Staatsministerin für Kultur und Medien

2. Jahrestagung Initiative kulturelle Integration

Medien als Vermittler der Kulturen

Bei der zweiten Jahrestagung der Initiative Kulturelle Integration unter dem Motto "Integration, Demokratie und Medien" hat Kulturstaatsministerin Grütters die Rolle der Medien als Vermittler in der Integrationsdebatte unterstrichen: Medien seien dafür mitverantwortlich, "ob wir kulturelle Vielfalt als beängstigend oder als bereichernd wahrnehmen", erklärte sie zur Eröffnung der Tagung in Berlin.

Kulturstaatsministerin Monika Grütters hält die Eröffnungsrede.

Grütters: "Medien können erheblich dazu beitragen, wie wir das Fremde einordnen."

Foto: Svea Pietschmann

Welchen Beitrag kann Kultur zur Integration und zum gesellschaftlichen Zusammenhalt leisten? Mit dieser Frage hat sich die Initiative kulturelle Integration seit ihrer Gründung 2016 auseinandergesetzt. In 15 Thesen hatte sie 2017 Vorschläge unterbreitet, die unter anderem auch Bezug nehmen auf die Rolle der Medien für eine demokratische Debatten- und Streitkultur.

Wie es um das Verhältnis von Integration, Demokratie und Medien bestellt ist, das diskutierten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der zweiten Jahrestagung der Initiative im Jüdischen Museum Berlin. Eröffnet hat sie Kulturstaatsministerin Monika Grütters gemeinsam mit der Präsidentin des Deutschen Kulturrates, Susanne Keuchel.

Mitglieder der Initiative kulturelle Integration sind neben der Staatsministerin für Kultur und Medien, das Bundesinnenministerium, das Bundesministerium für Arbeit und Soziales und die Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration sowie der Deutsche Kulturrat. Neben den Initiatoren gehören 23 weitere Mitglieder aus der Zivilgesellschaft, den Kirchen und Religionsgemeinschaften, den Medien, den kommunalen Spitzenverbänden und der Sozialpartner sowie der Kultusministerkonferenz der Initiative an.

Wächter der Demokratie

In ihrer Rede wies die Staatsministerin für Kultur und Medien darauf hin, dass die Konfrontation mit anderen Lebensweisen und Weltanschauungen auch Ängste auslöst und mit ihnen ein Bedürfnis nach Selbstvergewisserung und klaren Regeln wächst. Weil jegliche Form von Vielfalt Verständigung brauche, erfordere das Fremde Kommunikation, so Grütters: "Nicht, um das Fremde aufzuheben – sondern, um es zu benennen, um uns darüber zu verständigen, wie wir trotz und gerade mit dem Fremden gut miteinander leben können."

Während in Sozialen Medien gehetzt, gepöbelt und Hass gesät werde, fuhr Grütters fort, "sind Glaubwürdigkeit und Vertrauen in traditionelle Medien unverzichtbar. Dort wo Algorithmen Filterblasen technisch verstärken, ist der Zugang zu einem medialen Themen- und Meinungsspektrum das beste Bollwerk gegen Populismus". Der kritische Journalismus sei deshalb ein Wächter der Demokratie und ein Vermittler zwischen den Kulturen.

These sechs

Diese wichtige Funktion der Medien hatte die Initiative kulturelle Integration auch in ihren 15 Thesen aufgegriffen. In These sechs heißt es dazu: "Eine demokratische Debatten- und Streitkultur trägt zur Entwicklung individueller und gesellschaftlicher Positionen bei." Unverzichtbar für diese Meinungsbildung sind demnach Medien, indem sie Hintergrundinformationen bieten, Diskussionen anregen und Werte vermitteln.

Gerade bei so komplexen Themen wie Globalisierung und Digitalisierung brauche es umso dringender eine ausgewogene, differenzierte Berichterstattung, betonte auch die Staatsministerin bei der diesjährigen Tagung.

Klimawandel in der Kommunikation

Medienwissenschaftler Bernhard Pörksen von der Universität Tübingen forderte in seinem Vortrag gar einen "Klimawandel in der Kommunikation" weg von der "Empörungsdemokratie". Zudem machte er sich stark für die Einführung des Unterrichtsfaches "Medienkompetenz", weil es immer wichtiger werde, die Mechanismen, insbesondere der digitalen Medien, zu verstehen.

Im Anschluss diskutierten Vertreterinnen und Vertreter verschiedener Medienrichtungen über die Demokratiewachsamkeit in Zeiten digitaler Medien. In der zweiten Diskussionsrunde am Nachmittag gingen die Teilnehmer der Frage nach, was getan werden muss, um Bürgerinnen und Bürgern die Chance zu geben, sich umfassend zu bilden und zu informieren, um an demokratischen Prozessen teilhaben zu können - unabhängig davon, ob es sich um Menschen mit oder ohne Migrationshintergrund handelt.