Staatsministerin für Kultur und Medien

Diskussionsreihe ZUKUNST!

Im Fokus: Kunst und Kommerz

In der Reihe ZUKUNST! diskutieren Akteure aus Kunst, Wissenschaft, Handel und Museum auf Einladung von Kulturstaatsministerin Grütters über aktuelle Herausforderungen und Perspektiven der Kultur. Im Frankfurter Städel Museum stand diesmal das Thema "Kunst und Kommerz" im Mittelpunkt.  

Ansicht des Städel Museums mit Anbau in Frankfurt am Main

Städel Museum in Frankfurt am Main: Hier fand die dritte Ausgabe der der Diskussionsreihe "ZUKUNST!" statt

Foto: Städel Museum

Wie können wir mit Blick auf die Entwicklung des Kunstmarkts die Wertschätzung der Kunst fördern? Was können wir ihrer Degradierung zum Spekulationsobjekt entgegen setzen? Welche politischen Rahmenbedingungen brauchen wir, damit die Kunst und Kultur auch abseits des Mainstreams gedeihen und sich dem Diktat des Marktes, des Zeitgeistes und des Massengeschmacks widersetzen können?

Kunst und Kapital - Allianz mit zwei Seiten

Mit diesen Fragen leitete Kulturstaatsministerin Monika Grütters gestern die Diskussion zum Thema "Kunst und Kommerz" im Frankfurter Städel Museum ein. Dass zwischen Kunst und Kapital auch positive Allianzen jenseits wirtschaftlicher Interessen bestehen, machte Grütters am Beispiel der Fördervereine deutscher Museen oder des Engagements privater Sammler und Spender deutlich.

Diskussionsrunde im Frankfurter Städel Museum

In der Diskussion: Aufgaben von Museum und Handel heute

Foto: BKM/Thomas Widenka

Gleichzeitig zeigte sich Grütters angesichts des Hypes um die zeitgenössische Kunst und mit Blick auf einen überhitzten Kunstmarkt besorgt, dass möglicherweise das Bewusstsein verloren gegangen sei, "dass Kunst einen Wert und einen Preis hat und dass die sorgfältige Unterscheidung zwischen beidem keinesfalls nur eine semantische Spitzfindigkeit ist".

Auf dem Podium: Dr. Philipp Demandt, Direktor des Städel Museums und des Liebighauses und Leiter der Schirn Kunsthalle hier in Frankfurt, die international renommierte Künstlerin Prof. Karin Kneffel, Markus Eisenbeis, Inhaber und Geschäftsführer des Auktionshauses "Van Ham Kunstauktionen" und der Kunsthistoriker und Kulturwissenschaftler Prof. Wolfgang Ullrich. Moderatorin des Abends war Dr. Rose-Maria Gropp, Ressortleiterin Kunstmarkt bei der FAZ.

Auswirkungen des globalisierten Kunstmarkts

In seinem Einführungsvortrag zeichnete der Kunstwissenschaftler Wolfgang Ullrich den Strukturwandel hin zu einem globalisierten Kunstmarkt nach. Das veränderte Verständnis von Kunst als einer Art exklusiver Premium-Marke, die inzwischen auch mit Luxusgütern präsentiert werde, habe nicht zuletzt zu einem Paradigmenwechsel im Selbstverständnis des Museums geführt, so Ullrich.

In der anschließenden Diskussion griff Städel-Direktor Philipp Demandt diese These insofern auf, als auch er Auswirkungen der Entwicklungen auf dem Kunstmarkt in der Museumsarbeit feststellt: Zum Beispiel bei Ausstellungen wertvoller Kunstwerke, die wegen der hohen Versicherungssummen heute deutlich teurer sind.

Dass allerdings nur ein geringer Prozentsatz der Kunstwerke auf dem Markt zu so exorbitanten Preisen gehandelt wird, machte Kunstauktionator Markus Eisenbeis deutlich. Auch die Künstlerin Karin Kneffel erinnerte daran, dass nur ein ganz kleiner Teil der ausgebildeten Künstlerinnen und Künstler Werke teuer verkaufen könne und damit wirtschaftlich erfolgreich sei.

Politik ist gefordert

Die Frage nach der Rolle der Politik nutzte Wolfgang Ullrich, um auf das erweitere Aufgabenspektrum der Museen hinzuweisen: Digitalisierung, Provenienzforschung oder auch der erweiterte Bildungsauftrag stellten die Häuser vor neue Aufgaben.

Wie wichtig der Handel, insbesondere die Galerien, nicht nur für Künstlerinnen und Künstler, sondern auch für die Museen sind, erklärte Markus Eisenbeis – und wies auf die Schwierigkeiten des Handels durch die Umsatzbesteuerung und die Künstlersozialabgabe hin.

Frage nach den Perspektiven

Die Anfeindungen der Kunstfreiheit, die Herausforderungen durch die Digitalisierung oder auch die zunehmende Kommerzialisierung von Kunst und Kultur in einer globalisierten Welt sind Themen, die Künstlerinnen und Künstler ebenso bewegen wie Akteure und Experten aus Kultur, Medien und Politik.

Um einen Eindruck zu gewinnen, wie Kreative verschiedener Sparten in ganz Deutschland die Situation bewerten und welche Möglichkeiten sie zur Bewältigung der kultur- und medienpolitischen Herausforderungen sehen, hat Kulturstaatsministerin Grütters das Diskussionsformat ZUKUNST! Perspektiven für Kultur und Medien ins Leben gerufen. Bisher fanden bereits in Dresden und Dortmund Veranstaltungen zu den Themen Kunstfreiheit und Digitalisierung statt.

  

Schlagwörter