Lübecker Synagoge wiedereröffnet

Jüdisches Leben in Deutschland Lübecker Synagoge wiedereröffnet

Die Carlebach-Synagoge in Lübeck ist die einzige Synagoge in Schleswig-Holstein, die vollständig erhalten ist und heute wieder als jüdisches Gotteshaus genutzt wird. Nach langjähriger Sanierung wurde sie jetzt – pünktlich zum Festjahr „1.700 Jahre Jüdisches Leben in Deutschland“ – feierlich wiedereröffnet.

Eröffnungsfeier im reich verzierten Gebetssaal der Carlebach-Synagoge in Lübeck

Eröffnungsfeier im reich verzierten Gebetssaal der Carlebach-Synagoge in Lübeck

Foto: Felix König

Die Lübecker Synagoge zählt zu den wenigen jüdischen Gotteshäusern in Deutschland, die den Nationalsozialismus überstanden haben. Rund zehn Jahre lang dauerte ihre Sanierung. Nun können die Mitglieder der Jüdischen Gemeinde Lübeck wieder Gottesdienste in der schmuckvollen Gebetshalle feiern.

Am Festakt zur Wiedereröffnung nahmen heute auch Kulturstaatsministerin Monika Grütters und Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther gemeinsam mit dem Präsidenten des Zentralrats der Juden in Deutschland Josef Schuster teil. 

Jüdisches Leben gehört zu Deutschland

Die Synagoge mit ihrem prächtigen Gebetssaal „zeigt jüdisches Leben als inspirierenden Teil deutscher Geschichte und Gegenwart“, erklärte Kulturstaatsministerin Grütters in ihrer Eröffnungsrede. Damit sei sie zugleich auch ein wichtiger Beitrag zur Antisemitismus-Prävention: „Denn wo Menschen begreifen, wie stark europäische Kunst und Kultur, Wissenschaft und Wirtschaft von Jüdinnen und Juden geprägt sind, wie stark jüdische Kultur Teil europäischer Kultur ist, wird die Saat antisemitischer Hetze nicht aufgehen“, so die Staatsministerin.

Die Carlebach-Synagoge ist ein Kulturdenkmal von nationaler Bedeutung. Die Kosten für ihre Sanierung in Höhe von insgesamt rund neun Millionen Euro wurden gemeinsam vom Bund, dem Land Schleswig-Holstein, der Hansestadt Lübeck und der Lübecker Possehl-Stiftung getragen. Der Bund beteiligte sich daran mit 3,6 Millionen Euro aus dem Kulturhaushalt. 

Sanierte Synagoge zeigt wechselvolle Geschichte

Die Lübecker Synagoge wurde zwischen 1878 und 1880 nach Vorbild der Berliner Neuen Synagoge in der Oranienburger Straße errichtet. Während der Reichspogromnacht 1938 wurde das Gotteshaus im Innern verwüstet, das Gebäude selbst blieb verschont. Die reich verzierte Fassade im maurischen Stil mitsamt der prächtigen Kuppel rissen die Nationalsozialisten ab. Zurück blieb ein schlichter Backsteinbau.

Die Spuren der nationalsozialistischen Zerstörung wurden bei der Sanierung nicht verdeckt, die schlichte Fassade beibehalten. Der Innenraum erstrahlt heute wieder mit einer reich verzierten, zweistöckigen Gebetshalle und bunten Glasfenstern in alter Schönheit.

Eine neue Dauerausstellung erzählt vor Ort die bewegte Geschichte der Synagoge und des jüdischen Lebens in Lübeck. Dank  eGuide kann die Ausstellung auch virtuell besucht werden.

Kulturellen Reichtum jüdischer Tradition sichtbar machen

Die jahrhundertealte deutsch-jüdische Geschichte steht in diesem Jahr auch im Mittelpunkt des Festjahrs „1.700 Jahre Jüdisches Leben in Deutschland“. Mit einem großen Veranstaltungsprogramm zeigt es die Vielfalt und lange Tradition der jüdischen Kultur hierzulande. 

Wie bedeutsam die jüdische Tradition in Deutschland war und ist, rief Ende Juli 2021 zudem die Entscheidung der UNESCO ins öffentliche Bewusstsein, die SchUM-Stätten Speyer, Worms und Mainz in die Liste des-UNESCO-Welterbes aufzunehmen. SchUM steht als Abkürzung für die mittelalterlichen hebräischen Anfangsbuchstaben der drei Städte.

Die jüdischen Gemeinden in den drei Städten bildeten gemeinsam einen Verbund und waren im Mittelalter Vorreiter auf vielen Gebieten. So prägten sie Architektur, Kultur, Religion und Rechtsprechung jüdischer Menschen. Bis heute zeugen Bauwerke und Friedhöfe von der immensen Bedeutung, die diesen Gemeinden in der jüdischen Welt seit dem Mittelalter zugesprochen wird.

Zur Themenseite „Jüdisches Leben in Deutschland“
 

Schlagwörter