Bund setzt Förderung der Themis fort

Vertrauensstelle gegen sexuelle Belästigung Bund setzt Förderung der Themis fort

„Erschreckend“ nannte Kulturstaatsministerin Grütters das Ausmaß sexueller Belästigung und Gewalt, das auch in vielen Bereichen der Kultur- und Medienbranche zu beklagen ist. Davon zeugen nicht zuletzt die vielen Anfragen bei der Vertrauensstelle „Themis“. Die Staatsministerin hat jetzt angekündigt, die Einrichtung weiter zu unterstützen.

Frau mit Abwehrgeste

Unabhängig und vertraulich: "Themis" bietet geschützten Raum für Beratung

Foto: picture alliance / Daniela - Simona Temneanu

338 gemeldete Fälle von sexueller Belästigung im deutschen Kultur- und Medienbereich und 715 Beratungsgespräche  – das war im September 2020 die beunruhigende Bilanz der ersten 24 Monate der Vertrauensstelle Themis e.V. Zugleich bestätigten die Zahlen die Notwendigkeit einer solchen Einrichtung. Im Jahr 2018 war die unabhängige Beratungsstelle im Zuge der #MeToo-Debatte auf Initiative mehrerer Brancheneinrichtungen der Film-, Fernseh- und Theaterbranche eingerichtet worden.

In einem geschützten Rahmen bietet die Themis professionelle juristische und psychologische Beratung für Menschen, die in der Kultur- und Medienbranche Erfahrungen mit sexualisierter Belästigung, Gewalt bzw. mit Machtmissbrauch gemacht haben. Zudem können sich Arbeitgeber dort über wirksame Präventionsmaßnahmen informieren und an Präventionsworkshops teilnehmen.

Förderung durch den Bund und ein Appell

Die Staatsministerin für Kultur und Medien stellt bis Mai 2021 insgesamt 300.000 Euro für den Aufbau und die Anlaufphase des Beratungsangebotes zur Verfügung. Wie Monika Grütters nun bekanntgab, soll die Themis Vertrauensstelle danach für eine weitere Förderperiode Unterstützung aus dem Kulturetat erhalten. 

Anlässlich einer Digitalkonferenz des Deutschen Kulturrats zum Thema Geschlechtergerechtigkeit am 8. Dezember 2020 appellierte Grütters zugleich an die Kulturbranche und forderte insbesondere die Arbeitgeberseite mit Nachdruck zu einem „eindeutigen Bekenntnis“ auf: „Wenn sich Kultur und Medien als gesellschaftliche Avantgarde verstehen, müssen sie sich umso intensiver am dringend notwendigen Kulturwandel für mehr Geschlechtergerechtigkeit beteiligen“, sagte Grütters. Bereits im Frühjahr hatte die Staatsministerin Kulturverbände dazu aufgerufen, die Arbeit der Themis noch stärker zu unterstützen. 

An der Finanzierung der Themis Vertrauensstelle beteiligte sich 2020 neben dem Bund die ARD mit 40.000 Euro. Der Deutsche Bühnenverein und die Verwertungsgesellschaft für Eigen- und Auftragsproduktionen (VFF) stellten jeweils 25.000 bzw. 20.000 Euro bereit. Je 15.000 Euro kamen von ZDF und dem Verband Privater Rundfunk und Telemedien e.V. (Vaunet). Die Allianz Deutscher Produzenten - Film & Fernsehen e.V. beteiligte sich mit 10.000 Euro. Beträge im vierstelligen Bereich steuerten der Deutsche Produzentenverband, Deutschlandradio, Deutsche Welle, der Bund Deutscher Konzertveranstalter (BDKV) sowie der Bundesverband Schauspiel e.V. (BFFS) bei. 

Weitere Informationen finden Sie auf der Webseite der Vertrauensstelle Themis.

Mehr Geschlechtergerechtigkeit im Kultur- und Medienbereich

Die erneute Themis-Förderung gab die Staatsministerin zum Auftakt der digitalen Konferenz „Geschlechtergerechtigkeit in Kultur und Medien Europas“ des Deutschen Kulturrats am 8. Dezember 2020 bekannt. Diese fand im Rahmen der deutschen EU-Ratspräsidentschaft statt. 

Staatsministerin Grütters hat das Thema Geschlechtergerechtigkeit im Rahmen der deutschen EU-Ratspräsidentschaft erstmals überhaupt auf die kulturpolitische Agenda der EU-Kulturministerinnen und –Kulturminister gesetzt. Auch während der kommenden EU-Ratspräsidentschaft Portugals 2021 werde das Thema auf der EU-Agenda bleiben, kündigten Grütters und die portugiesische Kulturministerin Graça Fonseca während der Konferenz an.

Geschlechtergerechtigkeit in Kunst, Kultur und Medien ist eines der zentralen politischen Anliegen von Staatsministerin Monika Grütters. Seit ihrem Amtsantritt hat sie sich mit diversen Maßnahmen und Projekten für Chancengleichheit  von Frauen im Kultur- und Medienbereich eingesetzt.