Aufarbeitung Kolonialgeschichte

Namibia erhält Wappensäule zurück

Deutschland restituiert die symbolträchtige Wappensäule von Cape Cross. Die Regierung der Republik Namibia hatte ihre Rückgabe offiziell gefordert. Diese sei ein Beitrag zu Versöhnung und Verständigung, erklärte Kulturstaatsministerin Grütters.

Die Wappensäule von Cape Cross in der Dauerausstellung des DHM

Wird an Namibia zurückgegeben: die historische Wappensäule von Cape Cross.

Foto: picture alliance / Paul Zinken/dpa

Die Wappensäule ist seit Jahrzehnten Teil der Sammlung des Deutschen Historischen Museums (DHM) in Berlin. Dort gaben Kulturstaatsministerin Monika Grütters, der Präsident des DHM, Raphael Gross, und der Botschafter der Republik Namibia, Andreas Guibeb, heute auch die Restitution der Säule bekannt. Zuvor hatte das Kuratorium des Hauses einem entsprechenden Vorschlag zugestimmt.

Deutschland bekennt sich zur Aufarbeitung

Die Rückgabe sei ein deutliches Signal, dass sich Deutschland zur Aufarbeitung seiner kolonialen Vergangenheit bekenne, erklärte Grütters. "Diese zukunftsweisende Entscheidung ist nicht zuletzt auch ein Schritt hin zu einem partnerschaftlichen Dialog zwischen Deutschland und Namibia auf Augenhöhe, in Respekt und Würde", erklärte die Kulturstaatsministerin weiter. "Damit erkennen wir die Bedeutung an, die Kulturgüter für die Identität von Staaten und Gesellschaften haben."

Die Rückgabe zeige auch, dass sich die Kultureinrichtungen des Bundes der gemeinsamen Aufarbeitung der deutsch-namibischen Kolonialgeschichte verpflichtet fühlten. Kulturstaatsministerin Grütters wird die Säule zusammen mit dem Direktor des DHM im Spätsommer dieses Jahres in Namibia übergeben.

Die Geschichte der Kreuzsäule

Die dreieinhalb Meter hohe Steinsäule ist für Namibia von großer historischer und  symbolischer Bedeutung.

Der portugiesische König João II. ließ die Säule 1486 an der Küste des heutigen Namibia errichten. Sie trägt das portugiesische Wappen, gekrönt von einem Kreuz. Eingemeißelt ist in Lateinisch und Portugiesisch der Herrschaftsanspruch des portugiesischen Königs über das Land.

Als das Gebiet 1894 zum deutschen 'Schutzgebiet' und dann deutsche Kolonie wurde, brachte man die tonnenschwere Säule aus Kalkstein ins deutsche Kaiserreich. Wilhelm II. ließ am früheren Aufstellungsort eine Nachbildung mit deutscher Inschrift und dem Wappen des Reichsadlers als Zeichen der deutschen Herrschaft errichten.

Über einige Umwege gelangte die Säule 1990 in die Sammlung des Deutschen Historischen Museums. Seit 2006 ist sie dort in der Dauerausstellung zu sehen.

Rückgabeersuchen Namibias

Vorausgegangen war der Entscheidung zur Rückgabe eine öffentliche Debatte. Nachdem die Republik Namibia im Sommer 2017 in einer diplomatischen Note förmlich um Rückgabe der Säule ersucht hatte, fand ein Jahr später im Deutschen Historischen Museum ein Symposium zum Thema 'Die Säule von Cape Cross – Koloniale Objekte und historische Gerechtigkeit' statt.

Mehr als 350 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus verschiedenen Forschungsgebieten tauschten sich dort über Fragestellungen zum Umgang mit kolonialen Objekten in Museen aus. Das Symposium war das erste seiner Art.


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