Grütters: „Jüdisches Leben gehört zu uns!“

Deutsch-jüdisches Festjahr Grütters: „Jüdisches Leben gehört zu uns!“

Die deutsch-jüdische Geschichte und Gegenwart stehen im Mittelpunkt des Festjahres „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“. Es lädt nicht nur dazu ein, den Reichtum jüdischer Kultur kennenzulernen. Es setzt auch ein deutliches Zeichen gegen Antisemitismus.

Im Jahr 2021 leben Jüdinnen und Juden nachweislich seit 1.700 Jahren auf dem Gebiet des heutigen Deutschlands.

Im Jahr 2021 leben Jüdinnen und Juden nachweislich seit 1.700 Jahren auf dem Gebiet des heutigen Deutschlands.

Foto: 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland e.V.

Über 200.000 Jüdinnen und Juden leben heute in Deutschland. 76 Jahre nach der Shoah und den NS-Verbrechen seien jüdisches Leben und jüdischer Alltag ein Geschenk und eine große Geste des Vertrauens, erklärte die Staatsministerin für Kultur und Medien Monika Grütters anlässlich der Eröffnung des Festjahrs. 

Im Mittelpunkt des Programms, das die Kulturstaatsministerin mit unterstützt, stehen die Vielfalt und die lange Tradition jüdischen Lebens in Deutschland. Veranstaltungen und Projekte vermitteln den Reichtum jüdischer Kultur. Gleichzeitig schaffen sie Raum für Begegnungen von Juden und Nicht-Juden. Damit soll auch dem zunehmenden Antisemitismus entgegengetreten werden.

„Jüdisches Leben gehört zu uns!“, betont Grütters. Dies mache das Festjahr auf vielfache Weise für alle Menschen in Deutschland erfahrbar. Verbunden sei damit der Wunsch, „dass sich ein selbstbewusstes Judentum hier in Zukunft noch offener entfalten kann“, so die Kulturstaatsministerin weiter. Angesichts immer hemmungsloser zur Schau getragener antisemitischer Provokationen müsse gerade auch die junge Generation frühzeitig und nachhaltig dafür sensibilisiert werden. 

1.700 Jahre jüdisches Leben

Mindestens seit dem 4. Jahrhundert n. Chr. gibt es jüdisches Leben auf dem Gebiet der heutigen Bundesrepublik. Davon zeugt ein kaiserliches Edikt aus dem Jahr 321, das Juden gestattete, öffentliche Ämter im Kölner Stadtrat anzunehmen.

In Köln hat auch der Verein "321 – 2021: 1.700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland" seinen Sitz, der das Festjahr koordiniert und gestaltet. Bundesweit hat er rund 1.000 Veranstaltungen im Lauf des Jahres geplant – von Konzerten über Ausstellungen, Film- und Theateraufführungen bis hin zu Video- und Podcast-Projekten. 

Weitere Informationen finden Sie auf der Webseite zum Festjahr „#2021JLID – Jüdisches Leben in Deutschland“.

Vielfalt jüdischer Kultur sichtbar machen

Die Staatsministerin für Kultur und Medien stellt für das Festjahr insgesamt bis zu 1,6 Millionen Euro aus ihrem Haushalt zur Verfügung. Neben der Auftaktveranstaltung wird damit beispielsweise auch der Kinodokumentarfilm „Walter Kaufmann – welch ein Leben!“ von Karin Kaper und Dirk Szuzies gefördert. Er erzählt die abenteuerliche Lebensgeschichte des kürzlich im Alter von 97 Jahren verstorbenen Berliners, in dessen Leben sich beispielhaft die Erschütterungen des 20. Jahrhunderts spiegeln. Der Film ist in Zusammenarbeit mit dem Internationalen Auschwitz-Komitee e.V. entstanden.

Ein anderes gefördertes Projekt ist „Klingende Utopien - #2021“ des Deutschen Musikrats und des Bundesjazzorchesters. Es verknüpft jüdische Stummfilmklassiker wie Fritz Langs „Das Cabinett des Dr. Caligari“ aus dem Jahr 1920 mit zeitgenössischem Jazz und Vokalmusik. Konzerte sind pandemiebedingt erst für die zweite Jahreshälfte geplant.

Aus der Geschichte lernen

Auch jenseits des Festjahrs sind die historische Aufarbeitung des Nationalsozialismus und die Bekämpfung von Antisemitismus zentrale politische Anliegen der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien. Aus ihrem Haushalt wird das Jüdische Museum Berlin mit fast 19 Millionen Euro jährlich gefördert. Zudem setzt sie sich mit Bundesmitteln für den Erhalt jüdischer Synagogen ein, unter anderem in Augsburg, Lübeck und Kiel. 

Im Kampf gegen Antisemitismus spielen zudem bundesgeförderte Gedenkstätten und Dokumentationsstätten im Bereich der NS-Aufarbeitung eine zentrale Rolle. Das Förderprogramm „Jugend erinnert“ unterstützt sie bei der Entwicklung zeitgemäßer Bildungsformate. Dadurch sollen gerade junge Menschen erreicht werden.

Die Kulturstaatsministerin engagiert sich auch im Rahmen des Aktionstages, der in Erinnerung an den antisemitischen Anschlag in Halle künftig jedes Jahr am 9. Oktober stattfinden soll. Er soll mit unterschiedlichen Formaten Begegnung und Austausch zwischen Juden und Nicht-Juden in Deutschland anregen. Eine der ersten Aktionen war der Fotowettbewerb "Zusammenhalt in Vielfalt", den die Kulturstaatsministerin gemeinsam mit dem Antisemitismus-Beauftragten der Bundesregierung, dem Zentralrat der Juden in Deutschland und der Initiative Kulturelle Integration ausgelobt hat. 

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