Museumsbund veröffentlicht Leitfaden

Umgang mit Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten Museumsbund veröffentlicht Leitfaden

Eine praktische Arbeitshilfe zum Umgang mit Sammlungsbeständen aus kolonialen Kontexten bietet der Leitfaden des Deutschen Museumsbundes, der jetzt in der finalen Fassung veröffentlicht wurde. Die Handreichung unterstützt Museen und Universitäts-Sammlungen dabei, sich mit ihrem kolonialen Erbe auseinanderzusetzen.

Wissenschaftlerinnen der Museums Association of Namibia und des Ethnologischen Museums in Berlin im Austausch

Wissenschaftlerinnen der Museums Association of Namibia und des Ethnologischen Museums in Berlin im Austausch

Foto: Moritz Fehr, 2019

„Für die aufrichtige Auseinandersetzung mit der deutschen Kolonialvergangenheit ist der verantwortungsvolle Umgang mit Kulturgütern aus den Herkunftsländern von großer Bedeutung“, betont Kulturstaatsministerin Monika Grütters. Die Erforschung der Herkunft von Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten ist ein besonderes kulturpolitisches Anliegen der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM). Dies gilt auch für den angemessenen Umgang mit dem Sammlungsgut und für eine partnerschaftliche Zusammenarbeit mit den Herkunftsgesellschaften.

Ausführliche Informationen und Handlungsempfehlungen dafür gibt der Leitfaden des Deutschen Museumsbunds, der von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien gefördert wurde und jetzt in dritter, überarbeiteter Fassung vorliegt.

Grütters begrüßt die Handreichung als praxisorientierte Arbeitshilfe für die Auseinandersetzung mit kolonialen Sammlungen in deutschen Museen. Entscheidend seien hierbei sowohl eine offene Haltung gegenüber möglichen Rückführungen als auch eine zukunftsgewandte, respektvolle Verständigung mit den Herkunftsgesellschaften, so die Kulturstaatsministerin.

Praktische Handlungsempfehlungen für Museen in Deutschland

Die erstmals 2018 erschienene Handreichung ist damit das zentrale Arbeitsinstrument für Museen, um ihre kolonialen Sammlungen aufzuarbeiten. Bereits 2019 entstand unter Beteiligung von Expertinnen und Experten aus verschiedenen Herkunftsstaaten die zweite Auflage. Die dritte und finale Fassung greift weitere internationale Perspektiven, beispielsweise aus Alaska, Australien, Neuseeland und Tansania auf, und wird durch einen E-Reader ergänzt.

Unter  www.museumsbund.de/kolonialismus steht der Leitfaden in Deutsch, Englisch und Französisch zum Download bereit.

Beratung für Personen und Institutionen aus den Herkunftsgesellschaften

Bund und Länder stehen den Herkunftsgesellschaften ebenfalls beratend zur Seite. Die im August 2020 eingerichtete „Kontaktstelle für Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten“ in Deutschland bietet Personen oder Institutionen aus den Herkunftsstaaten und den betroffenen Herkunftsgesellschaften die Möglichkeit, sich über Bestände von Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten in Deutschland zu informieren.

Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten findet sich in fast allen Museumssparten. Nicht nur ethnologische, sondern auch naturkundliche, historische oder Heimatmuseen bewahren Objekte aus ehemaligen deutschen Kolonien in ihren Sammlungen.