Staatsministerin für Kultur und Medien

"Burning Issues" beim 56. Theatertreffen Berlin

Frauen! Macht! Theater!

Bei der Konferenz "Burning Issues Meets Theatertreffen" hat sich Kulturstaatsministerin Grütters für eine stärkere Rolle von Frauen in der deutschen Theaterlandschaft ausgesprochen. Dabei mahnte sie einen sparsamen Umgang mit Quoten in der Kultur an. Zugleich wies die Staatsministerin entschieden Spekulationen zurück, die neue Frauenquote beim Theatertreffen sei auf ihre Initiative hin entstanden.

Eine Theaterschauspielerin rauft sich die Haare.

Das Deutsche Theater zeigt "Persona“ in der Regie von Anna Bergmann.

Foto: Arno Declair

Das Festival des deutschsprachigen Sprechtheaters hat auch in diesem Jahr die zehn "bemerkenswertesten" Inszenierungen aus der vergangenen Theatersaison nach Berlin geholt. Rund 400 Aufführungen in 65 Städten hatte sich die unabhängige Jury angesehen.

Die ausgewählten Stücke thematisierten unter anderem aktuelle Debatten um weibliche Identität, den Umgang mit Geld und Eigentum und stellten Kriegslandschaften der Gegenwart nach.

Theatertreffen künftig mit Quote

Besonders das Thema Frauen stand auch abseits der Bühne ganz oben auf der Agenda: Weil bei der diesjährigen Ausgabe erneut nur ein sehr geringer Anteil der Inszenierungen aus weiblicher Feder stammten - drei von zehn waren es - hatte Festivalleiterin Yvonne Büdenhölzer für 2020 und 2021 eine Frauenquote zur Auswahl der Aufführungen angekündigt: Mindestens die Hälfte der Stücke soll dann von Regisseurinnen oder einem überwiegend weiblichen Ensemble kommen. Damit wollen die Organisatoren des Theatertreffens ein Signal für mehr Gleichberechtigung in der deutschsprachigen Theaterszene setzen.

Wie dies auch ohne Quoten zu erreichen ist, diskutierten die Teilnehmerinnen der dreitägigen Konferenz "Burning Issues Meets Theatertreffen". Dort gingen sie Fragen der "Gender(un)gleichheit" in der Theaterwelt nach und erörterten, wie sie sich künftig stärker in Richtung Gleichberechtigung, Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie größere Diversität weiterentwickeln lässt.

Oberster Grundsatz: Die Kunst ist frei

Weil dies auch eines der wichtigen Anliegen der Kulturpolitik des Bundes ist, hat Kulturstaatsministerin Grütters auf der Konferenz Stellung bezogen - sowohl für eine stärkere Rolle der Frauen im Theaterbetrieb als auch für die Autonomie der Kultureinrichtungen. Grütters machte deutlich, dass die Einführung einer Frauenquote beim Theatertreffen eben jener Autonomie entsprungen und gerade nicht auf politische Vorgaben ihres Hauses zurückzuführen sei, wie in der Berichterstattung der vergangenen Wochen vermutet wurde.

Grütters betonte, sie hege insgesamt wenig Sympathie für Quoten. Es sei ihre persönliche Überzeugung, "dass es mit einer paritätisch durch Frauen und Männer besetzten Jury, wie es sie beim Theatertreffen schon seit Jahren gibt, einer Frauenquote nicht bedurft hätte". Die Auswahl der zehn "bemerkenswertesten Inszenierungen" eines Jahres solle sich einzig an ästhetisch-künstlerischen Kriterien bemessen. Diese Qualitätskriterien mit Vorgaben für das Auswahlergebnis zu vermischen, so die Kulturstaatsministerin weiter, sei kulturpolitisch widersprüchlich und gleichstellungspolitisch kontraproduktiv.

Über Quoten lasse sich trefflich streiten, selbst bei absoluter Einigkeit, was die Notwendigkeit von Frauenförderung betrifft. "Unstrittig und unbestreitbar aber ist für mich die Autonomie unserer Kultureinrichtungen. Der Respekt vor dieser Autonomie, vor der Freiheit der Kunst, ist oberster Grundsatz meiner Kulturpolitik."

Schaufenster der Theaterlandschaft

Bereits seit 1963 präsentiert das Theatertreffen jedes Jahr die große Bandbreite an deutschsprachigen Inszenierungen. Während der Schwerpunkt im Hauptprogramm auf deutschsprachigen Werken liegt, richtet der Stückemarkt den Blick des Publikums auch auf die internationale Theaterlandschaft. Mit Spannung erwartet wurde auch in diesem Jahr die Vergabe von drei Auszeichnungen. Der Theaterpreis Berlin der Stiftung Preußische Seehandlung wird an eine Person oder Gruppe verliehen, dem besondere Dankbarkeit für seine Leistungen am deutschsprachigen Theater ausgesprochen wird. Die Auszeichnung erhielt dieses Jahr das Perfomancekollektiv She She Pop. Der Preis ist mit 20.000 Euro dotiert.

Der 3sat-Preis würdigt seit 1997 "richtungsweisende, künstlerisch-innovative Leistungen aus den eingeladenen Inszenierungen des Theatertreffens". In der diesjährigen Ausgabe erhielt Regisseur Ersan Mondtag für "Das Internat" den Preis.

Kurz vor dem Finale des Theatertreffens konnte sich der österreichische Schauspieler Johannes Nussbaum über den Alfred-Kerr-Preis für seine Darstellung in der Aufführung "Das große Heft" (Staatsschauspiel Dresden) freuen. Dieser wird jedes Jahr an ein Nachwuchstalent aus einem der beim Theatertreffen gezeigten Stücke für herausragende Leistungen verliehen.

Szene aus dem "Oratorium".

"Oratorium" von She She Pop macht Geld, Eigentum und Scham zum Thema.

Foto: She She Pop / Benjamin Krieg

Breite Aufmerksamkeit erwartet auch die Gewinner des diesjährigen Theaterpreises des Bundes, den Kulturstaatsministerin Grütters am 27. Mai in Gera verleihen wird. Neben der Förderung des Berliner Theatertreffens hat der Bund diesen Preis 2015 ins Leben gerufen, um die Vielfalt des deutschen Theaters noch stärker sichtbar zu machen. Ausgezeichnet werden elf Theater, die durch ausgewöhnliche Produktionen, ihr künstlerisches Gesamtprogramm oder durch strukturelle Zukunftsentscheidungen überzeugten.