Ein Laboratorium für den Tanz

Tanzförderung Ein Laboratorium für den Tanz

Zum elften Mal treffen sich Tanzschaffende zur "Tanzplattform Deutschland". Das Festival, das dieses Jahr in Hamburg stattfindet, ist eine Ideenfabrik für die Zukunft des zeitgenössischen Tanzes. Zwölf herausragende Produktionen wurden eingeladen.

"Sider" choreografiert von William Forsythe bei der Tanzplattform Deutschland in Hamburg

The Forsythe Company eröffnete die Tanzplattform Deutschland mit dem Stück "Sider".

Foto: Dominik Mentzos

Ein Forum, auf dem sich Tanzschaffende austauschen können, ein Laboratorium, in dem Choreografen ihre Stücke präsentieren können - das ist die Tanzplattform. Das viertägige Festival findet alle zwei Jahre an wechselnden Orten statt und ist mittlerweile in ganz Europa bekannt. Vom 27. Februar bis 2. März präsentiert sich die Tanzplattform in Hamburg.

Paradigmenwechsel für den Tanz

Der deutsche Tanz hat sich aus dem Nischendasein emanzipiert. Deutsche Tanzschaffende sind experimentierfreudig und finden auf der internationalen Bühne ein immer breiteres Publikum. Dass der Tanz auch in der Politik berücksichtigt wird, freut Kulturstaatsministerin Monika Grütters besonders. Sie eröffnete die Tanzplattform in der Hamburger Spielstätte Kampnagel.

Erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland sei der Tanz in einen Koalitionsvertrag der Bundesregierung aufgenommen worden. "Wenn das kein Paradigmenwechsel ist", so Grütters. Der zeitgenössische Tanz gehöre zu den innovativsten Künsten. "Er ist ein Schmelztiegel vielfältiger Einflüsse – und das in vielerlei Hinsicht."

Vielfältige Tanzproduktionen

Die elfte Tanzplattform zeigt diese vielfältigen Einflüsse. Eine vierköpfige Jury hatte zwölf deutsche Tanzproduktionen zur Tanzplattform nach Hamburg eingeladen. Ihre Produktionen waren in den vergangenen zwei Jahren aus der deutschen Tanzlandschaft besonders herausgestochen.

Raimund Hoghe etwa, ehemaliges Mitglied des Ensembles von Pina Bausch, ist mit seinem Stück "Cantatas" vertreten. Der Choreograf Sebastian Matthias wurde bereits zum zweiten Mal zur Tanzplattform eingeladen. Weitere Choreografen und Tänzer präsentieren Konzepttanz, Verkörperungen literarischer Texte und Choreografien auf Klassik, Jazz oder Pop.

Den Auftakt des Festivals machte der amerikanische Choreograf William Forsythe. Mit seiner Companie zeigte er das Stück "Sider", in dem er mit beunruhigenden Bewegungskonfigurationen eine Tragödie aus dem 16. Jahrhundert kommentierte.

Das Rahmenprogramm des Festivals lädt zur Diskussion über die Zukunft des Tanzes ein: In Workshops und Diskussionen sprechen die Tanzschaffenden über alternative Rezeptionsformen und Fördermöglichkeiten. Ein Nachwuchswettbewerb und Installationen runden das Programm ab.

Offen für das Publikum

Die Tanzplattform ist kein Insider-Treff. Die Spielstätte Kampnagel öffnet die Veranstaltung auch für das Publikum. Eine Woche vor und eine Woche nach der Tanzplattform laden Hamburger Tanzinstitutionen und Hamburger Tanzschaffende zu ihren Produktionen ein.

Das Festival Tanzplattform Deutschland findet alle zwei Jahre statt. Es wurde 1994 als bedeutendstes Präsentationsforum für zeitgenössischen Tanz aus Deutschland ins Leben gerufen. Die 11. Tanzplattform präsentiert sich vom 27. Februar bis 2. März 2014 in der Hamburger Spiel- und Produktionsstätte Kampnagel. Die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) fördert die "Tanzplattform Deutschland" mit 240.000 Euro.

Neben der "Tanzplattform Deutschland", dem "Dachverband Tanz" und dem "Nationalen Performance Netz zur Förderung von Gastspielen" unterstützt die BKM auch das Bundesjugendballett als Modellvorhaben für den Spitzennachwuchs.

Auch die Kulturstiftung des Bundes fördert den zeitgenössischen Tanz mit diversen Programmen und Initiativen: mit einem Fonds für Partnerschaften zwischen Tanzinstitutionen und Schulen, dem "Tanzfonds Erbe" sowie dem regelmäßig veranstalteten "Tanzkongress".