung

Kulturforum Görlitzer Synagoge eröffnet Ort der Erinnerung und Begegnung

Die Görlitzer Synagoge ist einer der wenigen Jugendstil-Bauten dieser Art in Deutschland. Nach jahrzehntelanger Sanierung erstrahlt sie wieder „in neuem Glanz und alter Pracht“, so Kulturstaatsministerin Grütters bei der Eröffnungsfeier. In Zukunft soll die frühere Synagoge als Kulturforum genutzt werden.

Gäste sitzen im Innenraum bei der Eröffnung des Kulturzentrums Görlitzer Synagoge

Ein authentischer Begegnungsort für die Stadtgesellschaft - die sanierte Synagoge in Görlitz wurde als Kulturforum wiedereröffnet.

Foto: Pawel Sosnowski

Rund 30 Jahre haben die Sanierungsarbeiten gedauert. Pünktlich zum Festjahr „1700 Jahre Jüdisches Leben in Deutschland“ konnte die ehemalige Synagoge nun wiedereröffnet werden. Künftig soll das Gebäude als Kultur- und Begegnungsort für die Stadtgesellschaft genutzt werden. Jüdische Mitbürgerinnen und Mitbürger werden dort aber auch die Möglichkeit haben, ihren Glauben zu praktizieren.

Kulturstaatsministerin Monika Grütters eröffnete das Kulturforum nun gemeinsam mit dem Sächsischen Ministerpräsidenten Michael Kretschmer, dem Görlitzer Oberbürgermeister Octavian Ursu sowie dem Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde Dresden Michael Hurshell.

Spuren der Geschichte sichtbar machen

Die prachtvolle Synagoge „erinnert an ein blühendes jüdisches Leben in Görlitz zu Beginn des 20. Jahrhunderts“, sagte Grütters. Die Synagoge vergegenwärtige aber auch die Gewalt und Grausamkeit gegen Jüdinnen und Juden und die systematische Vernichtung jüdischen Lebens durch die Nationalsozialisten. Denn die Spuren der Zerstörung wurden bei der Sanierung nicht beseitigt.

Bewusstsein für lange Tradition jüdischen Lebens schärfen

Am authentischen Ort solle der Erinnerung nun Raum für eine zukunftsgerichtete Begegnung mit der Vielfalt und langen Tradition jüdischen Lebens in Deutschland gegeben werden, erklärte die Staatsministerin. Die Dauerausstellung, die hier bald ihre Pforten öffnen wird, zeigten jüdisches Leben als inspirierenden Teil deutscher Geschichte und Gegenwart, so Grütters. Für sie ein wichtiger Beitrag zur Antisemitismusprävention: Sie hoffe, dass der Besuch der Görlitzer Synagoge die Menschen „darin bestärkt, aufzustehen gegen Antisemitismus, wo immer sie ihn erleben.“

Einzige original erhaltene Synagoge in Sachsen

Die Görlitzer Synagoge war zwischen 1909 und 1911 nach Plänen der Dresdner Architekten Lossau & Kühne erbaut worden. Der imposante Jugendstilbau beeindruckt bis heute unter anderem durch seine prachtvoll geschmückte Kuppeldecke mit einem Durchmesser von 26 Metern.

Während der Pogromnacht 1938 war auch die Görlitzer Synagoge der nationalsozialistischen Zerstörungswut ausgesetzt. Doch sie überstand die Gewalt – verglichen mit anderen Synagogen – mit noch relativ geringen Schäden. Heute ist sie die einzige original erhaltene und restaurierte Synagoge in Sachsen. 2012 wurde sie auch deshalb vom Bund als Denkmal von nationalem Rang eingestuft.

Der Bund hat die Sanierung der Görlitzer Synagoge mit 2,8 Millionen Euro aus seinem Kulturetat mitfinanziert. Auch in anderen deutschen Städten, wie Augsburg, München und Lübeck, engagiert sich die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien für den Erhalt jüdischer Synagogen.

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