Rückgabe von privat

Ein Stück russischer Kultur kehrt zurück

Von 240 Teilen existieren wahrscheinlich nur noch fünf: Das wertvolle historische "Moskauer Service" aus dem fürstlichen Palast im russischen Pawlowsk gilt als weitgehend zerstört. Umso bedeutsamer ist die nun erfolgte Rückgabe eines Porzellantellers an seine ursprünglichen Eigentümer.

Ortwin und Friedgard Dally übergeben einen Porzellanteller in der Russischen Botschaft in Berlin.

Die bisherige Besitzerin Friedgard Dally (r.) und ihr Sohn hatten sich für die Rückkehr des Tellers eingesetzt.

Foto: BKM/Thomas Widenka

Es ist das Ende einer langen Reise: Nach mehr als 70 Jahren kehrt ein wertvoller Porzellanteller aus dem "Moskauer Service" in die ehemalige Sommerresidenz der russischen Zaren bei Sankt Petersburg zurück.

Die deutschen Besitzer, die sich persönlich für die Rückgabe eingesetzt hatten, übergaben das Stück heute in der russischen Botschaft in Berlin an einen Vertreter der russischen Föderation.

Deutschland und die damalige UdSSR vereinbarten 1990 im "Vertrag über gute Nachbarschaft, Partnerschaft und Zusammenarbeit" die Rückgabe verschollener und unrechtmäßig verbrachter Kunstschätze. Innerhalb der Bundesregierung ist Kulturstaatsministerin Monika Grütters als Beauftragte für Kultur und Medien für die Verhandlungen über die Kulturgüterrückführung mit Russland zuständig.

Dialog zu Rückführungen fortsetzen

Die Rückgabe ist kein Einzelfall: Allein in den vergangenen zwei Jahren kehrten fünf kriegsbedingt verbrachte Kulturgüter aus Deutschland nach Russland zurück. Dies zeige, dass das Thema der Rückführung kriegsbedingt verschollener und unrechtmäßig verbrachter Kulturgüter auch nach mehr als 70 Jahren nicht erledigt sei, betonte Günter Winands, Amtschef bei der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien.

Der bereits in den 1990er-Jahren begonnene Dialog zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Russischen Föderation zu Fragen der Kulturgüterrückführung müsse daher wieder konstruktiv fortgesetzt und eine gemeinsame Lösung für die noch offenen Fragen gefunden werden, so Winands weiter.

Ergebnis privaten Engagements

Das prächtige Porzellanservice umfasste einst 240 Teile, von denen heute wahrscheinlich nur noch fünf existieren. Die meisten wurden während des Zweiten Weltkriegs zerstört, geraubt oder galten nach dem staatlichen Ausverkauf der Ausstattung des großfürstlichen Palasts in Pawlowsk als verschollen.

Der heute übergebene Teller verschwand während des Zweiten Weltkriegs. Er wurde von einem deutschen Soldaten nach Deutschland gebracht, dessen Erben ihn nun den ursprünglichen Besitzern zurückgegeben haben.

Nahaufnahme des Porzellantellers.

Der Teller wurde im 18. Jahrhundert in der russischen Manufaktur Gardner gefertigt.

Foto: BKM/Thomas Widenka

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