Grütters: Wir brauchen größtmögliche Transparenz!

Aufarbeitung des kolonialen Erbes Grütters: Wir brauchen größtmögliche Transparenz!

Die Aufarbeitung der deutschen Kolonialherrschaft stand heute im Mittelpunkt einer Debatte im Deutschen Bundestag. „Es bleibt unsere moralische Verantwortung, Unrecht und Ungerechtigkeit ans Licht zu holen und unsere koloniale Vergangenheit aufzuarbeiten“, erklärte Kulturstaatsministerin Grütters.

Álvaro Jorge, Leiter des Museums in Luanda, zeigt Ziva Domingos, Hermann Parzinger und Norbert Spitz die Depots seines Hauses

Partnerschaftlicher Dialog: Kollegen aus Luanda und Berlin im Depot des Museu Nacional de Antropologia in Angola

Foto: SPK / Stefan Müchler

Die Bundesregierung hat sich im Koalitionsvertrag zur konsequenten Aufarbeitung des kolonialen Erbes Deutschlands bekannt – denn aus der deutschen Kolonialgeschichte resultiert eine besondere historische Verantwortung. Zuständig für die kulturpolitische Aufarbeitung der kolonialen Vergangenheit ist die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM). Dafür hat die BKM ein eigenes Referat und einen eigenen Haushaltstitel eingerichtet.

Bereits umgesetzt wurden laut Kulturstaatsministerin Grütters eine ganze Reihe von Maßnahmen: von der Ausweitung der Provenienzforschung über die Erarbeitung einer Digitalisierungsstrategie bis hin zu Rückführungen. „Voraussetzung kulturpolitischer Aufarbeitung ist, dass alle Museen ihre Bestände erforschen – und zwar proaktiv, nicht erst bei Rückführungsersuchen!“, so Grütters.

BKM fördert Aufarbeitung des Kolonialismus umfassend

„Erste Eckpunkte zum Umgang mit Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten“ hat der Bund gemeinsam mit den Ländern und kommunalen Spitzenverbänden im März 2019 beschlossen. Seit 2019 stellt die BKM Mittel für das Deutsche Zentrum Kulturgutverluste (DZK) bereit, damit es Projekte zur Provenienzforschung bei Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten fördern kann.

Praktische Hilfestellung für die museale Arbeit bieten die von der BKM geförderten Publikationen „Empfehlungen zum Umgang mit menschlichen Überresten in Museen und Sammlungen“ und der „Leitfaden zum Umgang mit Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten“, der erstmals 2018 erschienen ist. Diese Handreichung hat der Deutsche Museumsbund am 23. Februar 2021 in einer dritten und finalen Fassung veröffentlicht.

Zur Aufarbeitung der deutschen Kolonialvergangenheit tragen außerdem zahlreiche weitere von der BKM geförderte Einrichtungen bei. So etwa die Kulturstiftung des Bundes (KSB) mit der „Initiative für Ethnologische Sammlungen“ oder das Bundesarchiv, das die Aktenbestände des Reichskolonialamtes fast vollständig digitalisiert hat und zur Online-Recherche zur Verfügung stellt.

Informations- und Beratungsangebot für Herkunftsgesellschaften

Den Herkunftsgesellschaften stehen Bund und Länder ebenfalls beratend zur Seite. Die von der BKM mitfinanzierte „Kontaktstelle für Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten in Deutschland“ hat im August 2020 ihre Arbeit aufgenommen. Sie bietet Personen oder Institutionen aus den betroffenen Herkunftsstaaten und Herkunftsgesellschaften die Möglichkeit, sich über Sammlungen aus kolonialen Kontexten in Deutschland zu informieren.

Andauerndes Engagement für Aufklärung und Aufarbeitung

Die Staatsministerin für Kultur und Medien kündigte außerdem an, sich weiter für Aufklärung und Aufarbeitung stark zu machen. Grütters hoffe, dass größtmögliche Transparenz bei Beständen aus kolonialen Kontexten und Offenheit gegenüber möglichen Rückführungen den Weg bereiten für das Glück der Verständigung und der Versöhnung.